
UKRAINE

Diese Stadt hat große Literaten hervorgebracht und war berühmt für ihre jüdische Kultur. Nun versucht das ukrainische Czernowitz, seine große k. u. k.-Tradition neu zu beleben. Eine Reise an Europas östlichen Rand in das „österreichische Jerusalem“.

RUMÄNIEN

Im rumänischen Dorf Sapanta begegnet man dem Tod mit Humor. Ob Anspielungen auf den verstorbenen Alkoholiker oder die böse Schwiegermutter: Auf dem „fröhlichen Friedhof“ steht auf jedem Grabkreuz ein heiteres und ironisches Gedicht. Die Inschriften thematisieren auch aktuelle Themen wie die Arbeitsmigration nach Westeuropa.

RUSSLAND
Ein Leben ohne die Datscha ist für viele Russen unvorstellbar. Seit Peter der Große die ersten Grundstücke vergab, hat sich an der Datscha einiges geändert, wegzudenken ist sie aus dem russischen Alltag nicht mehr. Die Datscha ist kein Haus, sie ist ein Lebenskonzept – und eine Auszeit von Stadt und Staat.

ZEITGESCHICHTE

Zwei Jahre bevor Hitler an die Macht kam, siedelte Waltraut Schälike mit ihren Eltern, die überzeugte Kommunisten waren, nach Moskau über. Im Hotel Lux erlebte sie, wie Menschen verschwanden. Später wurde sie selbst Opfer des Stalin-Terrors. Nach dem Krieg kehrten die Eltern nach Deutschland zurück. Ihr Vater, Fritz Schälike, war 1946 Mitgründer der Sächsischen Zeitung.

LAOS

Majestätische Wasserfälle, dichter Dschungel, ethnische Minderheiten und Plantagen, auf denen einige der weltbesten Kaffeebohnen geerntet werden – das Bolaven-Plateau in Laos ist nicht nur eine fruchtbare Hochebene, die für die Wirtschaft des Landes wichtige Exportgüter generiert, sondern auch ideales Ausflugsziel für Reisende, die sich am angenehmen Klima und den freundlichen Einwohnern erfreuen wollen.

MAKEDONIEN

Erinnerungen an den großen Staatsmann aus dem kleinen Makedonien. Der „Corriere della sera“ nannte ihn 1992 einen „Mann für den Friedensnobelpreis“. Am Abend des 1. Januar 2012 starb Kiro Gligorov im Alter von 94 Jahren. Für die Makedonen war er der Vater des Volks, Vater des unabhängigen Makedoniens.

VÖLKERSCHLACHT

Die islamische Ruhestätte bei Kleinbeucha erinnert an den Offizier Mustafa, der in den Napoleonischen Kriegen zur Befreiung Europas sein Leben gelassen hat.

EURASISCHE SPIRITUALITÄT
In einer Höhle auf der Schwäbischen Alb wurde die älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa entdeckt. Die eiszeitliche Kunst wird nun in einer Sonderausstellung der Universität Tübingen präsentiert.

FUSSBALL

Im nächsten Jahr sind Polen und die Ukraine EM-Austragungsland. Und in welchem der beiden Länder fand das historisch erste Fußballspiel statt? Das will man jetzt wissen. Unbestritten ist nur eins: 1894 fand im Stryjski-Park in Lemberg (damals Österreich-Ungarn, heute Lviv, Ukraine) ein Fußballspiel gegen eine Auswahl aus Krakau statt. Doch wer sich dieses „Eröffnungsspiel“ zwischen beiden Ländern auf seine Fahnen schreiben darf, ist in dem aktuellen EM-Austragungsort weniger als ein Jahr vor dem Turnier umstritten: war es das erste polnische Fußballspiel? Oder das erste ukrainische? Der bizarre Geschichtsstreit führt ein in die komplizierte Geschichte einer Stadt, die im Laufe des 20. Jahrhunderts fünf verschiedenen Herrschaftsgebieten angehörte.

ZWEITER WELTKRIEG

Am 6. Dezember 1941 – kürzlich jährte sich das Ereignis zum 70. Mal – wurde der belagerten Stadt Leningrad mitten im eiskalten Winter die Heizung gekappt und es gab kein Trinkwasser mehr. Deutsche und finnische Truppen hatten die Stadt im Zweiten Weltkrieg 900 Tage lang eingekesselt. Rund eine Million Einwohner starben an Kälte, Hunger und Entkräftung.

SÜDOSTEUROPA

Der ungarische Philosoph Tamás über Erbfeinde im Karpatenbassin. „Von der Tradition verflucht und von Gott geschlagen ist das rumänisch-ungarische Verhältnis“, sagt er. Was ist da los? Zum Beispiel dies: Die Staaten sind verfeindet, die Völker auch, die ethnischen Minderheiten im jeweils anderen Staat sowieso, und auf beiden Seiten bestehen politische Parteien und Gruppierungen, die die bestehenden Differenzen und Kontroversen bis zum Exzess steigern. So war es immer - und so ist die bedrückende Aktualität im 21. Jahrhundert.

WOLGADEUTSCHE

Fast 400.000 Wolgadeutsche wurden zwischen dem 3. und 20. September 1941 in Güterzügen nach Sibirien und Kasachstan zwangsumgesiedelt. Die Sowjetmacht verdächtigte sie, ihr im Krieg gegen Deutschland in den Rücken zu fallen. 70 Jahre später kehrten jetzt einige von ihnen erstmals zurück. Heimatgefühle wollten bei den meisten aber nicht aufkommen. Vertrautes erblickten sie in den Dörfern und Städten kaum.

KAUKASUS

Die Tscherkessen sind ursprünglich im Nordkaukasus beheimatet. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten sie das Gebiet zwischen Schwarzem Meer, Asowschen Meer, Kuban und Terek, den Rayon Krasnodar bis nach Nordossetien (Mosdok). Sie rühmen sich des Elbrus-Gebirges, ihres „heiligen Bergs“ und zugleich der höchsten Erhebung Europas und des Kaukasus, die sich mitten in ihrem Siedlungsraum befindet.

AUSSTELLUNG

Bis zum Bis 12. September läuft im Martin-Gropius-Bau in Berlin eine Ausstellung des Schweizer Fotografen Daniel Schwartz mit dem Titel „Schnee in Samarkand – Ansichten aus dem Hinterland der Kriege“.

ATZE, HAI-TAI-TAI…

Binnen eines Jahres wurde im Rahmen des Programms „Skopje 2014“ der relativ kleine „Platz Makedonien“ im Zentrum der Stadt mit so vielen Monumenten bestückt, dass man dort „keine Nadel mehr fallen lassen kann“, so die „Morgenzeitung“. Skopie stöhnt unter einer Flutwelle von Kitsch.

KRIMTATAREN

Der erste Deutsch-Krimtatarische Dialog fand in Berlin statt. Nicht zufällig eine Analogie zum deutsch-russischen oder Petersburger Dialog, denn die Probleme der Krimtataren sind mannigfaltig und erdrückend: Schnell könnte ein weiteres Ignorieren zu gefährlichen Situationen in der Ukraine führen. Spätestens dann hätte dieses scheinbar regionale Problem eine internationale Dimension. Das professionelle und umsichtige strikt gewaltfreie Agieren der krimtatarischen Führung hat damit zwei Seiten. Einerseits kam es bisher nie zu großen Konflikten auf der Krim, andererseits schaut EU-Europa scheinbar nur dorthin wo es brennt, die Krimtataren fühlen sich allein gelassen.

ZWEITER WELTKRIEG

Vor 70 Jahren, im Morgengrauen des 22. Juni 1941griffen mehr als 120 deutsche Divisionen die Sowjetunion an. Auf einer Front von 2130 Kilometern Länge, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, rückte die deutsche Wehrmacht vor. Sie nannte ihren Überfall „Unternehmen Barbarossa“. Vom 8. auf den 9.Mai 1945, nachdem Millionen von Soldaten und Zivilisten elend umgekommen waren, endete die europäische Tragödie mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. – Versuch einer Analyse zur Rolle Hitlers und Stalins, 70 Jahre danach.

ZEITGESCHICHTE

Eine Berliner Zeitzeugin erzählt vom Mai 1945. Die Karlshorster mussten ihre Wohnungen für die siegreichen Russen räumen. „Die Zeit war ein ständiges Wechselbad der Gefühle“, erinnert sie sich. Letztlich aber habe sie in den Russen trotz aller Übergriffe und Schikanen doch mehr die Befreier als die Besatzer gesehen.

