Zeitbombe kurz vor der ExplosionKOSOVO

Zeitbombe kurz vor der Explosion

Das UN-Protektorat versinkt im Chaos von Lüge und Gewalt. Nahezu alle Kosovo-Parteien sind im Grunde Nachfolgeorganisationen der terroristischen UÇK und verkörpern diese Kontinuität auch personell. Die allernächste Zukunft des Kosovos steht im Zeichen von vier Kriegen – von denen drei bereits geführt werden.

Von Wolf Oschlies

E or einem guten Jahr war die Welt im Kosovo noch in Ordnung. Ungezählten westlichen Kommentaren zufolge lebten dort „mehrheitlich“ Albaner, die zwar „traumatisiert“ seien, aber dennoch gewaltige „Fortschritte“ auf dem Weg zu Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtssicherheit machten – dabei unterstützt von „Bürgerrechtsbewegungen“ wie „Vetëvendosje“ (Selbstverwaltung) des „charismatischen Studentenführers“ Albin Kurti. Natürlich müsste dieses Musterländle umgehend die volle Souveränität erhalten, schon damit es seinen Beitrag zu west-balkanischer „Stabilisierung“ noch eindeutiger leisten könne.

Und die Serben, denen laut UN-Resolution 1244 vom Juni 1999 das Kosovo auf Zeit und Ewigkeit gehört? Die sollten sich mit dessen Verlust „abfinden“, erklärte kategorisch die Europa-Abgeordnete Doris Pack, sie müssten einfach den Preis eigener Missetaten zahlen – wie weiland die Deutschen für Hitlers Missetaten zahlen mussten. Frau Pack gleicht schon seit (mindestens) anderthalb Jahrzehnten jenem Firmentrottel aus „Parkinsons Gesetz“, der grundsätzlich alles falsch beurteilt, weswegen man unter allen Umständen das Gegenteil von seinen Ratschlägen tun müsse.

Stich ins Wespennest

In dieses idyllische Kosovo-Bild platzte im Juli 2006 das EURASISCHE MAGAZIN mit einem detaillierten Report über die terroristische Vereinigung „Vetëvendosje“ und ihren Bandenführer, den vorbestraften Kriminellen Albin Kurti. Das Echo war bemerkenswert: Redaktion und Autor wurden mit unflätigen E-Mails voll rüder Beschimpfungen und Drohungen förmlich überschwemmt. Es war das Wehgeschrei ertappter Dunkelmänner.

Das EURASISCHE MAGAZIN hatte nichts ausgelassen – nicht die bei Polizei und Gerichten aktenkundige Vergangenheit Albin Kurtis, nicht die terroristischen Anschläge von „Vetëvendosje“ auf serbische Klöster im Kosovo, nicht ihre Hetzappelle gegen „UNMIK-Kolonialismus“, nicht ihre Verbindungen zu Geistesgenossen im Ausland und speziell zur Dollar-schweren albanischen „Diaspora“ in den USA, nicht ihre engste Verknüpfung mit den „Veteranen“ der mörderischen Untergrund-„Armee“ UÇK. „Vetëvendosje“ musste in der Folge in „Spiegel“, „FAZ“ und anderen deutschen Blättern ähnliche Befunde über sich lesen.

Besonders interessant ist das Webportal „Kosova-Aktuell“ (www.kosova-aktuell.de). Diese Netzseite wurde von Max Brym (Adalbertstraße 82, 80799 München), zu einer Litfasssäule von „Vetëvendosje“ ausgebaut. Hier wird alles offenbart was „Vetëvendosje“ & Co. („1.000 Mitglieder, 10.000 Unterstützer“) an Ideologie, Plänen, Aktionen und Strategien zu bieten hat.

Räuberhöhle Kosovo

Am 10. Februar 2007 hatte „Vetëvendosje“ in Prishtina eine gewalttätige Demonstration organisiert, die von der Polizei massiv unterdrückt wurde. Eben das hatte „Vetëvendosje“ beabsichtigt, um nun lautes Geschrei über „Polizeiterror“, „das blutige Gesicht des UNMUK-Kolonialismus“ etc. zu erheben. Diese Bewegung nutzt und vertieft das politische Chaos, das im Kosovo seit 1999 besteht und 2006 eine rasante Ausweitung erfahren hat. Ermutigt von der montenegrinischen Sezession aus dem „Staatenbund Serbien-Montenegro“ (Mai/ Juni 2006) hat das politkriminelle Establishment im Kosovo endgültig aufgehört, auch nur symbolisch internationalen Standards für Politikfähigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Aufbauwillen zu genügen. Man ist überzeugt, die „volle Souveränität“ ohnehin zu bekommen und macht sich einen „schönen Tag“ – auf Kosten der internationalen Gemeinschaft. Zu Jahresbeginn rügte der Internationale Währungsfonds (IWF) das Finanzgebaren der Kosovo-Regierung, die für Luxuswagen und „Repräsentation“ 8,3 Millionen Dollar aus dem Fenster wirft – just so viel wie der gesamte Jahresetat des Ministeriums für die Rückkehr von Flüchtlingen.

