Zum Jahrestag der islamischen Revolution im IranIRAN

Gestohlene Revolution – Feuer unter der Asche

Der 10. Februar ist der Jahrestag der iranischen Revolution. Vor 34 Jahren wurde die Tyrannei des Königs „Schah“ durch den religiösen Faschismus ersetzt und die Bevölkerung verraten. Die Freudentränen wichen sehr bald bitterem Schmerz.

Von Saeid Yeganeh

Wegen der langjährigen Repression, mit der der Schah das Land beherrschte, war der Bevölkerung der Gedanke an eine demokratische Alternative nicht vertraut. So konnten reaktionäre und fanatische Kräfte aus der Vergessenheit auftauchen und die Macht ergreifen. Khomeini bezeichnete sich nach seiner Rückkehr in den Iran als „Führer“, ebenso als „Schatten Gottes auf Erden“ und gründete das höllische System der „Velayat-e Faqih“ - die totale Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten. Die verfassungsmäßig verankerte „Velayat-e Faqih“ verleiht dem „Führer“ uneingeschränkte Machtbefugnisse; sie stellt ihn über die Verfassung.

Die fanatischen Mullahs, die immer eigene Idee anderen aufzwingen wollen, sind unfähig, die Probleme der Gesellschaft zu lösen. Sie wollten mit den Methoden, die 1.400 Jahren alt sind,  regieren - sie tun es noch  heute. Im Strafgesetzbuch der Mullahs sind Kreuzigung, Steinigung, Amputation von Körpergliedern, Auspeitschen und weitere barbarische Arten von Strafen vorgesehen. Die reaktionären Mullahs wurden von Anfang an von der Bevölkerung abgelehnt. Daher wurde brutale Unterdrückung notwendig – es kam zu bis heute 120.000 Hinrichtungen. Mehr als 1.000 Menschen sitzen zurzeit in Todeszellen; ihre Hinrichtungen stehen kurz bevor.

Funktionäre des Regimes haben Milliarden US-Dollars abgesahnt

Einige Zahlen machen die Lage im Iran deutlich: Die Einwohnerzahl hat sich auf 80 Millionen verdoppelt; das Durchschnittsalter beträgt 26 Jahre. 70Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, und die Arbeitslosenzahl ist auf 10 Millionen – ein Drittel der Arbeitskräfte - angestiegen. Nicht nur mit vier Millionen Drogensüchtigen, sondern auch mit jährlich 5.000 Selbstmordopfern – ein Drittel Männer und zwei Drittel Frauen - führt der Iran die Weltlisten an. Die Inflationsrate beträgt 50Prozent, und die iranische Währung verlor 300 Prozent von ihrem Wert. Während die Revolutionsgarde die Wirtschaft des Landes vollkommen kontrolliert und die Bevölkerung in Atem hält, sind die Funktionäre des Regimes durch Ölausfuhr mit riesigen Einnahmen in Höhe von hunderten Milliarden US-Dollars zu Multimillionären geworden.

Der Pate des internationalen Terrorismus

Es war von Anfang an die erklärte Strategie der Mullahs, ein sogenanntes islamisches Imperium zu errichten. Nach der Parole „Eroberung Jerusalems via Karbala (der heiligen Stadt im Irak)“ wollte man zunächst den Irak erobern. Die Hälfte der Iraker sind Schiiten, und von dort aus sollten ideologische Kräfte rekrutiert werden. Daher der acht-jährige Iran-Irak- Krieg; er geht auf die Provokationen der Mullahs zurück. Später bezeichnete Khomeini den Krieg als „himmlisches Geschenk“. Auch Schulkinder wurden in die Minenfelder geschickt. Folgen allein auf iranischer Seite: Eine Million Gefallene, zwei Millionen Invaliden und 1.000 Milliarden US-Dollar Kriegsschäden.

Für die Fortführung des Expansionismus brauchte man den Export des Terrors. Zu Beginn der 90er Jahre wurde die Quds-Truppe (Quds ist Jerusalem), eine Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarde für exterritoriale Operationen, gegründet. Sie hat die Aufgabe, die Interessen des iranischen Regimes außerhalb Irans militärisch zu vertreten. Die Revolutionsgarde und die Quds-Truppe sind dem  religiösen Oberhaupt direkt unterstellt.

Bomben-Anschläge, Geiselnahmen, Entführungen, Ermordung von rund 500 im Exil lebenden Oppositionellen, Terroranschläge weltweit sowie der unlängst ans Licht gekommene Terrorplan des Botschafters von Saudi-Arabien in den USA – das sind nur einige Beispiele. Aktuell operiert sie in Syrien und tötet syrische Frauen und Kinder. All dies zeigt die barbarisch-aggressive Natur der Mullahs.

Der Wandel ist unvermeidbar

Die gescheiterte Beschwichtigungspolitik des Westens, die das Regime zum Einlenken bewegen sollte, schenkte den Mullahs nur mehr Zeit sowie mehr Technologie zum Bau von Atombomben, die sie zur Erpressung der Weltgemeinschaft benötigen. Der letzte Irak-Krieg verschob das geopolitische Gleichgewicht im Nahen Osten zugunsten der Mullahs und bescherte ihnen einen bedeutenden Spielraum. Die irakische Regierung steht heute unter der totalen Kontrolle der Mullahs, die versuchen, die iranischen oppositionellen Volksmudschahedin (PMOI/MEK) in Camp Ashraf und Liberty im Irak als „ernsthafte Gefahr“ zu vernichten. Neben der gescheiterten Brandmarkung der Volksmudschahedin als Terroristen haben all diese Maßnahmen nur zum Überleben des Regimes gedient.

Schon im Vorfeld des arabischen Frühlings zeigten die Massenaufstände mit der Parole „Nieder mit der Velayat-e Faqih und der Diktatur“ im Iran, dass die Bevölkerung das Regime abschaffen will. Und jetzt beschleunigen einige bedeutende Ereignisse den Untergang der Mullahs: Das Assad-Regime ist am Ende. Die irakische Bevölkerung geht für die Entmachtung der iranischen Marionette Premierminister Maliki auf die Straße. Die Sanktionen gegen den Iran wirken nach und nach. Die iranische Präsidentschaftswahl im Juni 2013 könnte den Zorn der Bevölkerung zur Explosion bringen; der Anfang vom Ende. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Es ist an der Zeit, die seit über drei Jahrzehnten bestehende organisierte Hauptopposition, den Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) und seine Präsidentin Maryam Rajavi, anzuerkennen und sich somit an die Seite der iranischen Bevölkerung, die selbst zur Änderung im Iran und zur Verwirklichung des iranischen Frühlings fähig ist, zu stellen. Ein Wandel steht auf alle Fälle bevor.

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Zur Person: Saeid Yeganeh

Der Autor dieses Gastbeitrags ist Exiliranischer Publizist und Iranexperte. Er lebt in Berlin.  Saeid Yeganeh wurde 1959 im Iran geboren. Er hat in Deutschland studiert und arbeitet für den „Nationalen Widerstandsrat Iran“ (NWRI). Saeid Yeganeh verfasst regelmäßig Hintergrundberichte und Artikel über das politische Geschehen im Iran, über das Atomprogramm, sowie über Wirtschaft und Gesellschaft seines Landes.

Iran Islam Religion

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