RUSSLAND

Eigentlich sollte man im Winter nach Jasnaja Poljana fahren, denn die russische Seele hat immer etwas mit dieser Jahreszeit gemein. In den kalten Monaten sieht alles so sauber aus, es glänzt, als ob die Erde rein sei. Aber diesmal hatte die Reise bereits im Sommer stattgefunden, lange vor dem 100. Todestag von Lew Nikolajewitsch Tolstoi, dessen Wirkungsstätte Jasnaja Poljana gewesen ist. Einfach weil der Zug wartete und die Uhrzeit stimmte.

RAUCHEN
Was sich doch Menschen so alles „durch die Blume sagen“, wie sich Völker oder Stämme bestimmte Pflanzen als Symbol aussuchen! Die Bourbonen-Lilie, die Tudor-Rose, das vierblättrige Kleeblatt, die deutsche Eiche, die russische Birke, der Lindenbaum am Brunnen vor dem Tore und endlos weiter so. Aber nur eine Pflanze scheint wahrhaft international zu sein, wissenschaftlich „Nicotiana“, vulgo „Tabak“ genannt.

AUSSTELLUNG

Sie waren das bedeutendste europäische Herrschergeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts. Ihre Namen haben bis auf den heutigen Tag ehernen Klang: Von Konrad III. über Friedrich I. Barbarossa bis Friedrich II. Der letzte, Konradin, wurde in Neapel öffentlich enthauptet.

RUMÄNIEN
Rumänien sucht angesichts der Wirtschaftskrise nach Möglichkeiten, den maroden Staatshaushalt zu sanieren. Die rumänischen Medien diskutieren derzeit über eine riesige Summe, die Deutschland möglicherweise dem Land schuldet. Es geht um 18 Milliarden Euro, fast so viel, wie der IWF Rumänien derzeit als Kredit gewährt hat. Die Schulden gehen auf einen Vertrag zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem Königreich Rumänien zurück. Die rumänische Regierung vermeidet bisher eine offizielle Stellungnahme. Nun hat die Links-Fraktion im Deutschen Bundestag eine Anfrage zu dem Thema gestellt.

ORTHODOXE KIRCHE

Patriotismus hinter Klostermauern - besonders junge russische Akademikerinnen fühlen sich davon offenbar angezogen. In der Stadt der Kirchen und Klöster sieht man auffallend viele von ihnen.

MAROKKO

Am 30. Juli feierte König Mohammed VI. von Marokko sein elfjähriges Thronjubiläum. Er hat im ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft für Marokko entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Hier eine Bilanz dieser Veränderungen: Wie weit ist es dem Monarchen gelungen, die Versprechen, die er bei seiner Thronbesteigung 1999 abgegeben hatte, in die Realität umzusetzen?

POLEN - RUSSLAND
Laut Umfragen vom April 2010 betrachten 38 Prozent aller Polen das polnisch-russische Verhältnis als „ganz schlecht“ oder „eher schlecht“. Vor zwei Jahren waren nur 27 Prozent der Polen dieser Ansicht. 81 Prozent der Polen meinen, dass „die Verbrechen von Katyn“ das Verhältnis zu Russland belasten, 14 Prozent mehr als 2008. Dennoch bot sich gerade im April 2010 die Chance, dass aus dem Tiefstpunkt des bilateralen Verhältnisses - Katyn und die Ermordung von 21.768 polnischen Offizieren am 5. März 1940 - eine polnisch-russische „pojednanie“ (Versöhnung) erwachsen könnte.

ASTRONOMIE UND SPRACHE

Sie gilt als die erste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte und wurde 1999 im Herzen Europas gefunden: Die Scheibe von Nebra. Unbekannte Künstler haben sie vor ca. 3600 Jahren geschaffen. Sie zeigt erstaunlich präzise den Kosmos, so wie er sich auch heute noch darstellt. Über die Volkszugehörigkeit der Menschen, aus deren Mitte das wertvolle Fundstück stammt, herrscht noch Unklarheit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat man fast alles, was in Europa an Altertümlichem gefunden wurde, den Kelten zugeschrieben. Die keltische Welle hat schließlich auch die Sprachwissenschaft und die Namenkunde erfasst. Das hat dann dazu geführt, dass man sogar im Baltikum keltische Namen zu finden glaubte. Aber welcher Sprache bedienten sich die Astronomen von Nebra?

AUSSTELLUNG

Im 3. Jahrhundert nach Christus fielen Germanen plündernd in das zerrüttete Römische Reich ein. Sie erbeuteten Gold und Silber, Trinkgefäße und Kultgegenstände. Der vor 30 Jahren entdeckte „Barbarenschatz“ von Neupotz war im Rhein versunken und wird vom 20. März bis 30. November 2010 in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Urgeschichtemuseum Niederösterreich im MZM Museum Lebenswelt Weinviertel in Mistelbach ausgestellt.

AGA KHAN MUSEUM

„Schätze des Aga Khan Museums“ heißt eine Ausstellung, die vom 17. März und bis zum 6. Juni 2010 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein wird. Gezeigt werden islamische Kunst aus 1000 Jahren Kulturgeschichte.

ESKIMOS
Ein paar Haare und Knochenreste waren noch übrig. Weit weniger als vom Ötzi. Daraus haben Forscher nun das Erbgut eines über 4.000 Jahre alten Mannes aus dem Arktikeis entziffert. „Inuk“, wie der Ur-Grönländer genannt wird, hatte braune Augen, war Bauchträger und seine Ahnen kamen aus Sibirien.

TSCHECHIEN

In Tschechien kann man ab sofort auf den Spuren des „Weißen Goldes“ wandeln. Nach bayerischem Vorbild will auch Böhmen mit einer „Porzellanstraße“ Touristen anlocken. Sie verbindet acht Museen, Manufakturen und Klöster im Karlsbader Raum und präsentiert dabei in opulentem Rahmen Raritäten von Marken mit Weltruf. Zusammen mit dem bayerischen Teilstück bildet sie die erste internationale Porzellanstraße.

RUSSLAND

Die russische Volksseele macht sich seit Jahrhunderten in Liedchen Luft, die lediglich Twitter- oder SMS-Länge haben. Sie haben Zar und Stalin überdauert und sind noch immer saftig, deftig – einfach schön.

ZEITZEUGIN

Eine zufällige Begegnung in der Notaufnahme. Auf einmal sind die Erinnerungen wiedergekommen. „Es hat gut getan, dass Sie zugehört haben“, sagt sie.

EX-DDR
Viel war im letzten Jahr nach 20 Jahren der Mauerbeseitigung noch einmal von der alten DDR die Rede. Von ihren Gesängen eigentlich kaum. Und an jene ein Jahrzehnt vor dem Zusammenkrachen des Arbeiter- und Bauernstaates entstandene Sachsenhymne hat schon gar keiner mehr erinnert. Das wollen wir hier nachholen. Und auch gleich noch einiger weiterer sächsischer Hymnen gedenken.

SLOWAKEI

Es war ausgerechnet der Pop-Art-Künstler Andy Warhol, der der ruthenischen Minderheit in der Ostslowakei zu einer Wiedergeburt verhalf. „Wir brauchen aber Helden aus den eigenen Reihen“, sagt der ruthenische Ethnologe Michal Šmajda. Das ist heute, 20 Jahre nach der Wiederauferstehung der Minderheit, schwieriger denn je, denn Jahrzehnte der Assimilation haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Ruthenen bekennen sich nicht zu ihren Wurzeln. Und weil es immer weniger Ruthenen gibt, erhalten sie weniger Unterstützung durch den Staat als andere Minderheiten.

RUSSLAND

Das „Kinopanorama“ in Moskau ist das einzige Kino der Welt, das seit 50 Jahren Filme auf einer 360-Grad-Leinwand zeigt. Als ununterbrochener Streifen zieht sich die Leinwand in dem kreisrunden Saal an der Wand entlang – und der Zuschauer steht mittendrin. Parteichef Nikita Chruschtschow ließ das ungewöhnliche Haus 1959 erbauen, um das Disneyland in den USA zu übertreffen. Heute kommt meist nur noch eine Handvoll Zuschauer. Von 20-minütigen Kurzfilmen lassen sie sich in ein Land entführen, das es nicht mehr gibt – und manch einer ahnt, dass dem charmanten alten Kino vielleicht das gleiche Schicksal droht.

STALIN
Der Diktator, unter dem Millionen Menschen starben, erfreut sich in Russland zunehmenden Respekts.

KOSAKEN

Eine Begegnung am Fluss der Kosaken, dem „Vater Don“. Auf der Staniza Wjoschenskaja lebt noch der alte Kosakengeist.

