
MINDERHEITEN

Europas älteste Minderheiten-Organisation tagte in Moskau. Vom 16. Bis 20. Mai wurde in Moskau der 57. Kongress der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) abgehalten. Zum ersten Mal in den über 60 Jahren des Bestehens dieses bedeutendsten Selbstvertretungsorgans der ethnischen Minderheiten Europas fand die Veranstaltung in der Russländischen Föderation statt.

EURASISCHE SPRICHWÖRTER
Moment mal! Heißt es nicht „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“? Heißt es auch, im Deutschen zumindest. Doch was im Deutschen der Spatz bzw. die Taube ist, sind im Russischen Meise und Kranich. Willkommen in der faszinierenden Welt der Sprichwörter und ihrer eurasischen Ausprägungen.

EU-MINDERHEITENSPRACHEN
In der Europäischen Union gibt es 60 Regional- und Minderheitensprachgemeinschaften, zu denen etwa 40 Millionen Menschen gehören. Artikel 22 der Europäischen Grundrechtecharta legt fest, dass „die Union kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt respektiert.“ Genau das macht das Wesen der EU aus. Sie ist eben kein „Schmelztiegel“, in dem Unterschiede verwischen, sondern eine Gemeinschaft, in der Vielfalt Trumpf ist. Jetzt hat die EU-Kommission ein Projekt zu den Minderheitensprachen gestartet.

ASTRONOMIE UND SPRACHE

Sie gilt als die erste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte und wurde 1999 im Herzen Europas gefunden: Die Scheibe von Nebra. Unbekannte Künstler haben sie vor ca. 3600 Jahren geschaffen. Sie zeigt erstaunlich präzise den Kosmos, so wie er sich auch heute noch darstellt. Über die Volkszugehörigkeit der Menschen, aus deren Mitte das wertvolle Fundstück stammt, herrscht noch Unklarheit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat man fast alles, was in Europa an Altertümlichem gefunden wurde, den Kelten zugeschrieben. Die keltische Welle hat schließlich auch die Sprachwissenschaft und die Namenkunde erfasst. Das hat dann dazu geführt, dass man sogar im Baltikum keltische Namen zu finden glaubte. Aber welcher Sprache bedienten sich die Astronomen von Nebra?

KULTUR

In den deutsch-russischen Kindergärten des Vereins Mitra werden nicht nur zwei Sprachen gesprochen, sondern zwei Kulturen gelebt.

TÜRKEI

Während es hierzulande trotz einer großen türkischen Minderheit kaum Türkisch-Unterricht in Schulen gibt, reicht umgekehrt in der Türkei die Tradition deutscher Schulen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Jedes Jahr bewerben sich beispielsweise 1000 Schüler für die Aufnahme am Istanbul Lisesi, einer Schule, an der 35 deutsche Lehrer unterrichten. Nur 180 Schüler können aufgenommen werden. Die deutsche Schule ist beliebt als Kaderschmiede für die Elite des Landes.

KASACHSTAN

16 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion und der Gründung der Republik Kasachstan gerät die russischsprachige Bevölkerung im wirtschaftlich erfolgreichsten Land Zentralasiens unter Druck. Zwar ist das Land laut Präsident Nursultan Nasarbajew ein „Vielvölkerstaat“. Doch nationalistische Tendenzen und eine Überbetonung der kasachischen Traditionen nehmen zu.

EURASISCHE LEBENSWEISHEITEN
Es ist ein Phänomen – nicht leicht erklärbar: Russen und Deutsche zitieren zu Hunderten die gleichen Sprichwörter. Dass man sich nicht selbst den Ast absägen sollte, auf dem man sitzt, ist Russen und Deutschen gleichermaßen einsichtig. Und „einen zur Brust nehmen“ kennen beide Völker recht gut. Ebenso, dass man die Beine in die Hand nimmt, wenn es eilt. Leben und leben lassen, Luftschlösser bauen, jemand den Kopf waschen, gegen den Strom schwimmen oder alle Brücken hinter sich abbrechen – auch das sind Russen und Deutschen sehr geläufige Wendungen. Allerdings gibt es auch Unterschiede: Schwein haben oder bei Wasser und Brot sitzen werden in beiden Sprachen anders gedeutet. Tatjana Balzer hat über 600 Redensarten aus Russland und Deutschland gesammelt. Jetzt sucht sie einen Verlag, der ihren Schatz hebt, und die Sammlung veröffentlicht.