Das Kosovo ist mittlerweile mit 1,3 Milliarden US-Dollar im Ausland verschuldet, wofür Serbien den Schuldendienst tragen muss. Das ist der einzige Bereich, in welchem die serbische Hoheit über das Kosovo stillschweigend anerkannt ist, solange Belgrad zahlt – von 2002 bis 2006 waren es 217,69 Millionen US-Dollar. In allen anderen Bereichen lassen die politischen Führer des Kosovos den eigenen Mob von der Kette, so dass es zu einer auffallenden Zunahme von Gewalttaten, Anschlägen und Übergriffen kam –„Warmboxen“ für kommende Massenunruhen, die (laut internationalen Analysen) im Frühjahr 2007 einsetzen werden, wenn UÇK-„Kommandant“ Ramush Haradinaj zu seinem Prozess vor dem Haager Tribunal  (ICTY) antreten muss.

AAK - Allianz für die Zukunft?

Haradinaj ist Führer der „Allianz für die Zukunft Des Kosovos“ (AAK), die zusammen mit der „Demokratischen Liga Des Kosovos“ (LDK) des (im Januar 2006 verstorbenen) Warlords Ibrahim Rugova die Regierung im Kosovo stellt. Noch stellt - denn der 6. LDK-Parteitag endete am 9. November 2006 in der Manier einer primitiven Wirtshausschlägerei: Um die Rugova-Nachfolge hatten sich „Präsident“ Fatmir Sejdiu und Ex-Parlamentspräsident Nexhat Daci beworben. Bereits bei Bekanntgabe der Kandidaturen gingen die Anhänger beider Prätendenten mit Fäusten und Stuhlbeinen aufeinander los, und als gar Sejdiu mit 189 zu 160 Stimmen das Rennen machte, wurden Pistolen gezogen. Die (albanische) Polizei stürmte den Tagungsort, den „Jugend­palast“ in Prishtina, es gab Verletzte und Verhaftete, aber für den Moment wurde die Ruhe wieder hergestellt. Inzwischen hat der unterlegene Daci seine eigene „Demokratische Liga“ (LD) gegründet und lässt seine Anhänger die LDK-Büros besetzen – was selten ohne neue Zusammenstöße ausgeht.

Seit Jahren verfügen die großen Parteien des Kosovos über eigene „Sicherheitsdienste“ – die LDK z.B. seit Juli 2004  über die „Sigurimi I Athdeut“ (Sicherheit des Vaterlandes) -, die Anschläge auf politische Gegner verüben und die kriminellen Machenschaften ihrer Bosse absichern. Dieses Treiben wird von der oppositionellen „Demokratischen Partei Des Kosovos“ (DPK) des ehemaligen UÇK-„Kommandanten“ Hashim Thaçi als Beweis für die „Unfähigkeit“ und „Korrumpiertheit“ der Regierungsparteien gewertet, was es ja auch ist – mit der Einschränkung, dass die PDK keinen Deut anders verfahren würde, wäre sie an der Macht.

Kosovo ist UCK-Land

Nahezu alle Kosovo-Parteien sind im Grunde Nachfolgeorganisationen der terroristischen UÇK und personell verkörpern sie diese Kontinuität auch – beginnend mit Agim Çeku, vormals kroatischer General, ab Mai 1999 Oberbefehlshaber der UÇK (anstelle des „zu weichen“ Sylejman Selimi), seit einigen Jahren kosovarischer Premierminister.