MOLDAU

Im Süden der Republik Moldau liegt die autonome Region Gagausien (sprich: Gaga-usien). Die Gagausen haben ihre eigene Regierung und Verwaltung, eine eigene Universität und mit gagausisch ihre eigene Sprache. Der höchste politische Vertreter heißt „Baschkan“ und sitzt in der Hauptstadt Komrat. Nach dem Ende des Kommunismus haben sich die inzwischen autonomen Gagausen friedlich mit der Regierung des moldawischen Mutterlandes arrangiert. Touristen lockt Gagausien mit Sonne, Wein und Gastfreundschaft, Investoren mit fünf Jahren Steuerfreiheit. Der regierende Baschkan, Mihail Formuzal, über Geschichte, Kultur und den aktuellen Status Quo der Gagausen.

BIOGRAPHIE

Die Friedensnobelpreisträgerin von 1979 wäre im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden. Wer war sie und woher kommt sie? Ihre Jugend verbrachte sie in Skopie. Ihre Eltern waren „Latiner“. Für das oft behauptete Albanertum der Ordensfrau gibt es keinerlei Belege.

AUSSTELLUNG

Kaum eine andere historische Gestalt hat die Gemüter der Menschen in ganz Eurasien so bewegt wie Alexander der Große. Vom 3. Oktober 2009 bis 21. Februar 2010 steht er in den Reiss- Engelhorn-Museen Mannheim im Mittelpunkt einer großen Sonderausstellung.

EURASIEN HISTORISCH

Die Kelten - ihre Kultur hat Europa und Teile Eurasiens ein Jahrtausend lang geprägt. In Sprache, Musik und Sagen lebt vieles von ihnen fort, auch wenn sie kaum etwas anderes hinterlassen haben als Fundstücke. Schriftliche Überlieferungen gibt es nur durch antike Schreiber.

ERINNERUNGEN
Im Spätsommer 1989 sammelten sich Tausende ausreisewillige DDR-Bürger in der Prager Botschaft, nachdem bereits im Sommer Tausende Bürger über Ungarn und Österreich in die BRD geflüchtet waren. Unter abenteuerlichen Umständen lebten bis zu 4.000 Flüchtlinge zeitgleich auf dem Gelände der Botschaft, während über ihr Schicksal verhandelt wurde. Am 30.9.1989 verkündete der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher die Zustimmung der Regierung der DDR zur Ausreise.

EURASIENS TIERWELT

Klimaereignisse ließen die Eiszeit-Riesen bis weit über den 40. Breitengrad wandern. In der spanischen Provinz Granada fanden sie vor vierzigtausend Jahren eine schmackhafte Speisekarte vor.

GEDENKTAGE 2009
Zwei große historische Ereignisse jähren sich 2009: die Niederlage der Römer in Germanien im Jahr 09 n. Chr. und der Anfang vom Ende des kommunistischen „roten Roms“ im Jahr 1989. Das erste Datum gilt als Beginn der deutschen Geschichte. Das zweite markiert die Wiedervereinigung zweier Teile Deutschlands, mit dem es im 20. Jahrhundert steil bergab gegangen war.

1989-2009

Wie war das damals? Was ist eigentlich geschehen? Worin besteht der Wandel? Was ist seither passiert? Eine Ausstellung der Goethe-Institute Osteuropas und Zentralasiens versucht darauf Antworten zu geben. Insgesamt werden rund 200 Video- und Fotoarbeiten gezeigt, die sich mit den tief greifenden Veränderungen der letzten 20 Jahre in Ländern des früheren Ostblocks auseinandersetzen.

MUMIE
In der Finanzkrise wird auch das Geld für die Aufbewahrung des mumifizierten Leichnams des toten Revolutionsführers knapp.

EM-INTERVIEW

Seit dem Urknall sind große Teile des Universums miteinander verschränkt. Was in fernen Galaxien geschieht, hat immer auch Auswirkungen auf uns. Gedanken, Bewusstsein, Geist und Seele sind so real wie Atome. Leben ist die am höchsten entwickelte Form der Materie. Der Wissenschaftsjournalist Dr. Rolf Froböse zeigt im Gespräch mit dem Eurasischen Magazin auf, wie die moderne Quantenphysik Wege zu einem ganzheitlichen Weltbild eröffnet.

MAROKKO

Sind Ceuta und Melilla Exponate europäischer Fremdherrschaft oder Teile des „christlichen“ Spaniens?

TSCHECHIEN

Vor 40 Jahren, am 16. Januar 1969, verbrannte sich der Student Jan Palach in der tschechischen Hauptstadt um gegen die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings zu protestieren. 1989 löste die Palach-Woche die bis dahin größten Proteste gegen das kommunistische Regime aus und wurde zum Vorboten des Umsturzes, der dann im November erfolgte.

ISLAM
Muhammad Schahrurs Werk ist ein umfassender Versuch, die Religion des Islam mit moderner Philosophie ebenso in Einklang zu bringen wie mit dem rationalen Weltbild der Naturwissenschaften. Seiner Ansicht nach ist die Rechtssprechung im Namen Gottes eine Farce zugunsten politischer Machtkalküle. Loay Mudhoon stellt den streitbaren Reformdenker vor.

TADSCHIKISTAN

Eine Flut von Namensänderungen rollt über die revolutionär geweihten Gipfel des Pamir-Gebirges in Zentralasien hinweg. Was vor knapp zehn Jahren mit der Umbenennung des Pik Kommunismus, dem einst höchsten Berg der Sowjetunion, in Pik Somoni begann, dauert bis heute an. Allerdings nicht gerade zur Begeisterung der zentralasiatischen Bergbevölkerung

DSCHINGIS KHAN

Auch wenn man die Geschichte Dschingis Khans kennt und selbst darüber geschrieben hat – in dem Augenblick, in dem er einem leibhaftig gegenübertritt, ist das Erlebnis überwältigend. Ab dem 7. August kommt er ins Kino. Pferdehufe prasseln, Rauch steigt auf am Horizont, mongolische Bogenschützen reiten durch Eurasien. Auch wenn der Streifen des russischen Meisterregisseurs Sergei Bodrov bisher noch keinen Oskar erhalten hat – man darf ihn nicht versäumen.

LITAUEN

Seit Litauen 1991 unabhängig wurde, genießen seine Bürger Reisefreiheit, und davon machen sie auch regen Gebrauch. In den letzten 18 Jahren haben ungefähr 400.000 Litauer das Land verlassen. Eine beträchtliche Zahl, wenn man berücksichtigt, dass die baltische Republik derzeit gerade mal 3,3 Millionen Einwohner zählt. Die meisten der litauischen Auswanderer haben in Großbritannien, Irland und in den USA eine neue Heimat gefunden.

ASTRONOMIE

Die erste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte wurde 1999 im Herzen Europas gefunden: bei Nebra in Sachsen-Anhalt. Sie ist ein Schatz aus Bronze und Gold, 3.600 Jahre alt und zeigt erstaunlich präzise den Kosmos, so wie er sich auch heute noch darstellt. Vom 08. März bis 01. Juni 2008 wird eine Kopie der geheimnisvollen „Himmelsscheibe von Nebra“ im Archäologischen Museum zu Frankfurt unter dem Titel „Ein Himmel auf Erden“ zu sehen sein. Sie hat weit reichende archäologische Bezüge und Berührungspunkte von Kleinasien bis nach Schottland und vom hohen Norden bis zum Mittelmeer.

TÜRKEI

Beim Deutschlandbesuch des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan Mitte Februar haben sich gewaltige Emotionen entladen. Integrieren oder nicht integrieren der über drei Millionen Türken in Deutschland – das war die am leidenschaftlichsten diskutierte Frage. Erdogan will, dass seine Landsleute sich nicht assimilieren, sondern offenbar bis in alle Ewigkeit ihre türkische Kultur hochhalten. Dies geht sogar vielen in Deutschland lebenden Türken zu weit. Von Normalität jedenfalls sind Deutschland und Europa einerseits, und die Türkei andererseits noch weit entfernt. Das hängt auch mit der schon so lange verwehrten Integration der Türkei nach Europa zusammen.

KASACHSTAN

Konstantin Grigorjewitsch Makarewitsch war einst ein berühmter Gletscherforscher. Heute interessiert seine Arbeit jedoch kaum noch jemanden, denn diese Forschung hat im unabhängigen Kasachstan fast keine Bedeutung mehr. Dabei kennt Makarewitsch die kasachischen Gletscher länger als die meisten seiner Kollegen. Ein Porträt über einen Wissenschaftler der Sowjet-Ära, der dem Verlust seiner Heimat, der Armut und dem Alter stoisch immer wieder eines entgegensetzt: Arbeit.

