17.10.2015

Ölreiches Aserbaidschan startet zweiten Satelliten und baut Fahrräder

EM 17.10.2015 Für Aserbaidschans Präsidenten Ilham Alijew sind Satelliten und Fahrräder eine Prestigesache: sie sollen seinen Ruhm über seinem Land am Himmel und auf den Straße Bakus erstrahlen lassen.

Aserbaidschan produziert die Kommunikationssatelliten natürlich nicht selbst, sondern lässt sie von westlichen Firme herstellen und vom Raumzentrum Kourou in Französisch Guyana in den Weltraum schießen.

Nachdem schon vor einigen Jahren 2013 mit amerikanischer Hilfe über Teile Asiens und Afrikas ein aserbaidschanischer Satellit um die Erde kreist, folgt nun die Ausschreibung für einen zweiten Satelliten, genannt „AzerSpace-2“.

Die Bewerberliste umfasst zwei US-Firmen – „Orbital ATK“ in Dulles, Virginia und „Space System Loral“, Palo Alto, Kalifornien, dann die chinesische „Great Wall Industry Corporation“ und den europäischen (deutsch-französisch-britisch-spanischen) Mischkonzern „Airbus Defense and Space“. Laut Auskunft des aserbaidschanischen Kommunikationsminister Ali Abbasov wird der Gewinner schon bald bekanntgegeben. Die Herstellung soll 30 Monate in Anspruch nehmen. Mit dem Start des Satelliten wird aber erst 2017 oder 2018 gerechnet.

Trotz Vorbehalten gegenüber der innenpolitischen Repression in Aserbaidschan sehen die USA und die Europäische Union die Kooperation im Raumfahrtsektor als „strategische Investition“.

Präsident Ilham Aliyev stellte für die Entwicklung des ersten Satelliten 230 Millionen Dollar bereit. Den Start von „AzerSpace-1“ würdigte er als einen “Sieg” für sein Land und als Beweis für seine rasante Entwicklung unter seiner Führung! Immer noch vom Eurovision-Song Contest 2012 in Baku besessen oder etwa nach dem Vorbild des nordkoreanischen Diktators Kim Il-Sung (?) ließ der Präsident seinen Erfolg sogar mit einer Hymne besingen: „Mit Ilham marschieren wir einem helleren Morgen entgegen!“.

Nicht nur für prestigevolle Weltraumträume verwendet der Präsident seine Öleinnahmen, sondern auch für irdische Bedürfnisse seines Volkes: Bei einem Besuch der Ismailli-Region erklärte Präsident Alijew, sein Volk benötige dringend Fahrräder. In der bezeichneten Region im Norden Aserbaidschans - inmitten der Gebirgswelt des Großen Kaukasus – wird denn auch eine Fahrradfabrik gebaut, die jährlich 30.000 Fahrräder produzieren soll. Sie entsteht in Kooperation mit einem bulgarischen (!) Unternehmen. Nach europäischem Vorbild soll die Hauptstadt Baku auch gesonderte Fahrradwege erhalten. Es ist noch nicht bekannt, ob auch für die Fahrräder ein Loblied geschrieben wird, zum Beispiel: „Fahrt mit Ilham durch die Straßen Bakus!“.


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