Kosovo ist UÇK-Land, was bedeutet, dass diese serbische Provinz binnen acht Jahren internationaler Präsenz zu Europas gefährlichstem Herd für Waffen-, Menschen- und Drogehandel wurde. Laut jüngsten Analysen von Interpol halten „Albaner-Clans“ aus dem Kosovo und in ganz Europa 40 Prozent des europäischen Drogenmarkts in den Händen – laut früheren russischen Erkenntnissen sogar bis zu 90 Prozent. Und die UÇK ist faktisch der einzige große „Arbeitsgeber“ in einer Region, wo die Arbeitslosigkeit bei etwa 80, der Analphabetismus bei ca. 40 Prozent liegen. Laut UN-Resolution sollten serbische Polizei und Armee längst ins Kosovo zurückgekehrt sein, womit der UÇK-Spuk augenblicklich aufhörte. Seit Ende 2006, als Serbien Mitglied der „Partnerschaft für den Frieden“ wurde, müssten sie sogar zurück sein, da die Probleme in der serbischen Provinz Kosovo (was diese laut UN-Resolution 1244 nach wie vor ist) faktisch auch Nato-Probleme sind. An diese naheliegende Lösung denkt leider niemand – vermutlich weil alle Angst vor den Kosovo-Albanern haben und vor deren eskalierender Gewaltbereitschaft feige kuschen.

„Vetëvendosje“ und ihre Rechtfertigung der Gewalt

Die kriminellen Umtriebe der Kosovo-Politiker werden von „Vetëvendosje“ häufig angeprangert, weil sie ihr gewissermaßen als „Zeitverschwendung“ erscheinen: Nach ihrer Ansicht haben anständige Kosovo-Albaner nur den Auftrag, den Serben möglichst massiv zu schaden, serbische Waren zu boykottieren und serbische Kirchen und Klöster („alles albanische Bauwerke“) niederzubrennen – sowie gegen „Polizeiterror“ und „Kolonialismus“ der UN-Übergangsverwaltung Des Kosovos (UNMIK) zu kämpfen, weil diese etwas gegen den „Patriotismus“ von „Vetëvendosje“ hat. Zur Legitimierung ihres blutrünstigen Programms offeriert diese „Argumente“, die ein bezeichnendes Licht auf kosovarische Kultur allgemein und dortige politische Kultur im Besonderen werfen:

„Der Serbische Verbrecherstaat mordete rund 14.000 Albaner, zu 90 Prozent waffenlose Zivilisten und mehrheitlich Kinder, Frauen und Alte“. Das serbische Milošević-Regime hat, bei all seiner verbrecherischen Natur, keine Albaner „gemordet“, sondern UÇK-Terroristen bei deren Angriffen getötet. Anderslautende Aussagen gehören in den Bereich der Märchen, wie schon 1999 die Ranta-Kommission finnischer Pathologen nachwies (deren Befund bis heute unter Verschluss liegt), noch eindeutiger der WDR-Film „Es begann mit einer Lüge“ vom Januar 2001, der alle angeblichen „Massaker“, „Aktion Hufeisen“ etc. als inszenierte Propagandalügen entlarvte. Dass jedoch albanische Heckenschützen bis Dezember 2003 mindestens 1.300 Serben mordeten, rührt niemanden – genauso wenig wie das von der Kosovo-Regierung „orchestrierte“ Pogrom vom März 2004, das weitere Dutzende Menschenleben und rund 900 zerstörte Bauwerke forderte.

„Rund 3.000 Albaner wurden gekidnappt und bis heute nicht wiedergefunden“. Sie können auch nicht  gefunden werden, weil es sie nie gegeben hat – im Unterschied zu den Tausenden verschleppten Serben, deren Namenslisten der internationalen Gemeinschaft vorliegen. Nahezu 20.000 Frauen wurden vergewaltigt“. Unbewiesenes Gefasel. Wie es im Kosovo wirklich aussieht, sollte man die albanischen und internationalen Gremien dort fragen, die sich ohne größeren Erfolg um „häusliche Gewalt gegen Frauen“ kümmern, die gerade bei Kosovo-Albanern unausrottbare „Tradition“ hat.

Einer rennt los – viele folgen ihm

„740.000 Menschen wurden gewaltsam vertrieben“. Wann und von wem? Aus dem Kosovo sind über 700.000 Albaner geflohen – ab Mai 1999, also mitten in der Nato-Mission und verjagt von Nato-Bomben. Diese Mission begann Mitte März und bis dahin gab es im Kosovo keinen einzigen Flüchtling oder Vertriebenen, wie UNHCR-Chefin Sadako Ogaka mit größter Befriedigung feststellte. Dass es kurz darauf anders war, lag an dem Phänomen, welches Kulturgeografen „chaine migration“ nennen: Einer rennt los, viele folgen ihm, am Ende sind Hunderttausende auf der Flucht – ohne Grund und Ziel, aber hektisch wie skandinavische Lemminge.