RUSSLANDS GEHEIMDIENSTE
70 Prozent der staatlichen Schlüsselpositionen in Russland sind heute von Geheimdienstlern besetzt. Doch Kremlchef Wladimir Putin hat keineswegs die volle Kontrolle über sie.

GESCHICHTE DER TÜRKEI
Die deutsch-türkischen Beziehungen entwickelten sich in der Ära von Sultan Abdülhamid II. (1876-1909) im Allgemeinen sehr positiv. Nach der jungtürkischen Revolution von 1908 traten die Beziehungen zwischen beiden Ländern in eine neue Phase, in der Deutschland seine Machtposition in Istanbul dank der Tätigkeit seiner in den türkischen Diensten stehenden Offiziere ausbauen konnte. Der Staatsstreich vom 23. Januar 1913 brachte germanophile Offiziere wie Mahmut Sevket Pascha an die Macht, was den deutschen Einfluss in der türkischen Hauptstadt festigte.

KONSTANTIN

Zehn Jahre lang wurde Westrom von der Moselstadt Trier aus regiert. Im Jahr 307 soll der römische Caesar Konstantin hier geheiratet haben. 1700 Jahre Erinnerung. Aber der später von Konstantinopel – dem heutigen Istanbul – aus regierende Kaiser hat nicht nur das Gesicht Triers geprägt, sondern auch das Europas und großer Teile Eurasiens. Die bislang größte Schau über den spätrömischen Kaiser (ca. 275 bis 337 n. Chr.) und seine Zeit ist seit 2. Juni und noch bis 4. November 2007 in Trier zu sehen.

DIE SKYTHEN

Staatsoberhäupter aus Ost und West erwiesen Ihnen die Ehre und kamen zur Eröffnung der großen Skythenausstellung in Berlin. München und Hamburg sind die nächsten Stationen. Insgesamt werden die Skythen und ihre Schätze ein Millionenpublikum in seinen Bann ziehen. Die frühen Reitervölker aus der eurasischen Steppe faszinieren als Krieger, Künstler und Erbauer von Grabhügeln. Ihre Hinterlassenschaften haben die Wissenschaftler überrascht. Gold, Pferdemumien und blonde Reiter, die einst Asien bevölkerten. Sie zeigen, dass die Siedlungsgeschichte Eurasiens noch voller Überraschungen steckt.

HEIMAT IN DEUTSCHLAND

Sie kommen aus ganz Eurasien in die Bundesrepublik Deutschland. Zwar gibt es in der Bevölkerung noch immer Angst, die Zuzügler könnten Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen. Aber nicht wenige Migranten schaffen inzwischen selbst Arbeitsplätze. Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland mehr als eine halbe Million Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Sie bringen als besondere Qualifikation Mehrsprachigkeit, internationale Kontakte, Flexibilität und die Kenntnis anderer Kulturen mit. Tatjana Balzer stellt fünf Erfolgsgeschichten von eurasischen Einwanderern vor. Vier von ihnen sind Unternehmer.

SIBIRIEN

Als der damalige Aussiedlerbeauftragte Helmut Kohls, Horst Waffenschmidt, 1994 die Deutschstämmigen aus dem Osten gezielt anwarb, ahnte noch niemand, dass das einen Umsiedlerstrom hunderttausender Russlanddeutscher auslösen würde. Nicht nur nach Deutschland machten sich zwei Millionen auf den Weg: Zwischenstation vieler Umzügler war vorerst ein kleines Gebiet im Süden Russlands in der Nähe der Stadt Omsk. Dort hatte sich Anfang der 90er Jahre ein deutsch-nationaler Rayon gegründet. Dieser Bezirk der Russlanddeutschen in Sibirien wird jetzt 15 Jahre alt. Deutschland hat ihn mit 200 Millionen D-Mark subventioniert.

ASERBAIDSCHAN

Helenendorf, das heutige Chanlar in Aserbaidschan, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der größten deutschen Kolonien im Kaukasus. Das Ende kam 1941, als Stalin die Deutschen aus Aserbaidschan deportieren ließ. Doch wer sich heute auf den Weg nach Chanlar macht, begegnet immer noch der deutschen Vergangenheit. Eine „Deutsche Weinroute“ soll diese nun wieder beleben und damit deutsche Touristen anziehen.

BALKAN
Tito-Nostalgie und Tito-Verdammung treiben in Ex-Jugoslawien schillernde Blüten. Der Marschall, der die weißen Uniformen so liebte, wird von Epigonen nachgeahmt. Erreicht wird er nie, auch nicht annähernd.

EURASIEN

Während der großen reiternomadischen Reiche in Eurasien war der Horizont der Herrschenden weiter als in heutigen Gipfel-Zeiten, in denen die Politiker mit dem Flugzeug anreisen. Das ergab ein Gespräch mit Dr. Michael Tellenbach, Zweiter Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Unter dem Hufschlag seiner Pferde wäre Eurasien um ein Haar vereinigt worden. Heute haben Politiker Mühe, ein funktionierendes Rumpf-Europa zustande zu bringen.

VERSÖHNUNG

In Russland wurde der 9. Mai auch in diesem Jahr wieder als „Tag des Sieges“ über den Faschismus gefeiert. Zur Frage, was dieser Tag für deutsche und russische Jugendliche heute bedeutet, sprach das Eurasische Magazin mit Ute Weinmann. Sie betreut seit acht Jahren Jugendliche aus Deutschland, die in Russland einen „Freiwilligendienst“ ableisten.

ESTLAND
Es geht in Estland nicht nur um die Verlegung eines russischen Kriegerdenkmals, sondern um viel tiefer liegende Probleme. Ein Drittel der Bevölkerung sind Russen. Bis heute ist es nicht gelungen sie in den neuen Staat zu integrieren. 130.000 Russen haben nur den sogenannten „grauen Pass“. Bei den Parlamentswahlen haben sie kein Stimmrecht.

EX-JUGOSLAWIEN

Keinem anderen in der Geschichte Jugoslawiens gelang das kokette Spiel zwischen Ost und West so wie Marschall Josip Broz Tito. Er überwarf sich mit der Sowjetunion, hypnotisierte mit seinem Charisma die bunte Völkergemeinschaft Jugoslawiens, aber auch die internationalen politischen Größen. Am 7. Mai 1892 wurde Tito geboren - nur drei Tage vor seinem 88. Geburtstag verstarb er, am 4. Mai 1980. Seit einigen Jahren erlebt der Personenkult um Tito eine Renaissance, die ihresgleichen sucht.

RUSSLANDDEUTSCHE

Die verlorene Heimat wollten sie hier finden und gute Arbeit. Viele wurden enttäuscht, weil die Vorstellungen von Deutschland nicht der Wirklichkeit standhielten. Deshalb zieht es nun seit etwa zwei Jahren immer mehr Russlanddeutsche zurück in den Osten. Vor einem Jahr wurde die erste Beratungsstelle für rückkehrwillige Spätaussiedler in Bielefeld gegründet. Auch Olga und Vladimir Funk aus dem süddeutschen Göppingen haben sich schon an sie gewandt: Sie wollen nach elf Jahren so bald wie möglich „nach Hause.“

ESTLAND
Das unter Protesten der russischen Minderheit in Tallin demontierte Sowjet-Denkmal soll am 8. Mai an einen neuen Standort wieder eingeweiht werden.

STAATSTRAUER IN RUSSLAND
Er war der erste frei gewählte Präsident Russlands. Am 23. April 2007 ist er gestorben. Staatsführer aus aller Welt und einfache Russen nahmen Abschied von einem Mann, der Russland die Demokratie und die Oligarchen bescherte. Im Westen wurde er gern als „Zar Boris“ tituliert. Nun hat man ihn in Moskau zu Grabe getragen.

VIETNAM

Im gläsernen Sarg, eingetaucht in rotes Licht, wird der Leichnam des größten Freiheitshelden Vietnams in einem klotzigen Mausoleum aufbewahrt. Es ist ein gespenstischer Kult, der um ihn getrieben wird. Und ein Verrat an seinem letzten Willen. Denn Ho Chi Minh wollte weder ein Staatsbegräbnis noch ein Staatsmausoleum.

RUSSLANDDEUTSCHE

Ein deutsches Dorf an der Wolga bezahlt pünktlich seine Stromrechnung – und zwar regelmäßig. Offenbar keine Selbstverständlichkeit, weshalb die russische Agentur Itar-Tass dem Fall eigens eine Meldung widmete. Das Dorf wurde zum Medienereignis. Scharen von Journalisten machten sich auf den Weg, um Licht in das seltsame Gebaren der Dörfler zu bringen. Sie trafen auf eine Handvoll Deutscher aus Kasachstan, die einst mit großen Hoffnungen an die Wolga gezogen waren. - Eine Ortsbesichtigung.

