26.06.2014

Weltdrogentag: Die Volksdroge Alkohol bleibt das größte Rätsel

EM, 26.06.2014 - Heute ist Weltdrogentag. Er wird jedes Jahr am 26. Juni begangen. Zwar wird in den Medien und der Politik vor allem über die aktuell gefährlichste Droge „Crystal Meth“ diskutiert, aber nach Ansicht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) „werden die Gesundheitsrisiken und das Ausmaß der Probleme durch Alkohol und Tabak seit Jahrzehnten viel zu wenig wahrgenommen“. Sie seien die Spitzenreiter bei den gesundheitsgefährdenden Substanzen. Darauf weist die DHS deshalb am Vorabend des Weltdrogentags besonders hin.

Alkohol und Tabak sind legale Drogen, jeder kann sie am Kiosk oder im Laden kaufen. Es gibt mit den Gasthäusern eigene Drogenabgabestellen. Alkohol ist Bestandteil des täglichen Lebens. Seit Jahrtausenden hat sich eine Trinkkultur in den Ländern des Westens und des Nordens entwickelt. Das hat die Droge Alkohol den Designerdrogen voraus: Sie ist allgemein bekannt, und ihre Wirkungen sind mehr oder weniger kalkulierbar. Auch die gesundheitlichen Risiken.

Ganz Eurasien ist ein blaues Band

Nach den Forschungsergebnissen des Evolutionsbiologen Josef Helmut Reichholf ist der Mensch in der Steinzeit sesshaft geworden, als er begann Getreide für die Alkoholgewinnung, speziell das Bierbrauen, anzubauen. Auch andere Wissenschaftler, besonders in den USA, bestätigen diese Ergebnisse. Seither ist Alkohol quasi die legale Volksdroge. Das gilt, wie im Blog-Text beschrieben, im Prinzip für Eurasien und die gesamte nördliche Hemisphäre: „Seit der Steinzeit wird Vergorenes vor allem auf der nördlichen Halbkugel konsumiert. Ganz Eurasien ist ein blaues Band, und es zieht sich hinüber bis in den amerikanischen Kontinent. Dass sich in diesem Alkoholgürtel der Erde heute die wohlhabendsten Regionen befinden, grenzt an ein blaues Wunder und sollte längst wissenschaftlich untersucht werden. Wie passt das zusammen, dass ausgerechnet in jenen Ländern, in denen Alkohol in beachtlichem Umfang konsumiert wird, der Wohlstand und sogar die Lebenserwartung ihrer Bewohner besonders hoch sind?“

Leider gibt es noch immer keine Untersuchungen über die Bedeutung der Drogen aus der Steinzeit für die Menschheitsentwicklung. Die erste Zusammenfassung der Ausbreitung der Droge und ihres bakteriellen Hintergrunds findet sich im Kapitel „Das Ich der Droge“ im Buch „Neben Ich“.

Am Weltdrogentag wird zumindest dies deutlich: Der Umgang mit der Steinzeitdroge ist bis heute nicht wirklich gelungen. Die DHS erklärt angesichts gesundheitsgefährdender Besäufnisse unter Jugendlichen (Komasaufen): „Prävention und Jugendschutz bleiben halbherzige Feigenblätter. Es fehlen Werbeverbote für Alkohol- und Tabakprodukte, es mangelt an Abgaberegulierungen. Der Jugendschutz ist inkonsequent und kaum ernsthaft umgesetzt. Und auch die wirksamste Prävention wird bisher nicht genutzt: die Preisanhebung. Mit einer zweckgebundenen Abgabe auf reinen Alkohol und Tabak könnten verhaltenspräventive Maßnahmen für Jugendliche und Erwachsene finanziert werden.“

Weltalkoholtag gefordert

Zehntausend Jahre nach der Entdeckung des Alkohols als Droge und ihrem Konsum seit hunderten von Generationen wirken solche Erklärungen reichlich hilflos. Verbote sind nicht die Lösung. Vielleicht müsste eher der richtige Umgang mit der Droge Alkohol endlich gelehrt und gelernt werden. Die Droge ist allgegenwärtig vom Prosit auf das Neugeborene bis zum Leichenschmaus. Aber erforscht und in ihrer Bedeutung als Bestandteil des Lebens untersucht ist sie bis heute nicht.

Die DHS erklärt durch ihren Geschäftsführer Raphael Gaßmann, es fehle ein „Weltalkoholtag“. Das größte Drogenproblem unserer Breiten bekomme die geringste Aufmerksamkeit. Dem ist zuzustimmen. „Deutschland könnte hier als international führende Alkoholnation aktiv werden“, meint Gaßmann. Von den Milliarden aus der Getränkesteuer und den Gewinnen der Alkoholindustrie wäre tatsächlich eine gründliche Erforschung der Volksdroge locker zu bezahlen. Vor allem die Frage nach dem Warum – warum hat die Droge es geschafft Jahrtausende unser Leben mitzubestimmen und warum können wir nicht wirklich darauf verzichten? Leider ist nicht zu erwarten, dass dies geschieht. Die DHS rühmt sich zwar, sie sei bereits richtungweisend aktiv. Aber diese Aktivität bewegt sich im wahrsten Sinne des Wortes im Promillebereich. Gaßmann: „Seit 2007 organisiert sie alle zwei Jahre die ‚Aktionswoche Alkohol‘. Nächster Termin: 13. bis 21. Juni 2015.“ – Na dann.


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