Wenige Wochen später waren alle „Flüchtlinge“ wieder zu Hause. Mehr noch: „Die Rückkehrquote beträgt 125 Prozent“, sagte vor Jahren Boris Tadić, damals serbischer Premier, heute Staatspräsident Serbiens. Im Klartext: Unter die Rückkehrer hatten sich ungezählte „Plünderungstouristen“ aus Albanien gemischt, die sich seither an serbischem Eigentum im Kosovo bereichern. Dabei kam es dann zur einzig nachweisbaren Vertreibung: Als sich im Juni 1999 die serbische Armee und die Polizei aus dem Kosovo zurückzogen, lebten dort 372.444 Serben – gegenwärtig, Anfang Februar 2007, sind es noch 146.297. Das heißt, rund 230.000 Serben wurden von Albanern aus dem Kosovo vertrieben.

Weißt du, wie viel Häuser stehen?

„120.000 Häuser wurden von der Serbischen Verbrecher-Armee zerstört oder beschädigt“. Bei dieser grotesken Angabe möchte man ein altes Kinderlied paraphrasieren: Weißt du, wie viel Häuser stehen, in dem ganzen Kosovo? Im Kosovo gibt es rund 30 städtische Kommunen und 1.468 Dörfer, die eventuell zusammen so viele Häuser aufbringen. Da aber nicht einmal die Regierung weiß, wie viele Menschen im Kosovo überhaupt leben (da sie aus Angst vor einer Offenlegung albanischer Gewalt gegen Nicht-Albaner seit acht Jahren eine Volkszählung verhindert), sind solche Detailangaben zu „Zerstörungen“ unter U (wie „Unsinn“) abzuheften.

Bereits vor rund zehn Jahren hat die International Crisis Group (ICG) den Kosovaren bescheinigt, wegen „übertriebener Leidensgeschichten“ jede Glaubwürdigkeit zu verlieren. Was schert „Vetëvendosje“ Glaubwürdigkeit? Sie will die Albaner im Kosovo aufhetzen, deren Sorgen und Wünsche albanische Parteien und die Regierung nicht interessieren, und ihnen die Serben als alleinschuldigen Sündenbock präsentieren. So etwas geht bekanntlich am besten mit primitiver Greuelpropaganda.

Sprengbombe für den West-Balkan

„Es wäre ein Glück für alle Kosovo-Albaner“, seufzte nach dem Pogrom vom März 2004 Veton Surroi, Publizist und Chef der liberalen Parlamentspartei „Ora“, „wenn die jetzige Politiker-Garnitur im Kosovo rasch und ersatzlos von der Bühne verschwände“. Dafür besteht leider keine Chance, auch nach der Selbstzerstörung der Rugova-Bewegung LDK nicht. Mit Gewissheit ist vielmehr abzusehen, dass sich „klassische“ Gefahren, die vom Kosovo für den West-Balkan ausgehen, verschärfen werden.

Dabei steht ganz oben die Sehnsucht der Albaner – nach eigenem Geschichtsmythos „ältestes Volk auf dem Balkan“ – nach dem „ethnisch reinen Groß-Albanien“. Erstmals thematisiert wurden sie 1878 von einer Handvoll „Intellektueller“ aus Prizren, die eine Autonomie für die „drei albanischen Vilajets“ (die es nie gegeben hat) im Osmanischen Imperium forderten. Mit einer kleinen Strafaktion machte die türkische Armee den Träumen der „Liga von Prizren“ rasch ein Ende.
 
Etwas mehr kamen Mussolini und Hitler den Wünschen der Albaner entgegen, zumindest der albanischen „culture of violence“ (welche internationale Analytiker bis zur Gegenwart als Grundfaktor albanischen Lebens hinstellen), die sich im Zweiten Weltkrieg in „Groß-Albanien“ ungehemmt gegen Serben und andere Nicht-Albaner austoben durfte, sogar in der organisierten Form der „SS-Division Skenderbeg“.