EURASIEN

Die Siedlungsgeschichte Eurasiens steckt voller Überraschungen. Große Teile des westlichen Asiens und Zentralasiens waren bis zum Auftreten der Hunnen von einer europiden Bevölkerung besiedelt. Erst zu Beginn des Frühmittelalters ändert sich die ethnische Zusammensetzung der Menschen in diesem Gebiet. Hermann Parzinger, Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts erklärt im Gespräch mit dem EURASISCHEN MAGAZIN, wie die Wellen vieler Völkerschaften aus den Steppen Sibiriens das Gesicht Eurasiens geprägt haben.

SKYTHEN

Er war blond, aufwendig bestattet und nach über 2500 Jahren noch bestens erhalten: ein skythischer Krieger aus dem frostharten Boden des Altaigebirges in der Mongolei, wo er in eineinhalb Metern Tiefe die Zeiten überdauert hat. Prof. Hermann Parzinger, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin hatte persönlich die Ausgrabungen geleitet, die ihn in diesem Sommer ans Tageslicht beförderten.

TÜRKEI
Der letzte wirklich machtvolle Sultan des Osmanischen Reiches war Abdülhamid II. Er herrschte von 1876-1908. In seiner Ära war der Ämterkauf institutionalisiert. Mit Hilfe dieser Praxis versuchte der Staat die Einnahmen zu erhöhen. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass auch die heutige Türkei in der globalen Korruptionsskala der „Transparency International“ ziemlich weit hinten rangiert. Unter den 158 überprüften Ländern belegte sie im Jahre 2005 Platz 65. Den Untersuchungen zufolge ist auch heute noch die Rüstungsindustrie einer der korruptesten Bereiche überhaupt.

SIBIRIEN

Die urzeitlichen Mammuts faszinieren viele Menschen. Zuletzt meldeten japanische Forscher sogar, sie wollten mit Hilfe konservierter Mammutreste die Tiere klonen und so wieder zum Leben erwecken. Nördlich der sibirischen Stadt Omsk gibt es Mammutknochen an jeder Ecke. So scheint es zumindest. Aber vielleicht liegt es auch nur daran, dass Nikolaj Peristow weiß, wo man suchen muss. Der „Mammut-Mann“ aus Omsk folgt den Spuren der Eiszeitriesen bereits seit über 20 Jahren. Zum Klonen sind diese Funde jedoch nicht geeignet. Aber für Kunstwerke taugen sie allemal.

SIEBENBÜRGEN

Er hätte nach Aussagen von Zeitgenossen ein zweiter Mozart werden können. Doch bereits mit 15 Jahren hat der Tod das Genie aus den Bergen Siebenbürgens dahin gerafft. Carl Filtsch, begnadeter Pianist und jugendlicher Komponist war Schüler und Protegé Chopins, begeisterte Franz Liszt und reiste im jugendlichen Alter kreuz und quer durch Europa, von einem Konzerthaus zum nächsten. Heute steht der Name des Siebenbürger Buben Pate für das nach ihm benannte Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival. Es wird im Juli 2007 bereits zum zwölften Mal im siebenbürgischen Hermannstadt ausgetragen.

TIBET-AUSSTELLUNG

Tibet wie es kaum jemand im Westen kennt. Eine grandiose Ausstellung zeigt 150 Exponate aus dem Land des Buddhismus und seiner Klöster, die noch nie zuvor außerhalb Tibets gezeigt werden durften. Es ist die erste Großausstellung dieser Art in Europa.

MAKEDONIEN

Die junge Historikerin Violeta Atschkovska, Professorin an der Skopjer Universität Kyrill und Method, hat sich binnen kurzer Zeit zur führenden Zeitgeschichtlerin der Republik Makedonien hochgearbeitet. Zu ihren speziellen Interessen gehören die ethnischen Verhältnisse in Makedonien, worüber sie mehrere Dokumentationen und Monographien veröffentlichte. Seit den Kämpfen 2001/02 – angeblich Unruhen entrechteter Albaner, tatsächlich der Versuch albanischer Terroristen aus dem Kosovo, ihr Einflussgebiet bis nach Makedonien auszudehnen – haben die makedonisch-albanischen Beziehungen im souveränen Makedonien auch weit über das Land hinaus Augenmerk auf sich gezogen. Diesen Beziehungen galt ein Vortrag, den Frau Atschkovska vor internationalem Publikum hielt. Das Eurasische Magazin veröffentlicht eine leicht gekürzte deutsche Übersetzung, die unser Balkanexperte Wolf Oschlies aus dem Makedonischen anfertigte.

TSCHECHIEN

Alle „Okkupanten“ von 1968 gingen, einer blieb: die Prager Journalisten Dan Hruby und Jan Sibik haben ihn in diesem Sommer aufgespürt: Vladimir Cygankov, 41 Jahre alt, im Rang eines Leutnants, mit dem ständigen Wohnsitz in dem nordböhmischen Elbstädtchen Milovice. Er schützt Tschechien „vor den Chinesen“.

SALADIN

In Mannheim widmet sich eine Ausstellung dem Thema „Saladin und die Kreuzfahrer“. Der Kampf des Sultans gegen die christlichen Ritter und vor allem die Jahre der Kämpfe mit Richard Löwenherz von England stehen im Mittelpunkt. Noch heute, über 800 Jahre nach seinem Tod, berufen sich Muslime in ihrem Kampf gegen die „Ungläubigen“ im Westen auf den legendären Saladin.

REISE

Vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer erstreckt sich – durch den Rhein-Main-Donau-Kanal verbunden – eine einmalige Wasserstraße. Ihr wichtigster Teil ist Europas zweitlängster Fluss, die Donau. Sie diente zu allen Zeiten als Reiseweg und auch als Grenze. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs und der Beseitigung der gröbsten Schäden der jüngsten Balkankriege, ist sie wieder durchweg befahrbar und bietet neben reinem Urlaubsvergnügen eine Fülle praller Geschichte.

MONGOLEI

Mitte Juli haben die Mongolen mit einem farbenfrohen Fest ihren Reichsgründer Dschingis Kahn gefeiert. Ihm zu Ehren wurde in der Hauptstadt Ulan Bator eine riesige Statue des legendären Herrschers aus dem 13. Jahrhundert enthüllt. Doch das Land hat ernste Probleme – die Armut ist trotz riesiger Vorkommen an Bodenschätzen erschreckend hoch. Wird Dschingis Khan zur Symbolfigur der Hoffnungslosen?

RUMÄNIEN

Zur Ehrenrettung eines verkannten Staatsmannes. Sein Vater war Mitglied im „Drachenorden“, den Kaiser und ungarischer König Sigismund 1408 gestiftet hatte. Draculas Vater Vlad wurde 1431 Mitglied dieser höchst exklusiven Societas Draconis, musste sich folglich Dracul nennen - und von ihm kam der Titel auf den Sohn.

UKRAINE

Wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen hat der sowjetische Diktator am 18. Mai 1944 die Angehörigen des Volkes der Krimtataren auf Viehwaggons verladen und innerhalb von zwei Tagen nach Zentralasien deportieren lassen. Im November 1989 verurteilte der Oberste Sowjet dieses Verbrechen und erlaubte den Krimtataren die organisierte Rückkehr. Hunderttausende kamen seither wieder in ihre angestammte Heimat. Doch sie müssen unter erbärmlichen Verhältnissen leben und warten noch immer auf Wiedergutmachung - trotz „Orangener Revolution“ und Demokratisierung.

BULGARIEN

Das bulgarische Plovdiv ist eine der ältesten Städte Europas. Dass es auch eine der schönsten Städte des gesamten Kontinents ist, wissen zum Glück nur wenige. Mit Rom hat Plovdiv nicht nur die sieben Hügel gemein, auf denen die Stadt gebaut wurde. Für Städtereisende, denen Prag und Krakau längst zu voll sind, ist Plovdiv eine überzeugende Alternative.

ARCHÄOLOGIE

Im Südosten Anatoliens hat der deutsche Archäologe Dr. Klaus Schmidt die älteste Tempelanlage ausgegraben, die jemals von Menschen errichtet wurde. Ihre Schöpfer waren hochspezialisierte Eiszeitjäger, die vom Atlantik bis an den Pazifik das Mammut jagten und von deren Kultur noch kaum etwas bekannt ist.

