Zug von Sewastopol nach Moskau fährt über Straße von KertschKRIM

Erste Fahrt der Eisenbahnfähre über Straße von Kertsch

Zug von Sewastopol nach Moskau fährt über Straße von Kertsch

Das Alltagsleben nimmt Fahrt auf. Die Wiedereröffnung einer Eisenbahnverbindung zwischen der Krim und dem russischen Festland ist erfolgt. Die erste Fähre hat die Kertscher Meerenge zwischen Schwarzem und Asowschem Meer passiert.

Von Hans-Joachim Hoppe

Ein großer Tag für die Krim. Freie Fahrt für den Zug Moskau-Simferopol. Das könnte angesichts der Querelen zwischen der Ukraine und Russland und der Empörung auch im Westen über die Annexion der Krim durch den Kreml in manchen Ohren zynisch klingen. Aber es geht hier um pragmatische Regelungen zur Erhaltung der Wirtschaft und der Verkehrsverbindungen zwischen der Krim und dem russischen Festland, solange noch die Wege über die Ukraine wegen des Konflikts im Osten blockiert sind.

Am 1. August 2014 startete der erste Zug seit 25 Jahren von Simferopol über Kertsch auf einer Eisenbahnfähre zur Taman-Halbinsel über Rostow nach Moskau. Früher fuhren die Züge direkt durch die Ukraine. Bei der Eröffnungszeremonie in Simferopol, der Hauptstadt der Krim, waren einige der neuen Repräsentanten der Krim-Regierung zugegen: der Vizepremier, der amtierende Transportminister und der Eisenbahnchef der Krim Andrei Karakulkin. Neugierig schauten die Leute an der Reeling und von anderen Booten aus, wie die Eisenbahnfähre den Schnellzug Moskau-Simferopol mit neun Wagen über die Meerenge von Kertsch transportiert.  Die Route lief vom Hafen Kawkas auf der Taman-Halbinsel (Kreis Krasnodar, Südrussland) zum Krim-Hafen.

Der Zug bewältigt die Strecke von Simferopol nach Moskau, ohne ukrainisches Territorium zu passieren. Die Fahrzeit beträgt 46 Stunden. Früher fuhr der Zug von Moskau nach Simferopol über ukrainisches Territorium in nur der Hälfte der Zeit – in 24 Stunden. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat Vieles erschwert. Die Überquerung der Meerenge der Krim mit der Fähre ist ein Provisorium, das bis zum Bau einer Brücke oder Unterführung, die – wenn überhaupt - nicht vor 2018 fertiggestellt sein wird, herhalten muss.

Brücke oder Tunnel: die Qual der Wahl

Nach der Annexion der Krim beeilt sich Moskau, die Infrastruktur der Halbinsel zu verbessern. Zentrales Projekt ist der Bau einer Verbindung zum russischen Festland bei der Hafenstadt Kertsch. Die Wahl besteht zwischen einer reinen Autobahnbrücke, einer Eisenbahnverbindung oder beides kombiniert auf einer Brücke mit zwei Etagen  oder einem aufwendigen Tunnel mit einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke und vier Fahrbahnen für Autos und LKWs.

Brückenbau durch Häftlinge ?

Ganz besonders Schlaue schlugen als Sofortlösung sogar eine Pontonbrücke auf Schwimmstelzen vor, die Kosten sparen und in wenigen Wochen stehen würde. Am Bau dieser Varianten sollten nach ihren Vorstellungen nicht nur Ingenieure und reguläre Arbeiter eingesetzt werden, sondern wie in alten Zeiten (unter den Zaren und unter Stalin) Soldaten und vor allem Häftlinge, deren Leben nicht viel Wert sei. Doch die Direktorin des Strafvollzugs der Russischen Föderation dementierte schnell im Hinblick auf die Wirkung auf die Bevölkerung und die Medien. Ihr Stellvertreter dagegen hatte Tage zuvor angedeutet, es sei durchaus üblich, Häftlinge für größere Bauprojekte einzusetzen. Für das Kertscher Brückenprojekt könnte er eine ganze Strafkolonie in Südrussland abstellen; die könnten dann „echtes Geld“ verdienen.

Vor der Entscheidung über den Bau eine Machbarkeitsstudie

Zur Erleichterung der Auswahl, welche Variante einer Verbindung über oder unter der Meerenge von Kertsch am besten wäre, soll eine „Machbarkeitsstudie“ erstellt werden – bis zum 1. Oktober, und dann wird über die Art der Durchführung des Projekts entschieden.

Chinesische Firmen haben sich übrigens auch schon gemeldet: sie schlagen einen
Tunnel vor, nachdem sie mit einem solchen schon in Macao, der ehemaligen portugiesischen Kolonie an der chinesischen Küste, gute Erfahrungen gemacht haben.

Aber auch Russland hat Erfahrungen - zumindest mit Brücken. Die russische Projektleitung würde auch eine Brücke bei Kertsch bevorzugen: dabei könnte sie auf das Paradeobjekt der Russki-Brücke in Wladiwostok zurückgreifen, mit über einem Kilometer Spannweite, die Anfang September 2012 von Ministerpräsident Dmitri Medwedjew eröffnet wurde. Die weitaus längere und kompliziertere Brücke über die Meerenge von Kertsch soll alle Rekorde brechen.

Eine trickreiche Animation

Um der russischen Bevölkerung das grandiose Projekt schmackhaft zu machen, ließ die russische Transportagentur AVTODOR, die die Projektleitung innehat, einen gekonnten Werbefilm drehen. Dort kann man sich die verschiedenen Bauvorhaben in Animation ansehen.

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