Verräterische Internet-Karte

Jetzt erhofft man sich „Groß-Albanien“ von der internationalen Gemeinschaft. Natürlich nicht explizit, denn für einen solchen Wunsch gäbe es in Brüssel, Washington und anderswo nur Hohngelächter. Im Wissen darum beteuern die Kosovo-Politiker auch unausgesetzt ihre „friedlichen“ Absichten, die jede „Vereinigung“ mit Albanien oder anderen Regionen ausdrücklich ausschließen. Trau, schau wem -  ein Land, das erst einmal souverän ist, kann machen, was es will – es braucht sich an keine Versprechen zu halten, die es vor Erringung der Souveränität gegeben hat. Souveränität ist wie Freiheit, Schwangerschaft oder Tod – es gibt sie ganz oder gar nicht.

Auf der Website der LDK ist bis auf den heutigen Tag eine (klitzekleine, aber doch gut erkennbare) Karte zu finden, die das „historische Kosovo“ zeigt – ein Phantasiegebilde, das zu realisieren die Zerstörung der Nachbarstaaten Montenegro, Serbien und Makedonien voraussetzte. Auf der Website von Albanur.net fügen sich die albanischen Siedlungsgebiete des Balkans zu „Groß-Albanien“ zusammen, begleitet von dem Slogan „Shqipëria e ribashkuar e vermia anternativë“ (Das vereinigte Albanien ist die einzige Alternative). Würde man dieses „Groß-Albanien“ errichten – in Albanien und im Kosovo als „ethnisches Albanien“ auf Karten dargestellt, die jedes Kind besitzt -, dann käme auch Griechenland nicht ohne Schrammen davon, dessen ganzer Norden als „Camarija“ seit jeher auf der groß-albanischen Wunschliste steht.

Wer nicht zum „fis“ gehört, kann keine Loyalität erwarten

In ihrem Streben nach „Groß-Albanien“ folgen Albaner einer „Logik“, die deutsche Analytiker bereits vor 90 Jahren beschrieben: Anderswo legen sich voll ausgebildete, mit allen Attributen (gemeinsame Sprache, Kultur, Geschichte, Territorium etc.) versehene Nationen einen Staat als Ordnungsinstrument zu – auf dem Balkan fordern ethnische Gruppen und Völkersplitter einen Staat, weil sie hoffen, mit der Schubkraft souveräner Eigenstaatlichkeit endlich ihre ausstehende Nationswerdung erlangen zu können. Für Albaner ist diese Idee besonders verlockend, da sie seit jeher in die intraethnischen Großgruppen der „Ghegen“ im Norden und der „Tosken“ im Süden gespalten sind. Speziell die muslimischen Ghegen, zu denen auch die Kosovo-Albaner gehören, kennen keine Loyalität, ausgenommen die gegenüber dem eigenen „fis“ (Stamm). Wer nicht zum „fis“ gehört, ist Fremder, Feind, Freiwild. Und was gar die Sprache betrifft, so ist ein bezeichnendes Chaos zu konstatieren: Im November 1908 beschloss der Kongress von Monastir, also dem makedonischen Bitola, die Einführung des lateinischen Alphabets und einer phonetischen Orthographie, 1972 verkündete der Kongress von Tirana die für alle Albaner verbindlichen Sprachnormen. Aber bis heute sind die Sprachkonventionen von Ghegen und Tosken nicht unifiziert, vielmehr vertieft sich die Spaltung zusehends.
 
Die Albaner teilen das Schicksal anderer Balkanvölker, deren ethnische und staatliche Grenzen völlig inkongruent sind. In Albanien leben 3,4 Millionen Albaner, im Kosovo schätzungsweise 1,8 Millionen, in Griechenland 800.000, in Makedonien 470.000, in Süd-Italien 220.000, im südserbischen Preševo-Tal 70.000 und in Montenegro 47.000. Die Albaner außerhalb Albanien sind einander fremd und wenig zugetan, was die UÇK zeit ihres Bestehens mit Waffengewalt ändern will: Die von Albanern besiedelten Gebiete in den Nachbarstaaten sind in den UÇK-Plänen „Kampfzonen“, die man alsbald „befreien“ möchte. Das sagt man zwar nicht, solange internationale Ohren mithören, vielmehr proklamiert man ein vages „Zusammengehörigkeitsgefühl“ aller Albaner, das aber keine politischen Implikationen habe. Ist das wirklich so? Kosovarische „Intellektuelle“ wie der Schriftsteller Rexhep Qosja befinden: „Nach Erlangung der Unabhängigkeit Kosovas wird der Weg für die Einheit der albanischen Nation geöffnet“. Und der alba­nische Außenminister Besnik Mustafaj erklärte Mitte März 2006 in Skopje: „Albanien kann keine Unveränderlichkeit seiner Grenzen garantieren, sobald das Kosovo unabhän­gig wird". Das hat man ihm im In- und Ausland schwerstens übelgenommen. Warum eigentlich? Der Politiker hat nur ausgesprochen, was wahr ist – dass nämlich ein „souveränes Kosovo“ nur eine Übergangsstufe zum allseits intendierten „Groß-Alba­ni­en“ ist. Wer verschließt da die Augen vor dem Offenkundi­gen? Wahrscheinlich je­der, der’s dann nicht gewesen sein will, wenn der ganze West-Balkan von neuem kosovarischen Terror erschüttert werden wird.