KREUZRITTER, TEMPLER UND MAMLUKEN

Im Frankfurter Archäologischen Museum wird eine Zeit lebendig, die Orient und Abendland im Kampf um heilige Stätten blutig aneinander geraten ließ. Mehr als ein Dutzend Kreuzzüge wurden von fränkischen Rittern zur Befreiung Jerusalems organisiert. Berühmte Herrscher des Morgenlandes und abendländische Kaiser waren in die Fehden um das Heilige Grab verwickelt. Das Schicksal geistlicher Orden wie der Templer oder der Johanniter hat sich hier entschieden. Der ursprüngliche Mythos der Kreuzritter zerbrach schließlich an der Entschlossenheit muslimischer Kämpfer wie Saladin und der militärischen Elite der Mamluken, die ehemals als Sklaven eingekauft worden waren.

DENKMÄLER

Denkmäler haben oft eine skurrile Geschichte. Ihre Aufstellung ist häufig nicht minder bizarr als ihre Entsorgung. Und in aller Regel, die von Ausnahmen bestätigt werden, sind sie verlogen bis banal – so wie jetzt der bronzene Bruce Lee in Mostar.

KREUZZÜGE

Trutzige Burgen künden noch heute von 200 Jahren Kreuzfahrerzeit im Nahen Osten. Herausragendes Symbol ist der Krak des Chevaliers in Syrien. Er ist auch Mittelpunkt einer Ausstellung, die unter dem Titel „Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit“ im Archäologischen Museum Frankfurt zu sehen ist.

EURASIEN HISTORISCH

Ihre Kultur hat Europa und Teile Eurasiens ein Jahrtausend lang geprägt. In Sprache, Musik und Sagen lebt vieles von ihnen fort, auch wenn sie kaum etwas anderes hinterlassen haben als Fundstücke. Schriftliche Überlieferungen gibt es nur durch antike Schreiber. Der Historiker Arnulf Krause sagt von ihnen: „Selten erstritt sich ein Volk so viel Ruhm und erlitt so viele Niederlagen wie die Kelten.“

ALASKA

Mitte des 18. Jahrhunderts nahm Rußland Alaska als Kolonie in Besitz. Der Pelzhandel war wichtigster Beweggrund für die Tausende von Kilometern vom russischen Mutterland entfernten Siedlungen in unwirtlichsten Gebieten. Eine Ausstellung im Münchner Völkerkundemuseum zeigt Exponate vom Leben der Kolonisten und von den Bewohnern, auf welche die Russen in Alaska gestoßen waren.

KROATIEN

In einem kroatischen Arbeitslager starben nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tausend Menschen – da sie deutsche Vorfahren hatten. Ihr Leidensweg war fast ein halbes Jahrhundert ein Tabuthema, bis heute wissen die meisten Kroaten nichts über das traurige Nachkriegsschicksal der Donauschwaben in Slawonien.

EURASIEN HISTORISCH

Wie Geisterreiter brachen sie aus den kasachischen Steppen über das westliche Eurasien herein. Vor ihnen flohen ganze Völker, auf die sie bei ihrem Vorrücken stießen. Aus diesen Flüchtlingsströmen entwickelte sich das, was heute mit dem Begriff „Völkerwanderung“ bezeichnet wird. Mit neuen Waffen, raffinierter Taktik und einem ungestümen Mut überrannten die Hunnen alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Doch ihr staatenbildendes Zeitalter dauerte nur einen Lidschlag der Geschichte, nicht einmal hundert Jahre, dann verschwanden sie wieder im Dunkel der Anonymität, in dem sie auch zuvor schon Jahrtausende gelebt hatten. Ihr Ruf als grausame und furchtlose Krieger hat alle Zeiten überdauert.

OSTEUROPA

Vor 15 Jahren läuteten Demonstranten in Temeswar das Ende der kommunistischen Diktatur von Nicolae Ceausescu ein.

EUROPÄISCHE INTEGRATION
Eine neuerliche Katastrophe wie den Zweiten Weltkrieg zu verhindern gilt als das Hauptmotiv fur die europäische Integration. Doch bereits lange vor 1945 gab es Politiker und Intellektuelle, die sich fur die politische Einigung Europas einsetzten. Ihr profiliertester Vertreter ist Graf Coudenhove-Kalergi. Sein Ziel war es, die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen.

EURASIEN HISTORISCH

Rom war die erste Supermacht der Geschichte. Das Imperium Romanum ist Inbegriff abendländischer Macht. In seiner Blütezeit herrschte es in großen Teilen Europas und in Randgebieten Asiens. Sogar afrikanische Kolonien zählten zu seinem Machtbereich. Am Ende versank es in einem Sumpf aus Korruption, Laster und Cäsarenwahn. Die Germanen der Völkerwanderungszeit versetzten ihm den Todesstoß.

SIBIRIEN
Zur Geschichte der sibirischen Museen im 19. und 20. Jahrhundert

ZENTRALASIEN

Die Geschichte des Aralsees ist eine ökologische Tragödie. Einst war er der größte See Eurasiens. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit dem Versuch, die Wassermassen wirtschaftlich nutzbar zu machen, das langsame Sterben des Aralsees. Die Osteuropahistorikerin Dr. Eva-Maria Stolberg erzählt die traurige Geschichte von der Zerstörung eines orientalischen Märchens.

SCHICKSALSJAHR 89

Am 27. Juni 1989 durchschnitt der ungarische Außenminister Gyula Horn, assistiert von seinem österreichischen Kollegen Alois Mock, den Stacheldraht an der ungarischen Westgrenze bei Sopron. Dieser symbolische Akt war der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. Immer mehr Menschen aus der DDR reisten danach in den „Bruderstaat“ Ungarn ein, um von hier nach Österreich und damit in den Westen zu entkommen. Im August 89 flohen bereits Tausende über die ungarisch-österreichische Grenze. Einer von ihnen war Lars Krüger aus Zerbst bei Magdeburg. Der Reporter Johann v. Arnsberg ließ seinen westdeutschen Paß bei einem Kollegen in Ungarn zurück und flüchtete mit dem jungen Mann aus der DDR über die Grenze nach Österreich. Seine Reportage ist damit nach dem Wissensstand der EM-Redaktion die einzige authentische Schilderung der Flucht eines DDR-Bürgers über Ungarn in den Westen.

EURASIEN HISTORISCH

Sie gelten als eines der ältesten und größten indoeuropäischen Völker. Die neunzig thrakischen Stämme waren allerdings nie in einem großen Reich vereint. Da die Thraker über keine eigene Schrift verfügten und keine Aufzeichnungen hinterließen, geriet ihre Kultur zeitweise sogar weitgehend in Vergessenheit. Erst in den vergangenen Jahrzehnten sind sensationelle Grabfunde bekanntgeworden, die einer staunenden Nachwelt vom Reichtum und der Kunstfertigkeit dieses Balkanvolkes berichten.

EXPERTENGESPRÄCH
Prof. Angelos Chaniotis im Gespräch mit dem Eurasischen Magazin uber seine Arbeit beim Aufspuren antiker Graffiti und uber deren Bedeutung fur die Nachwelt. Prof. Chaniotis ist geburtiger Grieche. Er leitet als Direktor das Seminar fur Alte Geschichte der Universität Heidelberg und ist auch deren Prorektor.

ANTIKE GRAFFITI

Schon vor Jahrtausenden haben Bewohner antiker Städte sich auf Mauern und Säulen mit ihren Botschaften verewigt. Besonders viele solcher Inschriften sind in der kleinasiatischen Stadt Aphrodisias erhalten. Sie geben Aufschluß uber das Mitteilungs- und Geltungsbedurfnis, uber die Gefuhle und Sorgen antiker Menschen, die von historischen Quellen meist unberucksichtigt bleiben.

EURASIEN HISTORISCH

Nach zweieinhalb Jahrtausenden kehren die Olympischen Spiele im August
2004 wieder nach Griechenland zuruck. Das EU-Mitglied ist heute nur
eine unauffällige Mittelmacht auf dem Balkan. Seine wahre Bedeutung
liegt in der Vergangenheit. Das antike griechische Erbe hat die abendländische
Welt entscheidend geprägt und alle Zeiten uberdauert.

EURASISCHE FRÜHZEIT
Den ältesten Zeugnissen in der Sprache der Völker sind die Namenforscher oder Onomastiker auf der Spur: Den Bezeichnungen von Flussen, Bächen und Landschaften. Sie sind älter als alles was Menschen jemals aufgeschrieben haben und verraten noch nach Jahrtausenden, wer wo gelebt und wie er gesprochen hat. Jurgen Udolph von der Universität Leipzig hat die einzige deutsche Professur fur Onomastik inne. Der folgende Text basiert auf seiner bislang unveröffentlichten Antritts-Vorlesung, die er im Jahr 2001 gehalten hat.

