Von der Party-Maus zur neuen ZarinRUSSLANDS PRÄSIDENTENGATTIN

Von der Party-Maus zur neuen Zarin

Von der Party-Maus zur neuen Zarin

Swetlana Medwedjewa, die Ehefrau des neuen russischen Präsidenten, hat das Zeug zur Zarin. Sie trägt schicke Kleider, geht gerne auf Partys und sorgt sich neuerdings auch um die „geistige Ertüchtigung“ der Jugend. Swetlana ist das Gegenstück ihrer beiden Vorgängerinnen Ljudmilla Putina und Naina Jelzina, die sich nur dann in der Öffentlichkeit zeigten, wenn das Protokoll es vorschrieb.

Von Ulrich Heyden

Swetlana Medwedjewa  
Swetlana Medwedjewa  

A ls der neue russische Präsident Dmitri Medwedjew im Kreml seinen Eid auf die Verfassung ablegte, stand seine Frau Swetlana Medwedjewa in der ersten Reihe der Gäste, direkt neben Ljudmilla Putina. Swetlana trug ein beiges Kostüm mit einer Schleife auf der Brust. Als Putin sprach, klatschte sie und lächelte freundlich. Als ihr Mann redete, guckte sie ernst.

Ljudmilla Putina trug ein dunkles Kostüm und guckte die ganze Zeit über traurig, so als ob sie sich wünschte, dass ihr Mann endlich seine zeitraubenden Jobs aufgibt und nach Hause kommt. Doch das Arbeitstier Putin ist dafür nicht geschaffen.

Für Swetlana Medwedjewa ging gestern wohl ein Traum in Erfüllung. Sie hat ihrem sechs Monate jüngeren Ehemann, den sie bereits in der ersten Schulklasse kennen lernte, immer zur Seite gestanden und ihm in entscheidenden Lebensphasen geholfen, weiterzukommen.

Swetlana fällt es leicht Kontakte zu knüpfen, sie liebt öffentliche Empfänge und Partys. Die Frau des neuen Kreml-Chefs kleidet sich immer chic. Ganz anders Ljudmilla Putina. Sie zeigt sich in der Öffentlichkeit nur, wenn es unbedingt sein muss. Ihre Garderobe ist eher unauffällig. Zu den Fernsehkameras drängte es sie nie. Swetlana Medwedjewa dagegen will sich nicht hinter dem Rücken ihres Mannes verstecken. Das widerspricht ihrer Natur.

Lebenslustig und kontaktfreudig

Swetlana Medwedjewa, geborene Linnik, war immer lebenslustig. Während ihr zukünftiger Ehemann, mit dem sie in der Schule in eine Parallelklasse ging, Gewichte stemmte und in einem Ein-Mann-Boot das Paddel in die Fluten stach, spielte Swetlana im Schul-Kabarett.

1989 heirateten Swetlana und Dmitri. Ihr Mann, der mit Nachnamen „Bär“ (Medwed) heißt, wurde zwar an der Jura-Fakultät gut ausgebildet, ein Draufgänger war er aber nicht. Swetlana, die nach der Ausbildung an einem Finanz-Institut als Buchhalterin arbeitete, verschaffte ihrem Mann wichtige Kontakte. Durch die Bekanntschaft in Unternehmerkreisen ebnete sie Dmitri 1991 den Weg in die Holzfirma Ilim Pulp. Dmitri Medwedjew wurde Rechtsberater und Miteigentümer der Firma.

„Ehefrau-Mutter“

Swetlana Medwedjewa, die in einer Familie von Militärangehörigen aufwuchs, werde sich auch in Zukunft mit Vorschlägen an ihren Mann nicht zurückhalten, meint der Moskauer Politologe Stanislaw Belkowski. Swetlana sei die typische „Ehefrau-Mutter“. Dass Ehefrauen für den Mann auch die Mutter-Rolle spielen, ist in Russland weit verbreitet. „Der Mann ist der Kopf, die Frau der Hals“, lautet ein russisches Sprichwort.