Die Zukunft des Kosovos: Krieg'

Die allernächste Zukunft des Kosovos steht im Zeichen von vier Kriegen – Kriegen, von denen drei bereits geführt werden: Albaner gegen Albaner (siehe die Gegnerschaft der Kosovo-Parteien), Albaner gegen Serben (siehe das Pogrom vom März 2004), Albaner gegen UNMIK (siehe die von „Vetëvendosje“ geschürten Unruhen, die im Februar Tote und Dutzende Verletzte forderten). Am Abend des 19. Februar 2007 wurden in Prishtina drei UNMIK-Fahrzeuge durch eine Explosion zerstört. Personen kamen dabei nicht zu Schaden – noch nicht.
 
 Bleibt noch Krieg Nummer vier, zu dem die UÇK die Nachbarländer des Kosovos zwingen wird. Irgendwann, vermutlich sehr bald nach dem etwaigen Abzug der internationalen Gemeinschaft aus dem Kosovo, wird der Balkan eine Neuauflage der Balkan-Kriege von 1912 erleben, nur dass diesmal die vereinten Balkan-Völker nicht gegen die Türken als gemeinsamen Feind antreten, sondern gegen die gemeinsame Bedrohung aus dem Kosovo. Die UÇK gilt darum als „erfolgreichste Armee der Welt, die noch nie eine Schlacht verloren hat“ – leicht möglich, da sie noch nie eine Schlacht gewagt hat. Darin ist sie sehr albanisch: Albaner haben noch nie in ihrer Geschichte einen offenen Kampf gewagt, selbst ihr „Nationalheld“ Skanderbeg war ein Slave aus makedonischem Geschlecht. Nur als Räuber und Mörder haben Albaner ein geschichtsnotorisches Renommee. Die internationale Gemeinschaft ist mit ihnen nicht fertig geworden, die bevorstehende „kontrollierte Souveränität“ wird von ihnen als Ermutigung aufgefasst werden, jetzt erst recht aggressiv aufzutreten. In ganz Südost-Europa betrachtet man die Balkan-Politik der internationalen Gemeinschaft längst als „Belohnung für Verbrecher“. Aber gegen Verbrecher darf man sich wehren, sagen das Strafrecht und das Völkerrecht.

Kosovo als internationales „Vorbild“

Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin für Außen- und Sicherheitspolitik, sah Anfang Februar 2007 keine Probleme: „Ein unabhängiges Kosovo wird kein Modell für sezessionistische Republiken in postsowjetischen Territorien darstellen“.
 
Frau Ferrero-Waldner ist eine kluge und charmante Frau, und nur Kluge können sich im gebotenen Moment „dumm stellen“. Natürlich weiß die EU-Kommissarin, dass das Kosovo ein solches „Modell“ ist, und es ist ihr hoch anzurechnen, dass sie in gespielter Naivität auf eine Gefahr hinwies, die realiter längst eingetreten ist.

Was seit 1990 im Kosovo passiert, erinnert Tschechen an die sudetendeutsche Obstruktion 1938, Polen an Danzig 1939, Rumänien an Transilvanien 1940 etc.: Ethnische Minderheiten, kompakt in Grenznähe zu ihren Mutterländern lebend, stellen Maximalforderungen und vertreten diese mit eskalierender Aggressivität, bis die internationale Gemeinschaft ihnen mit „Appeasement“-Politik unter die Arme greift. So war es Ende der 1930er Jahre, und der Ausgang dessen ist bekannt.

