01.08.2013

Stalin kehrt in seine Heimatstadt Gori in Georgien zurück

EM - Noch während des russisch-georgischen Fünf-Tage-Kriegs soll der georgische Gouverneur den russischen Truppen angeboten, gegen Zahlung von 50.000 Dollar das Stalin-Denkmal des Ortes aus purem Kupfer wegzuschaffen. Die Russen zeigten aber kein Interesse an dem 17 Meter hohen Monument.

Jahre später in einer Nacht-und Nebelaktion im Juni 2010 ließ der damalige Kulturminister Georgiens Nika Rurua das Stalin-Denkmal unter dem Protest der Bewohner abreißen. An dessen Stelle sollte ein Denkmal für die Opfer des Augustkrieges von 2008 entstehen.

Auch über die Zukunft des Stalin-Museums in Gori machte sich das Kulturministerium Gedanken, es sollte nicht mehr der Verherrlichung des sowjetischen Diktators dienen.

Inzwischen hat Georgien eine neue Regierung unter Führung des Premiers und Milliardärs Boris (Bidzina) Ivanishvili. In seinem Kabinett befindet sich ein gewitzten Kulturminister namens Guram Odisharia, der in Georgien und Abchasien als Schriftsteller und Patriot bei manchen hoch geschätzt wird.

Dieser besuchte vor wenigen Tagen am 18. Juli mit einer Gruppe Kunstschaffender die Stadt Gori und entschieden über das Staatliche Josef-Stalin-Museum, das als wichtiges Zeitzeugnis erhalten bleiben soll (http://www.culture.gov.ge/topicdetals-11.7648.html - Meldung auf der Seite des georg. Kulturministeriums).

Auch das abgerissene Stalin-Denkmal soll wieder an seinen ursprünglichen Ort gegenüber dem Rathaus zurückkehren, denn Stalin gehört zur Geschichte Georgiens, sagt der Minister!

Zugleich will der Minister damit dem Wunsch der Bewohner entsprechen, die dem „großen Führer“ ungeachtet seiner Untaten immer noch die Treue halten. Bis zum 21. Dezember (1878), dem offiziellen Geburtstag Stalins (und übrigens auch des Noch-Präsidenten Mikheil Saakaschwili) soll das Denkmal wieder stehen. (http://www.ekhokavkaza.com/archive/news/20130729/3235/2759.html?id=25060382
Stalin kehrt zurück nach Gori, Ekho Kavkaza, 29. Juli 2013 (russisch))

Am 5. März gedachten Fans in Russland, Georgien und sonst in der Welt Stalins 60. Todestag (1953-2013).

Jetzt raten Sie mal, welchen Ort Gori zur Patenstadt hat, natürlich Braunau am Inn. Beide Städte ringen auf unterschiedliche Weise mit dem schrecklichen Erbe zweier Diktatoren, die in ihren Mauern zur Welt gekommen sind.  (http://www.bbc.co.uk/news/magazine-21715398 Home towns struggle with legacy of Stalin and Hitler, by Bethany Bell, 10 March 2013).

Der dritte Schreckensort nach Braunau und Gori ist Predappio/Italien, wo Mussolini geboren wurde. Auf den Braunauer Zeitgeschchtstagen im September 2011 wurde die historische Belastung der drei Städte thematisiert. Der Bürgermeister von Predappio beklagte, dass seine Stadt zu einem Mussolini-Wallfahrtsort geworden sei, während der georgische Historiker Lasha Bakradze vom Stalinkult in Gori berichtete. Die drei Städte wollen versuchen, den Umgang mit der schwierigen Vergangenheit in einer „europäischen Vernetzung“ zu bewältigen. (http://www.kirchenzeitung.at/index.php?id=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=71198&cHash=333050dedcf0cbb928c078bc96ebdcd4 KirchenZeitung im Netz, Diözese Linz, 28.9.2011)

Das Stalin-Denkmal besteht aus Bronze, wurde 1952 - ein Jahr vor dem Tod des Diktators errichtet. Sie ist sechs Meter hoch und stand auf einem neun Meter hohen Sockel.
 
Das Kulturministerium versuchte den Plan der Wiedererrichtung des Stalin-Monuments herunterzuspielen. Der Vorschlag der Wiedererrichtung des Stalin-Denkmals sei von Bürgern der Stadt Gori ausgegangen. Die Anregung habe die Stadtverwaltung dann dem Kulturministerium zugeleitet, das dann am 17. Juli grünes Licht gegeben habe.

Man habe dann aber beschlossen, die Statue nicht wieder im Zentrum der Stadt aufzubauen, sondern im Hof des Stalin-Museum der Stadt. Auch Saakashvili hatte beim Abriss im Juni 2010 ursprünglich vorgehabt, die Statue als „Trophäe“ ins städtische Museum zu schaffen, doch dies ist dann doch nicht geschehen.

Unter den jetzigen Umständen bezeichnete Präsident Saakashvili das Vorhaben als „Akt der Barbarei“ und forderte den russlandfreundlichen Premier Ivanishvili auf, diese „alberne“ Entscheidung zu revidieren. Georgien habe nicht nur unter Stalins Herrschaft gelitten, sondern – die Stadt Gori eingenommen - erst kürzlich im August-Krieg 2008 unter den Bombardements russischer Truppen bombardiert. Saakashvili nahm dazu auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem konservativen Oppositionsführer und Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski, der sich zu Besuch in Georgien befindet und auch den inhaftierten georgischen Ex-Premier Vano Merabishvili aufgesucht hatte.  (http://www.civil.ge/eng/article.php?id=26319 Civil Georgia, 30. Juli 2013). Premier Ivanishvili will offenbar mit dieser Aktion ein Zeichen setzen. Ob er damit Präsident Putin beeindrucken kann, ist fraglich.


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