POLEN

Die polnische Gemeinde Radlów, Wojewodschaft Opole (Oppeln) im Süden Polens, hat als erste im Land entschieden, neben polnischen auch deutsche Ortschilder aufstellen zu wollen. Die Mehrheit der knapp 5000 Einwohner zählenden Gemeinde stimmte dafür, dass Radlów künftig auch Radlau heißen soll. Entsprechendes gilt auch für acht andere Dörfer der Gemeinde. Auch das polnische Innenministerium hat den Antrag positiv beschieden. In Radlau wartet man jetzt auf entsprechende Staatsgelder.

SLOWENIEN
Die Verwendung einer englischen Überschrift könnte dem Chefredakteur der slowenischen Zeitschrift „Finance“ bis zu 30 Tage Haft einbringen. Denn das kleine Slowenien verteidigt seine Sprache gegen die Globalisierungfolge „Anglizismen“ ganz konsequent. Slowenien hat seit drei Jahren eines der strengsten Sprachgesetze Europas und wacht mit Argusaugen darüber. Für ausländische Firmen wie „Apple“ könnte das kuriose Konsequenzen haben. Auch in Deutschland träumt man von strengeren Sprachregeln.

OFFENER BRIEF II

OFFENER BRIEF I

SPRACHEN
Mit Rumänien und Bulgarien kommen zwei Balkanländer in die EU, die auch eine Erweiterung des Sprachraums der Union darstellen. Die kyrillische Schrift hält Einzug in die Brüsseler Bürokratie und die Brüsseler Politik. Zeit, sich mit dem Serbischen, dem Bulgarischen, dem Rumänischen, dem Makedonischen, dem Slowenischen und dem Kroatischen – falls es das gibt - endlich einmal näher zu befassen.

LENIN LEBT
Nach der Oktoberrevolution 1917 entwickelten die Kommunisten in Rußland eine besondere Vorliebe für Abkürzungen. Nicht nur Begriffe wie „Proletarische Kultur“ oder „Maschinen-Traktoren-Station“ kürzte man auf wenige Lettern zusammen. Einige Revolutionäre brachten ihren Enthusiasmus gar zum Ausdruck, indem sie in die Namen ihrer Kinder kommunistische Parolen oder die Initialen von Revolutionsführer Lenin einarbeiteten: Winun etwa steht für „Wladimir Ilijitsch stirbt nie!“. Wolf Oschlies über Wesen und Wirken der (un)heimlichen Surrealität russischer Vornamen.

CHINESISCHE KULTUR

Durch das System der chinesischen Schriftzeichen wird das Denken der Chinesen in einzigartiger Weise geformt. Es erfolgt quasi in Modulen. Dadurch entsteht nicht nur eine arbeitsteilige Kunst, die Sensationen wie die kaiserlichen Terrakottaarmee hervorgebracht hat. Auch die Produktionsverfahren im Reich der Mitte sind dadurch beeinflußt und beziehen eine gewisse Überlegenheit daraus. Diese Zusammenhänge deckt Balzan-Preisträger 2005, Professor Lothar Ledderose, im Interview mit dem Eurasischen Magazin auf.

EURASISCHE URSPRACHEN
Die These der neuseeländischen Forscher Gray und Atkinson uber die Herkunft unserer Sprache ist unhaltbar. Das stellt Prof. Jurgen Udolph klar. Der Onomastiker (Namenforscher) der Universität Leipzig ist der einzige Professor auf diesem Fachgebiet in Deutschland. Anhand der Verbreitung uralter Orts- und Gewässernamen hat er außerdem herausgefunden, daß die Germanen nicht aus Skandinavien kamen und die Ausbreitung der Kelten weithin uberschätzt wird.

EURASISCHE FRÜHZEIT
Den ältesten Zeugnissen in der Sprache der Völker sind die Namenforscher oder Onomastiker auf der Spur: Den Bezeichnungen von Flussen, Bächen und Landschaften. Sie sind älter als alles was Menschen jemals aufgeschrieben haben und verraten noch nach Jahrtausenden, wer wo gelebt und wie er gesprochen hat. Jurgen Udolph von der Universität Leipzig hat die einzige deutsche Professur fur Onomastik inne. Der folgende Text basiert auf seiner bislang unveröffentlichten Antritts-Vorlesung, die er im Jahr 2001 gehalten hat.
Ein Kommentar zur Behauptung von Russell Gray und Quentin Atkinson, die Verbreitung
der indogermanischen Sprachen habe im Zeitraum zwischen 5800 und 7800 vor Christus
in anatolischen Bauerndörfern ihren Anfang genommen. Zu den indogermanischen
Sprachen gehören fast alle Sprachen des modernen Europas sowie viele asiatische
Sprachen zwischen der Turkei und Indien.