Gegenwärtig ist es im Kosovo wieder so: Die UÇK-Terroristen treten unverhüllt auf, und westliches Appeasement ist ihnen gefällig. Die Osteuropäer stürzt diese Entwicklung in Sorge, und Russland geriert sich gar als einziger, letzter Verteidiger serbischen Rechts im Kosovo. Die Russen handeln ohne Auftrag und Billigung aus Belgrad, denn Serben kennen Russen seit Jahrhunderten nur als Heuchler, die auch diesmal ihre eigenen Pläne auf den Balkan verfolgen. Russland unterstützt mit Waffen und Geld Separatisten in Georgien, Moldawien und anderswo, und wenn es jetzt in Sachen Kosovo plötzlich gegen (albanische) Separatisten auftritt, dann glaubt ihm das kein Serbe. Es hat nie einen russischen „Panslavismus“ gegeben, weil die russische Seele seit Jahrhunderten überzeugt ist, dass alle Slaven im Grunde Apostaten vom „heiligen Russentum“ sind, und dass die Fülle der Probleme unter und mit Slaven dann aufhört, „wenn alle Slavenbäche fließen/ vereint ins große Russenmeer“. So hat es Puschkin vor fast 200 Jahren poetisch formuliert. Sehr viel gröber drückte es der russische „Polit-Clown“ Wladimir Wofowitsch Schirinowski vor 15 Jahren aus.

Russland hat sein eigenes Kosovo

Aber ob fein oder unfein gesagt, in der Substanz blieb alles unverändert und darum kann Putins aktuelles Engagement gegen internationale Pläne einer „kontrollierten Souveränität für das Kosovo“ bei Serben keinen Blumentopf gewinnen. Weil nämlich Serben (wie die restliche Welt) noch zwei plus zwei addieren können, wobei herauskommt, dass Moskau und Putin ihr eigenes Kosovo haben. Seit 1990 revoltieren russische Separatisten im Osten der souveränen Republik Moldawien, 1992 eröffneten sie einen veritablen Krieg gegen das Land, dabei unterstützt von der 14. russischen Armee unter General Lebed. Seither gerieren sie sich als „Moldawische Republik Transnistrien“ (PMR), zwar völkerrechtswidrig, aber doch von Russland gefördert und finanziert.

Offiziell beträgt das BIP der PMR nur 85 Millionen US-Dollar im Jahr, während allein „Sheriff“, der größte Konzern der PMR, einen Jahresumsatz von vier Milliarden Dollar macht – vor allem mit illegalen Waffenverkäufen an islamische Terroristen, darunter „Al Kaida“. Hinzu kommen andere Konzerne und ein unüberschaubarer Sumpf von Geldwäsche, Ölschmuggel, illegalem Drogenhandel etc.

Besitzer von „Sheriff“ ist Wladimir Smirnow, zu Sowjetzeiten vorbestrafter Krimineller, seit 1990 „Präsident“ der PMR und vor einigen Monaten für eine vierte Amtsperiode wiedergewählt. An seiner Seite wirken ähnliche Dunkelmänner, etwa Vladimir Artjufeev, seit über 15 Jahren wegen Kriegsverbrechen in Lettland auf den Fahndungslisten von Interpol stehend, aber als transnistrischer „Minister für Staatssicherheit“ unerreichbar.

PMP – eine authentische Kopie des Kosovos

Wenn russische und internationale Analytiker Recht haben, dann ist die PMR seit Jahren auch in dunkle Geschäfte mit radioaktiven Materialien verstrickt, für die „Al Kaida“ ein erstrangiger Abnehmer ist. Und Moskau tut nichts dagegen  - weil Moskau nichts mehr dagegen tun kann. So wenigstens erklärte es Verteidigungsminister Sergej Iwanow am 9. Februar 2007 vor dem Nato-Russland-Rat: Russland ist zwar noch mit 1.500 Soldaten in der PMR präsent, aber im Grunde sind ihm die Dinge dort längst aus der Hand geglitten und es muss froh sein, wenn ihm seine dort lagernden Zehntausende Tonnen Waffen nicht von transnistrischen Gangstern unter dem „Paten“ Smirnow gestohlen werden. Eine knappe Woche später wurde der Minister von Präsident Putin gefeuert.