Die kommunikative Swetlana scheint die ideale Ergänzung für den noch etwas steifen Präsidenten mit dem Jungengesicht. Russische Medien meinen, Russlands neue First Lady könne eine herausragende Rolle spielen, ähnlich wie Raissa Gorbatschowa, die Frau des letzten sowjetischen Generalsekretärs. Auch Raissa liebte das Glamouröse. Sie war selbst auf der internationalen Bühne aktiv und pflegte dort ihre Kontakte. Dass sie so hervorstach, nahmen ihr im Volk allerdings viele übel. Doch das war vor 20 Jahren. Inzwischen ist die russische Gesellschaft in einigem toleranter geworden.

Partys und Modenschauen

Die neue Rolle der Präsidenten-Gattin trifft Swetlana Medwedjewa nicht unvorbereitet. In St. Petersburg organisierte sie Modenschauen und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die First Lady, spricht Englisch und lernt Italienisch. Sie organisierte die offiziellen Freundschaftsprogramme zwischen St. Petersburg und den Partnerstädten Venedig und Mailand. Die Einrichtung einer Fluglinie St. Petersburg-Venedig soll auf ihre Initiative zurückgehen. In Italien hat sie viele Bekannte unter Diplomaten und Unternehmern.

Swetlana Medwedjewa sah man auf Partys der Schlagersängerin Alla Pugatschowa und des Moskauer Modeschöpfers Walentin Judaschkin, der auch ihre Kleider entwirft. Auf einer Jubiläumsfeier mit ehemaligen Mitschülern leitete Swetlana die Party mit dem Mikrofon in der Hand.

Vor einem Jahr, als Dmitri Medwedjew in den Kreis der russischen Präsidentschafts-Kandidaten aufstieg, machte sich Swetlana an eine Aufgabe, die ihrem zukünftigen Status angemessen war. Sie übernahm die Leitung eines Programms zur „geistig-moralischen Kultur der heranwachsenden Generation“, das in Zusammenarbeit mit der russisch-orthodoxen Kirche durchgeführt wird. Das sei ein „rein vaterländisches und tief patriotisches“ Programm schreibt die Illustrierte „Sobesednik“ mit einem Augenzwinkern. Auch in der Wohltätigkeit ist Swetlana noch aktiv. Sie, die selbst einen 12jährigen Sohn hat, organisiert Spenden für das Internat Nr. 1 in St. Petersburg. In dem Heim wohnen 316 geistig behinderte Kinder.

Blumenstrauß auf dem Abschiedsball

Um die Bekanntschaft zwischen Dmitri und Swetlana, die gemeinsam eingeschult wurden, ranken sich zahlreiche Gerüchte. Die hübsche Swetlana mit ihren blonden Haaren und schönen Augen wurde von vielen Jungen umworben, erinnert sich eine Lehrerin. Swetlana habe diesen ihren Wert gekannt und die Nase hoch getragen, erzählen andere. Man sah Dmitri und Swetlana oft zusammen, doch angeblich war nichts zwischen ihnen, obwohl Dmitri ihr auf dem Abschiedsball einen großen Blumenstrauß geschenkt hat.

Als Präsidenten-Gattin muss sich Swetlana nicht groß umstellen. Sie kennt das Leben von Empfängen und internationalen Veranstaltungen. Und sie ist wohl auch stolz darauf, dass ihr Dmitri es mit ihrer Hilfe so weit gebracht hat.

Medien Russland

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

  1. Wie Putin die Welt sieht
  2. Hintergründe zum Putsch in der Türkei
  3. Die Kurden - Geschichte, Kultur und Hintergründe
  4. Schwarzkümmel - Heilmittel des Propheten Mohammed
  5. „Hitler und Tito waren Schulfreunde“

Eurasien-Ticker