LAUTE AUS EURASIENS FRÜHZEIT
Die wichtigsten Ergebnisse aus dem monumentalen
Werk des Munchner
Finnougristen Hartmut Katz – vorgestellt von Peter-Arnold Mumm.

DEUTSCHER FUßBALL-BUND
Die herbe Kritik an dem mit unverständlichen Anglizismen vollgestopften Texten des DFB-Fanartikel-Katalogs 02/03 hat Wirkung gezeigt. Präsident Mayer-Vorfelder hat einen mutigen Schritt getan und seine Werbestrategen dazu gebracht, den neuen „Fan-Corner 03/04“ wieder weitgehend in deutscher Sprache erscheinen zu lassen.
Wortschöpfungen wie Kiddy Jogger oder Reversible Top im „DFB-Fan-Corner“ haben den Verein Deutsche Sprache veranlaßt den DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder zum „Sprachpanscher 2003“ zu wählen.

GRAND PRIX D'EUROVISION DE LA CHANSON

Der seit 1956 ausgetragene Grand Prix d'Eurovision
de la Chanson ist konzipiert als ein europäischer Sängerwettstreit:
Die Länder Europas wählen einen Kunstler aus, der sie am Abend
des Wettbewerbs vertreten soll.

EURASISCHE URSPRACHE
Interview mit PD Dr. Peter-Arnold Mumm vom Zentrum fur historische Sprachwissenschaften
der Ludwig-Maximilians-Universität München uber nostratische
Forschungsansätze zur Entdeckung einer gemeinsamen Ursprache auf dem Kontinent
Eurasien.

EURASIEN HISTORISCH
Vom Alltag im „Glücklichen Arabien“ - Orientalisten der Uni Jena entziffern 600 in Holzstäbchen geritzte Texte
Offener Brief an Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zeigt Wirkung – wieder deutsche Bezeichnungen für Nationaltrikot und Kinder-Sportanzug?
Endlich weht ein neuer Wind im DFB. Die Gestaltung des Fanartikel-Kataloges „DFB Fan-Corner 02/03“ hat das Image des deutschen Fußballs einen großen Schritt in die richtige Richtung gebracht.
Schutzgesetze in Island, Frankreich und Polen – Sprachwirrwarr in Deutschland

LAUTE AUS DER FRÜHZEIT
Wissenschaftler glauben eine gemeinsame Ursprache des Kontinents entdeckt zu haben – zwischen Indien und Anatolien soll das „Boreische“ entstanden sein
Seit der Schließung der Prager Karls-Universität 1945 nimmt damit erstmals eine osteuropäische Hochschule den Lehrbetrieb in deutscher Sprache auf.
Deutsch, Ungarisch, Türkisch - viele Sprachen Europas und Asiens haben gemeinsame Wurzeln. Auf dem sich bevölkernden Großkontinent könnte es daher einst eine gemeinsame eurasische Ursprache gegeben haben.
Der Anglizismen-Index ist ein Verzeichnis von rund 7.300 englischen Wörtern und Wendungen, die in die deutsche Sprache eingedrungen sind. Dabei ist er jedoch weit mehr als ein reines Wörterbuch.
„Ach, es geschehen keine Wunder mehr!“ jammert Bertrand in Schillers „Die Jungfrau von Orleans“. Und doch ist hin und wieder eines zu vermelden: Im Suhrkamp Verlag sind über 300 Seiten fein säuberlich gelisteter polnischer Wunder erschienen, 130 an der Zahl. Wie kommen die Polen auf diese erstaunliche Mirakeldichte? Ist die Wundersammlung tatsächlich wasserdicht?
Vor 20 Jahren war Prof. Wolf Oschlies einer der beiden Autoren des ersten Makedonisch-Lehrbuchs, das außerhalb Jugoslawiens erschien – jetzt hat er in arbeitsreichem Alleingang das damalige Werk von Grund auf überarbeitet, aktualisiert und mit einer umfangreichen Einführung in Geschichte und Sprache der Makedonen versehen.
„Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft“ von Nabil Osman (Hrsg.), C.H. Beck Verlag, München, 6. Auflage 2002, 140 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 3-406-47584-1.
„Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ von Hans Peter Althaus, C.H. Beck Verlag München, 2003, 216 Seiten, 11,90 Euro, ISBN 3-406-49437-4.