Mit anderen Worten: Die PMR ist bis aufs letzte Detail eine Kopie des Kosovos, dessen Verstrickung in das international organisierte Verbrechen längst unkontrollierbar wurde. Eben das macht es so attraktiv für die russischen Separatisten von Transnistrien, Abchasien, Süd-Ossetien etc. Diese haben sich jüngst in einer „Gesellschaft für Demokratie und Völkerrecht“ zusammengeschlossen, die unausgesetzt Russland und der Ukraine in den Ohren liegt, sie doch endlich als souveräne „Staaten“ anzuerkennen. Die denken natürlich nicht daran, weswegen der russische Separatistenklub nun sein Heil aus dem Kosovo erwartet: „Wenn die internationale Gemeinschaft dem Kosovo die faktische Souveränität gibt und die USA diesen Plan unterstützen“, erklärte am 8. Februar 2007 Evgenij Ševčuk, Präsident des „Obersten Sowjet“ der PMR, „dann sollte das Kosovo-Modell eine Universalität erlangen. Denn was die internationale Gemeinschaft den Bürgern des Kosovos gewährt, darf sie uns Transnistriern nicht verweigern“.

*

Postkriptum

Aktuelle Umfragen verdeutlichen, dass (mindestens) 90 Prozent der heutigen Kosovo-Albaner nur ganz einfache Dinge wollen: Jobs, Sicherheit, Unterricht, Reisepässe etc. Mit den seit 15 Jahren an der Macht befindlichen Polit-Kriminellen à la Rugova, Haradinaj, Thaçi und Ceku werden sie das nie bekommen. Was können  sie – und wir im Westen – machen? Gar nichts, schrieb der US-Politologe Edward N. Luttwak: Alle „friedensstiftenden“, „friedenserzwingenden“ etc. Aktionen, die die Vereinten Nationen (UN) seit ihrer Gründung 1947 unternommen haben, waren völlig für die Katz’. Im besten Falle haben sie es geschafft, kämpfende Parteien auf Zeit auseinanderzurücken, also ihnen Zeit zu geben, sich neu zu rekrutieren, neu zu munitionieren, propagandistisch neu zu positionieren und im gegebenen Moment erneut zuzuschlagen.

Nicht zufällig hat Luttwak seine Überlegungen im Zusammenhang mit dem Kosovo publiziert (Foreign Affairs, August 1999) und sie unter den Titel „Give War a Chance“ gestellt. Wer so etwas in Deutschland auch nur zitiert, sieht sich am nächsten Tag in der Presse als „Zyniker“, „Kriegstreiber“ etc. denunziert – ich spreche aus eigener Erfahrung. Dabei muss ich Luttwak zähneknirschend Recht geben: Frieden entsteht erst, wenn Kriege „ausbrennen“. Also „let the war burn out“ – „give war a chance“!

Niemand in Europa will einen Krieg, vermutlich ausgenommen die albanischen Extremisten von „Vetëvendosje“, UÇK und deren Kollaboranten aus Serbien, Makedonien und anderen Balkanländern. Bei der gewalttätigen Demonstration vom 10. Februar 2007 waren viele Albaner zugegen, die nicht aus dem Kosovo stammten. Details wird man eventuell erfahren, wenn UNMIK die Verhafteten, darunter Kurti, und die aus „Vetëvendosje“-Büros mitgenommenen Computer genauer unter die Lupe nimmt.

Natürlich wäre der absehbare Kosovo-Krieg zu vermeiden – welcher Krieg wäre das nicht? Aber dazu bedürfte es einer Lösung, die Albaner und internationale Gemeinschaft scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Wie weiter oben bereits erwähnt, leben im Kosovo noch 146.297 Serben. Und sie leben sehr kompakt, nämlich im Norden um Kosovska Mitrovica 75.540, im Osten um Kosovska Kamenica 40.813, im Zentrum südlich von Obilić 27.052, dazu noch ein paar Streusiedlungen im Süden mit jeweils rund 1.500. Hinzu kommen im Nordwesten bei Peć die kompakten Siedlungen der Roma, die bei Kosovo-Albanern ebenso verhasst sind wie Serben.

Die kompakte Siedlungsweise von Serben und Roma lässt einen an die Taktik des früheren serbischen Premiers Zoran Đinđić denken, der im März 2003 ermordet wurde, zuvor aber die Aufteilung des Kosovos in „Entitäten“ nach bosnischem Vorbild vorgeschlagen hatte: Was den Volksgruppen in Bosnien recht ist, nämlich in eigenen Regionen zu leben, sollte Serben im Kosovo billig sein. Das wäre zwar die (nach dem Krieg) zweitschlechteste Möglichkeit, aber sie würde einigen Hunderttausend Menschen Leben und Sicherheit garantieren. Und das ist im gegenwärtigen Kosovo mit seinen kriegslüsternen Banden à la „Vetëvendosje“ schon fast ein Gottesgeschenk!

Balkan Kosovo

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