22.11.2015

Franzose aus Kosaken-Adel wird ukrainischer Bürgermeister

EM, 22. November 2015 - Michelle Tereshchenko , französischer Nachkomme einer der reichsten Familien des Russischen Zarenreiches wurde in der Ukraine zum Bürgermeister der Stadt Hluchiw gewählt, der Heimat seiner Vorfahren: Kosaken, Ukrainer und Russen!

Tereshchenko, 61 Jahre, erhielt bei den Kommunalwahlen am 25. Oktober 2015 in Hluchiw, einer kleinen Stadt in Oblast Sumy im Nordosten der Ukraine, knapp 65 Prozent. Er wurde 1954 in Paris geboren, sein Vater war Chemiker und machte sein Glück als Industrieller und Mäzen in Frankreich. Michelle zog es als Wirtschaftsmanager in die USA, wo er sogar als Marineoffizier der U-Boot-Flotte diente. Nachdem er 1993 das Land seiner Vorfahren, die Ukraine, besucht hatte, kehrte er 2003 endgültig dorthin zurück und lebt seitdem abwechselnd in Kiew und Hluchiw.

Reich geworden mit der Verarbeitung von Zuckerrüben

Er ist Abkömmling der in Frankreich bekannten Tereshchenko-Dynastie von Industriellen und Philanthropen. Die Tereshchenkos, die mit der Verarbeitung von Zuckerrüben reich wurden, hatten im 19. Jahrhundert viel zum Glanz der Stadt Hluchiw beigetragen. So blieben sie den Bewohnern bis heute in guter Erinnerung.

Hluchiw war einst Zentrum der Saporoger Kosaken, von denen auch die Tereshchenkos abstammten. Michelles Großvater, der nach der Abdankung des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., im März 1917 zunächst Finanzminister und darauf Außenminister der Übergangsregierung war, galt als „liberal“. Nach der bolschewistischen Oktober-Revolution von 1917 floh seine Familie auf Umwegen nach Frankreich.

Wahre Ostgrenze Europas westlicher Zivilisation

Seine familiären Bindungen verhalfen ihm in der Stadt seiner Vorfahren zum Wahlerfolg. Beim Wahlkampf versprach er, auch in Hluchiw eine demokratische Regierung ohne Korruption einzuführen. „In Russland seien derartige Pläne gescheitert, in der Ukraine dagegen werden sie gelingen“, meinte Tereshchenko. Hier in seiner am Rande Russlands gelegenen Stadt wolle er die „wahre Ostgrenze Europas“ westlicher Zivilisation errichten.

Im März dieses Jahres machte er schon Schlagzeilen, als Präsident Petro Poroschenko ihm die ukrainische Staatsbürgerschaft verlieh. Poroschenko suchte damals fähige Experten aus dem Ausland, die sein Land voranbringen könnten. Bisher waren dafür vor allem der georgische Ex-Präsident Micheil Saakaschwili, jetzt Gouverneur von Odessa, und die aus den USA stammende ukrainische Finanzministerin Natalie Jaresko bekannt, nun kommt der aus Frankreich stammende Unternehmer Michelle Tereshchenko zur Liga der Berater aus dem Ausland hinzu. Eigentlich, so darf man vermuten, ist Hluchiw viel zu klein für diesen „Mann von Welt“, der daher möglicherweise zu Höherem bestimmt ist.


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