Themen: Kaukasus
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Der Kernthese des Buches, dass von einer wirklichen Konfrontation der Großmächte USA und Russland im Kaukasus keine Rede sein könne, muss mit aller Vehemenz widersprochen werden. Dennoch kann das von Marie-Carin von Gumppenberg und Udo Steinbach herausgegebene Buch als eine gute Überblicksdarstellung empfohlen werden, die ein kaleidoskopartiges Bild vom „Pulverfass“ Kaukasus und seiner kulturellen Vielfalt liefert.
Es ist in den Medien und geopolitischen Studien zum guten Ton geworden, die Geschehnisse in Georgien nach dem Motiv des „Kaukasischen Kreidekreises" zu interpretieren. Dargestellt als Fabel eines Ringens der Machtzentren Russlands und der USA um den Transformationsstaat Georgien. Und dies mit vermeintlich klarer Rollenbesetzung und geschickt eingesetztem Verfremdungseffekt. Das mag zwar die auf der moralischen Präsupposition von Beobachtern und Richtern basierende ethische Urteilsbildung vereinfachen. Dennoch übersieht man bei dieser Perspektivierung, dass Georgien in der kaukasischen Aufführung ein selbständiger Akteur mit einer entsprechenden Rollenverteilung ist.
Mit diesem weltweit ersten Bildband über die Kinder der geschundenen russischen Republik Tschetschenien haben die Autoren ein einzigartiges Dokument vorgelegt. Es zeigt das Schicksal einer Kindheit, die das Grauen des Krieges zurückgelassen hat.
Beslan wird auf lange Zeit der Inbegriff eines barbarischen Terroraktes sein – zumindest in Rußland und den anderen Kaukasus-Staaten. Damit das massenhafte Sterben vom vergangenen Herbst auch hierzulande nicht in Vergessenheit gerät, hat Andrea Strunk ein Buch über die Toten und die Überlebenden von Beslan vorgelegt.
Dieses Buch stellt uralte Mythen vor, die im Kaukasus über Jahrtausende gesungen und weitererzählt wurden. An vielen Stellen wird man an altnordische oder griechische, an persische oder indische Sagen erinnert. Das kaukasische Epos, das auf skythische Götter und auf die Stämme der Alanen zurückgehen soll, ist ein erstaunliches Zeugnis für indoeuropäische Verwandtschaften in der Sagenwelt. Und es ist das Vermächtnis des kleinen ossetischen Volkes, in dessen Gedächtnis es die Zeiten überdauert hat.
Berlin, 2002, 318 Seiten, Rowohlt Verlag, 19,90 Euro, ISBN 3-871-34456-7
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