04.09.2013

Ehemaliger Lagerkommandeur des kommunistischen Regimes in Rumänien des Genozids angeklagt

EM - Während in den USA und Europa Jagd auf NS-Verbrecher gemacht wird, um vor ihrem Aussterben noch die letzten zu erwischen, hört man kaum etwas, dass Ähnliches auch mit ehemaligen kommunistischen Funktionären, die ebenfalls immer älter werden, unternommen wird. Wie erst jetzt gemeldet wird, wurde der Kommandant eines kommunistischen Lagers des Genozids angeklagt. Am 3. September, also heute, hat die Staatsanwaltschaft gegen Alexandru Visinescu Anklage erhoben, der von 1956 bis 1963 das Ramnicu Sarat Gefängnis, das von Historikern als Todeslager klassifiziert wird, leitete, wo vorzugsweise Intellektuelle, Angehörige der alten Elite und der bürgerlichen Opposition inhaftiert wurden. Die Häftlinge erlitten nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter Visinescu schwerste Misshandlungen, Schläge, Schlafentzug, Isolationshaft, Hunger, Kälte und Krankheiten, die nicht behandelt wurden. Unter den Opfern befanden sich auch ein Diplomat und ein ehemaliger Parteiführer, der Vorsitzende der antikommunistischen Bauernpartei Ion Michalache.

Visinescu, der bereits 87 Jahre alt ist, erwartet im Falle eines Schuldspruchs lebenslange Haft, falls er nicht wegen seines hohen Alters begnadigt wird. Der letzte Rumäne, dem Genozid vorgeworfen wurde, war der ehemalige Diktator Nicolae Ceausescu, der 1989 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Laut Schätzungen der Medien und der Ermittlungsorgane wurden in der Ära des Kommunismus 617.000 politische Häftlinge in einer Art „Gulag“ inhaftiert, von denen 120.000 umkamen.


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