Wasserstoff – Antrieb der ZukunftENERGIEQUELLEN

Wasserstoff – Antrieb der Zukunft

Die EU fördert ein teures Pilotprojekt – in Island wurde die erste Wasserstofftankstelle der Welt eröffnet – hat damit die Befreiung aus der Abhängigkeit vom Erdöl begonnen?

Von Johann von Arnsberg

EM –Die isländische Wirtschaftsministerin Valgerdur Sverrisdöttir hat Ende April in Reykjavik die erste Wasserstofftankstelle der Welt eröffnet. Von August an werden drei Busse mit Brennstoffzellen des deutschen Automobilbauers Daimler-Chrysler zwei Jahre lang auf den Straßen der isländischen Hauptstadt verkehren. Zur Eröffnung des isländischen Projekts wurde der erste Mercedes-Kleinlaster mit Brennstoffzelle aus Deutschland eingeflogen.

Island hält schon heute einen Öko-Weltrekord: 70 Prozent des Energieverbrauchs der Isländer sind nichtfossilen Ursprungs, sondern werden aus sauberen Quellen gedeckt. Dazu gehören vor allem Wasserkraft und Erdwärme. Die Elektrizität des Landes wird sogar zu 100 Prozent von den Kräften der strömenden Gletschergewässer und aus den heißen Quellen gewonnen.

Wie kein anderes Land treibt Island das derzeit wichtigste industrielle Reformprojekt der Welt voran: die Befreiung aus der Abhängigkeit vom Erdöl.

Das Wasserstoffzeitalter Islands beginnt jetzt mit einem zweijährigen Pilotprojekt. Vierzig Prozent der erforderlichen sieben Millionen Euro steuert die EU bei. Es sollen Praxiserfahrungen mit der alltäglichen Nutzung des bislang noch ungewohnten Kraftstoffs gesammelt werden. Professor Herbert Kohler, Umweltbevollmächtigter von Daimler-Chrysler gegenüber dem Eurasischen Magazin: „Die Zeit der Theorie ist vorbei. Wir erproben jetzt den Einsatz in der Praxis. Wenn er gelingt, wird Wasserstoff zum Kraftstoff der Zukunft“.

Ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen für das Wasserstoffzeitalter

Das Stuttgarter Unternehmen Daimler hat bislang bereits eine Milliarde Euro in die Erforschung der Wasserstofftechnik investiert. Zwanzig Prototypen von Fahrzeugen für diese Technologie wurden bereits gefertigt. In diesem Jahr wird Daimler-Chrysler 60 Personenwagen und 30 Busse mit Brennstoffzellen für den Wasserstoffantrieb herstellen. Solche Fahrzeuge werden auch von einigen anderen Unternehmen entwickelt. Bislang allerdings nur zu Versuchszwecken, denn die nötige Infrastruktur – zum Beispiel entsprechende Tankstellen – fehlt bislang. Bis diese in großem Maßstab zur Verfügung steht, werden nach Einschätzung von Fachleuten noch ein bis zwei Jahrzehnte vergehen.

Nun hat die isländische Investmentgesellschaft Vistorka zusammen mit Daimler-Chrysler, dem norwegischen Energieversorger Norsk Hydro und dem Mineralölkonzern Shell ein Gemeinschaftsunternehmen namens „Icelandic New Energy“ gegründet. Die Aufgaben der Partner sind klar vorgegeben: Norsk Hydro soll den sauberen Strom aus Erdwärme produzieren, Shell den Wasserstoff und Daimler-Chrysler die Autos.

Beim Start in Reykjavik wurde der Wasserstoff direkt hinter der Zapfsäule durch Elektrolyse von Wasser gewonnen, mit Strom aus alternativer Wasserenergie. Der damit betankte Mercedes Sprinter hat eine Brennstoffzelle in seinem Boden, die Wasserstoffgas in elektrischen Strom umwandelt. Dieser treibt über einen Elektromotor das Fahrzeug lautlos an. Aus dem Auspuff entweicht nichts als sauberer Wasserdampf.

Forschung Wirtschaft

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