EURASIEN HISTORISCH
Sie waren ein Volk nomadischer Steppenreiter. Die Skythen selbst hinterließen
keinerlei schriftliche Aufzeichnungen, bildeten keine festgefugten Staatengebilde
und es gibt nur wenige Spuren von Siedlungen. Dennoch hat die Steppe vor allem
in jüngerer Zeit einige Geheimnisse uber sie preisgegeben.

EURASIEN HISTORISCH
Sie kamen vor tausend Jahren als Nomaden aus Mittelasien: Turkvölker drangen in die Gebiete des bruchig gewordenen byzantinischen Reiches vor. Ab dem 11. Jahrhundert eroberten sie den Orient. Im 15. Jahrhundert sind sie zur Großmacht aufgestiegen. Das erfolgreichste Geschlecht der Turken war das des Ahnherrn Osman, der dem Reich seinen Namen gab.

EURASIEN HISTORISCH
Sie schlugen die Brucke von der Antike zum Mittelalter – ihre Heerkönige besiegten die Römer und eroberten ganz West- und Mitteleuropa – mit Karl dem Großen stellten sie den ersten Kaiser Europas.

EURASIEN HISTORISCH
Indoeuropäische Stämme grundeten Jahrhunderte vor Beginn der
Zeitrechnung das erste Weltreich der Antike und gaben ihm den Namen „Eran-sahr“,
was soviel heißt wie „Land der Iranier“ oder „Land der
Arier“. In späterer Zeit, als der Stamm der „Parsen“
zur bestimmenden Macht wurde, nannten diese ihr Reich „Persien“.
Erst 1935 wurde von Schah Reza Pahlavi I. der Name Persien offiziell wieder
durch Iran abgelöst – damit nennt sich das Land am Persischen Golf
wieder nach seinen Vorfahren, die es einst besiedelten.

REPUBLIK MOLDAU

Am 27. August wird der moldauische Präsident Vladimir Voronin in Kishinev zum zwölften Mal die Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstags der Republik Moldau (im folgenden gemäß dem offiziellen Sprachgebrauch Moldova genannt) eröffnen. Glückwunschschreiben sind jedoch weder von Seiten der westeuropäischen Staaten, noch von den unmittelbaren Nachbarn der kleinen Republik, wie Rumänien oder der Ukraine zu erwarten.

EURASIEN HISTORISCH
Ihr Zug von Skandinavien nach Süden löste die Völkerwanderung aus – sie gründeten Reiche, eroberten Italien und plünderten Rom – geblieben sind ein paar unzeitgemäße Gedichte und ein Mythos.
Ein Essay uber die Ausbildung des europäischen Selbstverständnisses
seit der Antike, das Verhältnis zwischen West- und Osteuropa und das wiedervereinigte
Europa, das zum Hoffnungsträger fur eine zivile Weltordnung avancierte

EURASIEN HISTORISCH
Steppenreiter schufen das erste eurasische Imperium – zur Zeit seiner größten Ausdehnung erstreckte es sich von China bis nach Schlesien und vor die Tore Wien

EURASIEN HISTORISCH
Das Bergvolk zwischen Mesopotamien und Kleinasien drohte oft in seiner Geschichte in Vergessenheit zu geraten – wenn es ins Rampenlicht trat, lag stets Unheil über dem eurasischen Kontinent – und das ist auch jetzt so, im Zeichen des bevorstehenden Irakkrieges

EURASIEN HISTORISCH
Sie forderten das Abendland heraus und bereicherten es – 800 Jahre herrschte die muslimisch-maurische Kultur in Spanien – sein Gesicht wird davon bis heute geprägt

EURASIEN HISTORISCH
Sie schrieben 400 Jahre Geschichte in Europa und Asien
– und ganz nebenbei entdeckten sie auch noch Amerika.
Ihr Aktionsradius reichte vom heutigen New York über Bagdad bis China, von Grönland bis Nordafrika und von der Küste der iberischen Estremadura bis zur Wolga.

