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Wird das System Galileo weltweiter Standard?

Die EU-Kommission will noch in diesem Jahr entscheiden, wer den Zuschlag fur den Betrieb des Navigationssatellitennetzes erhält.

Von Johann von Arnsberg
25.02.2004 Drucken Senden Kommentieren
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Galileo-Satellit 

EM - Noch in diesem Jahr soll die endgültige Entscheidung über den künftigen Betreiber des Galileo-Netzes fallen. Im Streit mit den USA und ihrem GPS-Netz über die Sendefrequenzen für Galileo sieht die EU-Kommission gute Chancen auf eine Einigung bereits innerhalb der kommenden Wochen.

Die Europäer wollen bis 2008 mit Galileo ein Konkurrenz- und Ergänzungsnetz zu dem unter militärischer Kontrolle stehenden GPS-Netz aufbauen. Das Galileo-Projekt kostet etwa 3,2 Milliarden Euro, wovon 1,5 Milliarden Euro privat finanziert werden sollen. (Siehe auch EM 05/03, 09/03 und 11/03).

In einer ersten Ausschreibungsrunde wurden jetzt drei Konsortien ausgewählt, die sich um den Zuschlag für den Betrieb des Systems Galileo bewerben können: Das Inavsat-Konsortium mit Immarsat, EADS und Thales, das Eutelsat-Konsortium mit Eutelsat, LogicaCMG, Hispasat, Fiat und Aena sowie ein Konsortium aus Vinci, Alcatel und Finmeccanica. Nach derzeitiger Planung beträgt die Vertragsdauer für den letztendlich ausgewählten Betreiber 20 Jahre. Als Favorit für die Galileo-Konzession gilt nach Ansicht von Branchenkennern das Inavsat-Konsortium.

Erste Gespräche mit China, Rußland und Indien

An dem künftigen europäischen Navigationssatellitensystem Galileo wollen sich neben China weitere Nutzerstaaten beteiligen. Die Europäische Kommission und die Industrie sind bestrebt, das Satellitennetz weltweit zu vermarkten. Es gebe erste konkrete Gespräche mit Rußland und Indien, sowie Interesse aus Japan, Südkorea, Australien und Brasilien, sagte Jörn Tjaden, Leiter Technik von Galileo Joint Undertaking in Berlin. Das Gemeinschaftsunternehmen der Europäischen Kommission und der Weltraumagentur Esa ist für die Vergabe des Betreiberauftrags verantwortlich. Der Luftfahrtkonzern EADS schätzt, daß es 2015 weltweit rund 1,5 Milliarden direkte und indirekte Galileo-Nutzer geben werde. Der Direktor des Galileo-Programms bei EADS Space, Martin Ripple, über die Chancen des Systems: „In fünf Jahren ist ein Handy mit Navigationschip Standard.“ Es sei zu begrüßen, daß die EU-Kommission „so mutig und aktiv neue Länder-Kooperationen befürwortet.“

Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 3,5 Milliarden. Euro gehört Galileo neben dem Ariane-Trägerraketenprogramm zu den größten Projekten der europäischen Raumfahrt. Bis zum Jahr 2008 soll das weltumspannende Netz aus 30 Satelliten von Galileo Industries installiert sein. „Galileo, das US-amerikanische GPS und andere Systeme wie das russische Glonass werden in absehbarer Zeit kompatible Systeme sein, die beispielsweise die Flugsicherheit im weltweiten Luftverkehr enorm verbessern können“, erklärt Gunter Stamerjohanns, der schon in den achtziger Jahren in leitender Funktion bei den Raumfahrtprojekten Spacelab und Columbus mitgewirkt hat und seit September 2003 bei Galileo Industries in Ottobrunn bei München die Geschäfte führt. „Durch ein kompatibles System würden beispielsweise geringere Abstände zwischen Flugzeugen möglich, auch Flugrouten könnten optimiert werden“, erläutert er.

Ehrgeiziges Ziel: Bei der Fußball-WM soll Galileo bereits Besucher lotsen

„Galileo wird ein von ziviler Seite entwickeltes System sein, im Unterschied zum GPS-System, das vom US-Militär kontrolliert wird“, betont Geschäftsführer Stamerjohanns. Dies sei ein Riesenvorteil gegenüber dem US-System. „Dadurch hat Galileo beste Chancen, sich als weltweiter Standard für kommerzielle Anwendungen zu etablieren“, erklärt Stamerjohanns voll Überzeugung.

In Deutschland sollen die Galileo-Anwendungsmöglichkeiten erstmals bei der Bundesgartenschau 2005 in München und der Fußballweltmeisterschaft 2006 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Man könnte sich zum Beispiel vorstellen“, sagt Stamerjohanns, „daß Besucher schon am Flughafen ein Handy erhalten, mit dem sie nicht nur Zugriff auf die kompletten Veranstaltungsdaten haben, sondern auch noch zielgenau per Satellitennavigation zu den Veranstaltungsorten hingeführt werden.“

Trotz aller Begeisterung und hoher Erwartungen: der Fehler aus der Maut-Pleite soll bei Galileo unter allen Umständen vermieden werden. In der Branche wird von hochkomplexen Vertragswerken gesprochen. Bereits die Bewerbungsvertragswerke hätten mehrere hundert Seiten. Nach dem Desaster mit dem Vertrag und dem Zeitplan zum Mautsystem Toll Collect werde jetzt alles doppelt geprüft.

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