Versunkenes Luristan – eine unbekannte Kultur des persischen Raums wird lebendigEURASIEN IN AUSSTELLUNGEN

Versunkenes Luristan – eine unbekannte Kultur des persischen Raums wird lebendig

Eurasien wird derzeit in vielen sehenswerten Sammlungen präsentiert – Sonderschauen sind in München, Basel, Frankfurt, Hannover, Karlsruhe und Leipzig zu sehen

Von Barbara Gutmann

EM – Luristan – der Klang bronzener Gefäße und Schmuckstücke, und die Rhythmen geheimnisvoller Tänze scheinen mitzuschwingen, wenn man diesen Namen auch nur ausspricht. Luristan ist jedoch vor allem eines: rätselhaft. Denn erst seit ein paar Jahrzehnten werden schemenhaft die Umrisse jener Kultur lebendig, die vom 3. Jahrtausend bis zum 7. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung im heutigen West-Iran zu Hause war, genau gesagt im dortigen Zagros-Gebirge.

Die Luristaner waren Nomaden und haben außer eindrucksvollen Bronzearbeiten, die in der Erde die Zeit überdauern konnten, nichts hinterlassen. Im benachbarten Mesopotamien jedoch fand man Schriften, die immer wieder von der Bedrohung durch die wilden Stämme aus den Zagros-Bergen berichteten. Es sollen verwegene Reiter gewesen sein, in den Sätteln zu Hause und unstet auf Beutesuche umherstreifend. So manche reich bestückte mesopotamische Karawane dürfte ihnen zum Opfer gefallen sein.

Die Pferdezucht Luristans war ab Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. weithin berühmt und die Tiere waren wichtige Handelsobjekte mit den angrenzenden Ländern des Alten Orients. So geht es aus den Aufzeichnungen in Mesopotamien hervor.

In der Ausstellung „Luristan – Antike Bronzen aus dem Iran“ der Archäologischen Staatssammlung München werden den Besuchern reich verzierte Waffen, Gefäße, Schmuck, Amulette, Statuetten und Pferdegeschirrteile gezeigt.

Die Bronzen aus Luristan gehören zu den eindrucksvollsten im gesamten Alten Orient. Ihre technische Perfektion, ihre bizarre künstlerische Abstraktion und ihr Formenreichtum faszinieren und beschäftigen Sammler und Wissenschaftler seit ihrem plötzlichen Auftauchen im Kunsthandel der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Die Entwicklung der Bronzetechnologie hatte im vierten Jahrtausend v. Chr. im benachbarten Mesopotamien begonnen. Die nötigen Rohstoffe wurden aus dem Zagrosgebirge importiert. Dadurch hatten auch die Nomadenstämme aus dieser Bergregion Anteil an der Entwicklung und brachten die Bronzekunst in Luristan zu einer eigenständigen Blüte, die sich über Jahrtausende auf höchstem Niveau behaupten konnte.

Vor allem die Standarten gelten als besonders typische Ausformungen dieser Kunst aus Luristan. Es sind verzierte Metallhalterungen für Stäbe oder Kultobjekte. Meist bäumen sich seitlich am Schaft zwei Tiere auf, oft Panther oder Steinböcke. Manchmal sind es auch Menschenfiguren oder Darstellungen von Dämonen. Sie stellen nach Ansicht der Experten göttliche Wesen dar, denen seitlich je ein Tier zugeordnet ist. Dieses sei entweder bezwungen worden oder es habe sich in friedlicher Weise mit der Gottheit verbunden. Allerdings ist unbekannt, um welche es sich dabei handelt. Denn Trotz intensiver Forschung und wissenschaftlicher Veröffentlichungen ist die religiöse Vorstellungswelt der Bewohner von Luristan bis heute noch weitgehend unbekannt.

Im 7. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung tauchten im heutigen West-Iran, auch im Zagrosgebirge, die Völker der Perser und Meder auf. In dieser Zeit verlosch die Kultur der Luristaner ohne weitere Spuren zu hinterlassen.

Die Ausstellung in München ist noch bis zum 27. April 2003 geöffnet

Weitere Informationen:
http://www.archaeologie-bayern.de/au_ak.html

Tel.: 089-211 24 02


Ausstellung in Basel:
7000 Jahre persische Kunst
(voraussichtlich Februar bis Juni 2003 im Antikenmuseum Basel)

Text der Veranstalter:
Zum ersten Mal nach der iranischen Revolution werden die Schätze des Iranischen Nationalmuseums in Teheran im Ausland gezeigt
Nachdem es seit mehr als einem Viertel Jahrhundert weder in Europa noch in den USA eine Ausstellung mit prähistorischer antiker und islamischer Kunst aus dem Iran gab, präsentiert nach dem Kunsthistorische Museum Wien und der Bundeskunsthalle in Bonn das Antikenmuseum Basel der Öffentlichkeit Kulturgüter dortiger Museen, die sonst bestenfalls einigen Fachgelehrten zugänglich wären.