EURASISCHE FRÜHZEIT
Seit dem 18. Februar, dem Todestag der letzten ihres Geschlechtes, ist in den Frankfurter Reiss-Engelhorn-Museen die Ausstellung „Medici - Menschen, Macht und Leidenschaft“ zu sehen. Darin werden die über 350 Jahre dauernde Herrschaft der Dynastie und ihr Einfluss lebendig. Unvorstellbarer Reichtum, einmalige Kunstschätze und skrupellose Machtgier, die auch vor Verbrechen nicht zurückschreckte, haben dieses Geschlecht geformt und unsterblich gemacht.
Nachbarvölker erlebten die Kelten als geschäftstüchtige Händler und Kunsthandwerker. Aber wenn Feindschaft mit ihnen herrschte, waren sie als Krieger immens gefürchtet. Die Kelten sind geheimnisumwittert wie kaum ein anderes europäisches Volk. Ihren Priestern und Druiden wurden Weisheit und magische Fähigkeiten zugesprochen.
Stalin und der Stalinismus ist ein ewiges Leit- und Leidthema der russischen Geschichte, aber keineswegs nur dieser. Der Berliner Russlandhistoriker Jörg Baberowski hat in der Vergangenheit mehrfach zum Thema Stalinismus publiziert.
Die Geschichte von den neuen Menschen, die vor 50.000 Jahren begannen die Welt zu verändern, zu besiedeln und die den Grundstein für unsere Kultur legten.
Wie kommt ein in Inhalt, Sprache, Stil und Dramaturgie ausnehmendes Buch zu einem so dämlichen Titel, der in keinem Zusammenhang zu seinen Aussagen steht? Das etwa war mein erster Gedanke bei der Lektüre, den ich aber bald korrigierte: Der Titel hat sehr wohl engsten Konnex zum Inhalt – er ist dessen kürzeste Kurzfassung!
Attilas unglückliche Liebe. Ein neu entdecktes Epos aus dem Sagenkreis der Nibelungen wirft Fragen über unsere Geschichte auf .
Neue Funde und moderne archäologische Untersuchungsmethoden stellt das großzügig bebilderte Jahrbuch vor. Es enthält 66 Beiträge aus allen Bereichen der Landesarchäologie und zeigt wieder einmal die reichhaltige Kultur der frühen Besiedlung des Landes.
Im Karpatenbogen vermischen sich seit Jahrhunderten rumänische, deutsche und ungarische Traditionen, was sich in der Fülle von pittoresken Städten und Dörfern zeigt. Vor allem die unzähligen Kirchenburgen und Burgruinen Siebenbürgens haben sich zu Touristenmagneten entwickelt.
In den letzten Jahren sind auf dem Buchmarkt eine Reihe von Monografien erschienen, die einen populären Ein- und Überblick in die Geschichte Sibiriens geben, so u.a. von Sabine Gladkov (Pustet Verlag 2003) und Gudrun Ziegler („Der achte Kontinent: Die Eroberung Sibiriens”, Ullstein Verlag 2005). Diese vermochten allerdings nicht zu überzeugen. Mit dem vorliegenden Buch von Dittmar Dahlmann sieht das anders aus.
Das Standardwerk über die Kelten ist in der Neuauflage um die Hälfte erweitert. Bisher auf Mitteleuropa beschränkt umfasst es nun die ganze Welt dieser sagenumwobenen Stämme bis zu den sanften Hügeln Irlands. Wie sie lebten, was sie glaubten, wie sie kämpften und untergingen.
Es geht Wolfgang Leonhard nicht darum, eine neue Stalin-Biografie auf den Markt zu werfen, vielmehr darum, das Wesen der Herrschaft des Stalinismus zu veranschaulichen.
Vom Atlantik bis zum Kaukasus, vom regnerischen Britannien bis in die flirrende Wüstenhitze Afrikas: römische Straßen führten in jede Provinz des Reichs. Über dieses riesige Wegenetz kontrollierten die Kaiser ihr Imperium. Über imposante, heute noch erhaltene Brücken, durch Tunnel, vorbei an quirligen Kneipen und protzigen Grabmälern. Roms Soldaten marschierten im Eiltempo bis in die entlegensten Winkel des Reichs. Dafür wurde ein Fernstraßennetz in gigantischen Ausmaßen geschaffen.
Er schrieb, wo immer er sich auch befand. Im Kaukasus, in Paris, in den Stahlgewittern der Front und dort, wo jeder Heroismus vergeht: in der tiefsten Scheiße, die niemand so total erlebt, wie Soldaten. Blut, Exkremente, Gedärme, Hirn, aufgerissene Bäuche, gebrochene Augen und zerborstene Knochen. In der Beziehung hat sich in den 90 Jahren, die seit dem I. Weltkrieg vergangen sind, wenig geändert. Noch immer zerfetzen Granaten Menschen. In Afghanistan, im Irak, im Kaukasus. Aber authentischer beschrieben hat es noch keiner als der junge deutsche Offizier Ernst Jünger.
Reiseführer über Rom gibt es wie Steine an der Via Appia. Eine „Zeitreise in die Antike“ bietet kaum einer. Wer nach Sehenswürdigkeiten aus der alten Zeit sucht, wird oft mit oberflächlichen Bemerkungen gelangweilt. Die antike Metropole erschließt sich dadurch aber nicht.
„Ich bin auf Reisen immer wieder gerne in keltische Länder wie Irland oder Schottland gefahren“, sagt Rüdiger Sünner im Eingangstext zu seiner dem Buch beiliegenden DVD. Dort hätte ihn nicht nur die Landschaft angezogen, sondern auch das unverkrampfte Verhältnis der Menschen zu ihren Mythen, Sagen und Kultstätten. Sünner analysiert, wovon die Verkrampfung gegenüber den Mythen in germanischen Ländern herrührt. Er kommt zu dem Ergebnis: „Vom Missbrauch in Nationalsozialismus und rechter Esoterik“.
Es war eine kalte Welt in der sich gewaltige Gletscher bildeten von denen Reste noch heute zu sehen sind. Fellbekleidete Jäger jagten in den Weiten windgepeitschter Steppen das mächtige Mammut. Und in den Höhlen entstand Kultur.
Alexander der Große errichtete in kürzester Zeit ein Reich von unvorstellbaren Dimensionen: Von Griechenland bis an den Persischen Golf, von Nordafrika bis nach Indien reichte die Macht des wohl berühmtesten Feldherrn der Geschichte.
Die Länder der „zweiten Welt“ bilden jenen Schauplatz, auf dem Imperien über die Weltordnung der Zukunft entscheiden werden. Gleichzeitig seien es die nervösen „Wechselstaaten“ an der Schwelle von der dritter zur ersten Welt, die bestimmen würden, wie sich das Machtgleichgewicht zwischen den drei größten Imperien – den USA, der Europäischen Union und China – im 21. Jahrhundert gestaltet.
Die Jahre 1848/49 sind für uns Mittel- und Westeuropäer keine Unbekannte. Während sich hier die Monarchen mit dem aufstrebendem Bürgertum, den entflammenden Freiheitsgedanken und somit den Aufständen auseinander setzten mussten, strebte das Zarenreich Russland auf, die Steppengebiete der turanischen Niederung unter sein Joch zu bannen.
Spanisch-Deutsch fürs Kinderzimmer – eine wunderschöne Märchen-Sammlung von der iberischen Halbinsel und dem spanischsprechenden Lateinamerika. Die Lust an der Sprache wird durch Spannung, durch Illustrationen und die kindgerechte Auswahl geweckt.
Ein Stoff zum Schwärmen, handelnd von Liebe, Treue, List, Macht und Reichtum, von blutigem Tod und gleißendem Gold. Die Leidenschaft im Kampf um Troja und die Verklärung dieser Geschichte hat ganze Generationen von Historikern, Geschichtslehrern und Schülern verzückt. Hunderte von Büchern sind darüber geschrieben worden. Schliemann hat das antike Troja mit seinen sagenhaften Goldschätzen ausgegraben. Aber gab es den Trojanischen Krieg um die schöne Helena wirklich und hat das berühmte hölzerne Pferd den Ausschlag gegeben? Es ist lohnend, sich von Barry Strauss durch die bronzezeitlichen Ereignisse führen zu lassen, die dem griechischen Dichter Homer zufolge vor über 3.000 Jahren an den berühmt-berüchtigten Dardanellen stattgefunden haben, an der innereurasischen Grenze zwischen dem Marmarameer und der Ägäis.
Eine Retrospektive zum Schaffen des russischen Fotografen Jewgeni Chaldej
Eurasien entwickelt sich, wenn auch nicht so, wie sich das die Theoretiker diverser eurasischer Vorstellungen in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgestellt hatten. Während ihre Denkgebäude in Büchern wie dem von Stefan Wiederkehr noch einmal aufleben, entstehen weitgehend pragmatische eurasische Strukturen in der praktischen Politik von Ländern wie Russland, Kasachstan, China und Indien.
„Töchter des griechischen Kriegsgottes Ares“ werden sie genannt: die Amazonen. Es sind legendäre Gestalten wie Penthesilea und Tomyris, heldenhafte Kämpferinnen, die sich auch gegen männliche Krieger behaupten konnten. Von der Archäologie wurde ihre Existenz bislang nicht bestätigt. Aber der Mythos lebt, wie Fornasier in dem prachtvoll aufgemachten Bildband aufzeigen kann.
Gilgamesch ist König von Uruk. Gemeinsam mit seinem Freund Enkidu besteht er gefährliche Abenteuer. Nach Enkidus plötzlichem Tod zutiefst erschüttert, begibt er sich auf eine weite Reise. Doch während seiner Suche nach ewigem Leben erhält er immer wieder dieselbe Antwort: „Das Leben, das du suchst, wirst du nicht finden. Als die Götter den Menschen erschufen, bestimmten sie für ihn auch den Tod.“
In Russland wird gegenwärtig vieles wiederentdeckt, was mit der Sowjetunion untergegangen schien. Russlands Präsident Putin lässt die Hymne spielen, die schon unter Stalin den Ruhm der Sowjetunion besang. Im russischen Fernsehen läuft gar eine Seifenoper in 40 Folgen, die den Diktator als gütigen und weisen Vater des Sowjetvolkes zeichnet und zum Heilsbringer stilisiert. Da mit der „Archivrevolution“ in Russland viele bislang unbekannte Dokumente über Stalins Wesen und Wirken ans Tageslicht kommen, bleibt es nicht aus, dass nun auch die Frage aufgeworfen wird, was es Neues gibt über Stalin und die Deutschen.
Gründlicher und umfassender wurde über Eurasien noch nie berichtet – jedenfalls was den östlichen Teil betrifft, das Gebiet zwischen Ural und Pazifik. Hermann Parzinger, der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) hat akribisch auf über 1000 Seiten die frühe Siedlungsgeschichte dieses riesigen Raumes dargestellt.
Fünf Geschwister werden zur Zeit der russischen Oktoberrevolution zu Vollwaisen. Um im neuen Regime unter den Kommunisten nicht getrennt zu werden, fassen sie einen abenteuerlichen Plan und fliehen aus ihrem warmen Zuhause hinaus in das große, unsichere und gefährliche Russland.
Russlanddeutsche polarisieren. Sie gelten als besonders kriminell und schwer integrierbar. Das Buch von Sabine Ibsen-Peitzmeier und Markus Kaiser beleuchtet die Hintergründe und die Probleme, die einheimische Deutsche und Spätaussiedler miteinander haben.
Das Buch von Dr. Klaus Schmidt ist der sensationelle Forschungsbericht über eines der größten Menschheitsrätsel. Der Autor schildert in packenden Worten und Bildern das riesige Bergheiligtum eiszeitlicher Jäger auf dem Göbekli Tepe in Anatolien. Bei dem, was er gefunden hat, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Darstellung der ersten Götter der Menschheitsgeschichte. Und der Autor selbst, Prähistoriker vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI), ist von Ehrfurcht, Erstaunen und Respekt erfüllt, wie er bekennt.
Die dramatische Geschichte des Verkaufs von Russisch Alaska an die Vereinigten Staaten von Amerika. Das erste Buch das dazu in deutscher Sprache erschienen ist, wartet mit einer Reihe neuer Dokumente und Erkenntnisse auf und kommt zu dem Schluß: es war eine Schmieren-Affäre.
Was hat uns geprägt – uns Europäer und unsere Sicht der Welt? Dieser Frage widmet sich eine Buchreihe mit dem Titel „Mythen Europas“. Sie beginnt mit dem Band zur Antike und wird mit weiteren sechs Bänden zu den folgenden Epochen bis zur Neuzeit fortgesetzt. Es geht darum, welche „Schlüsselfiguren“ der einzelnen Epochen, welche Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen verkörpern und was an den uralten Mythen, die sich um sie ranken, bis heute fasziniert.
National Geographic, Hamburg 2002, 304 Seiten, Bild-/Textband, Format 23 x
31cm, 200 Farbfotos, 30 Karten, 49,00 Euro, ISBN 3-934-38585-0.