Weitere Informationen:
http://www.antikenmuseum-basel.ch

Tel: +41 (0)61 271 22 02
Fax: +41 (0)61 272 18


Ausstellung in Frankfurt:
Troubadoure Allahs – Traditionen der Sufis in Pakistan
(Läuft bis 21. April 2003 im Museum der Weltkulturen Frankfurt/Main)

Text der Veranstalter:
40 Fotos gebenden Besuchern Einblick in die Welt und die Traditionen der Sufis, Derwische und Musiker in Pakistan. Im Tal des Indus, einem der größten Ströme Asiens, spielt der Sufismus, die Mystik des Islam, eine ganz besondere Rolle. Das Land ist hier übersät mit Heiligengräbern und Wallfahrtsorten, zu denen auch heute noch die gläubigen Menschen strömen. Anhänger des Sufismus (auch Sufis, Derwische oder Fakire genannt) suchen die Einheit mit Gott in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen zu erreichen: z.B. in Trance oder ekstatischen Drehtänzen. Ihr Ziel ist, die Kluft zwischen Mensch und Gott zu überwinden - die Selbstsucht abzulegen und sich stattdessen nur von Gott erfüllen zu lassen.
Die Ausstellung ist das Ergebnis langjähriger Recherchen. Sie zeigt Fotografien von Horst A. Friedrichs (London) - atmosphärische Momentaufnahmen. Diese werden durch Objekte (vor allem Musikinstrumente) sowie Texte von Peter Pannke (Autor und Musiker, Berlin) ergänzt.

Weitere Informationen:
www.mdw.frankfurt.de

E-Mail:
museum.weltkulturen@stadt-frankfurt.de

Tel: ++49 (0) 69/212 359 13
Fax: ++49 (0) 69/212 307 04


Ausstellung in Hannnover:
Am Beginn der Zeit - Ägypten im 4.und 3. Jahrtausend v. Chr.
(Läuft bis 02. März 2003 im Kestner-Museum)

Text der Veranstalter:
Die Ausstellung will die Anfänge und den Entwicklungsprozess der altägyptischen Kultur veranschaulichen, die sich während der Wende des 4. zum 3. Jahrtausend v. Chr. von der frühgeschichtlichen zur geschichtlichen Zeit vollzogen haben. In diesem Zeitraum entstanden die maßgeblichen Grundlagen, die für die nächsten mehr als 3000 Jahre Geltung haben werden und für das pharaonische Ägypten so charakteristisch sind. Sie werden von dem heutigen Betrachter als «typisch ägyptisch» empfunden.

Weitere Informationen:
www.hannover.de
www.museumsector.gov.eg
www.sca.gov.eg


Ausstellung in Karlsruhe:
Mythos Tutanchamun
(Läuft bis 23. Februar 2003 im Badischen Landesmuseum Karlsruhe)

Text der Veranstalter:
Bereits bei seiner Entdeckung im November 1922 wurde das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige als «sensationellster ägyptologischer Fund des Jahrhunderts» bezeichnet. Tatsächlich hat wohl kaum eine andere archäologische Entdeckung die Menschen derart fasziniert. Seit 70 Jahre besichtigen Wissenschaftler und Ströme von Touristen das Grab, worunter die beeindruckende Wandmalerei stark leidet.
Einen originalgetreuen begehbaren Nachbau der Grabkammer im Maßstab 1:1, über 6 Meter breit, 4 Meter tief und 3,6 Meter hoch, präsentiert das Badische Landesmuseum Karlsruhe in einer Sonderausstellung. Er bietet den Besuchern einen authentischen Eindruck des Raums und seiner farbenprächtigen Dekoration. Auch das Leben des 1323 v.Chr. mit ca. 20 Jahren verstorbenen Pharaos, wie z.B. die rätselhaften Familienverhältnisse und seine Beziehungen zu Echnaton und Nofretete, werden näher beleuchtet.
Daneben steht die Geschichte der Grabkammer, ihre Entdeckung durch Howard Carter und die aufwändige Bergung, Dokumentation und Konservierung der rund 5000 Fundstücke im Mittelpunkt, was u.a. anhand von Originalzeichnungen und -photographien dokumentiert wird. In einem zweiten Teil informiert die Ausstellung über die europäische Ägyptenbegeisterung im 18. bis 20. Jahrhundert und das bis heute andauernde Interesse an dem jungen Pharao.

Weitere Informationen:
http://www.landesmuseum.de


Ausstellung in Leipzig:
Pracht und Reichtum Indonesiens
(Läuft bis 09. März 2003 im Museum für Völkerkunde zu Leipzig)

Text der Veranstalter:
Die neue Sonderausstellung präsentiert klassische und zeitgenössische Handwerkskunst aus Indonesien und sie führt ein, in eine Welt der Mythen und magischen Vorstellungen. Nicht wenige der gezeigten Exponate vereinigen in sich die Ideen und Motive unterschiedlichster Epochen und Kulturen. Oft spiegelt der Gebrauch spezieller Schmuckformen, besonderer Waffen oder Kleidungsstücke den herausragenden Rang einer Person oder ihrer Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe wieder. Das Aussehen eines Gegenstandes wird neben seiner Funktion und den ästhetischen Vorstellungen seines Schöpfers immer wieder durch bestimmte religiöse Vorstellungen oder soziale Normen und Überlieferungen bestimmt. Manche dieser Formen und Motive sollen Ahnen und Götter freundlich stimmen, andere wiederum Unheil abwehren. Eine wichtige Aufgabe des kunsthandwerklichen Schaffens besteht auch in der Ausgestaltung der traditionellen darstellenden Künste wie Musik, Tanz oder dem überlieferten Schattenspiel „Wayang“. Noch heute sind sie in nicht geringem Maße unverzichtbare Bestandteile des religiösen und zeremoniellen Lebens vieler indonesischer Ethnien.

Weitere Informationen:
www.mvl-grassimuseum.de

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