13.07.2016

Pariser Opernsänger stirbt in der Ostukraine

Im Kampf in der Ostukraine starb Ende Juni 2016 der Pariser Opernsänger Wassil Slypak. Slypak wurde 1974 in Lviv (Lemberg) in der Westukraine geboren, wo er das Konservatorium besuchte. Seit 19 Jahren lebte und wirkte er in Frankreich als Sänger der Pariser Oper.

Opernsänger und politischer Aktivist

Wassil Slypak machte zuvor als rühriger Aktivist der ukrainischen Diaspora in Frankreich von sich Reden. Während des politischen Umbruchs in der Ukraine unterstützte er die prowestliche Revolution des Euro-Maidan. Mit seiner Gruppe „Initiative Collectif Euromaidan Bordeaux“ verhinderte er die Aufführung des russischen Propagandafilms „Krim, die Rückkehr zum Mutterland“.

Als freiwilliger Kämpfer in der Ostukraine

Nach dem Ausbruch der Kämpfe im Donbass unterstützte Wassil Slypak von Frankreich aus als Sponsor der ukrainischen Bruderschaft „Fraternité Ukrainienne“ die ukrainischen Soldaten an der Front mit Hilfslieferungen. Im Juni 2015 gab er seine blendende Opernkarriere auf und meldete sich zum Kampf auf ukrainischer Seite gegen die prorussischen Separatisten. Als Soldat schloss er sich dem umstrittenen, nationalistischen Freiwilligenkorps des „Rechten Sektors“ an. Dabei führte er das Pseudonym „Mephos“, die Abkürzung für „Mephisto“, der Hauptfigur seiner Lieblingsoper „Faust“. Nach erhoffter Beendigung des Kriegs wollte er in Paris seine OpernKarriere fortsetzen.

In Kiew und Paris geehrt

Wassil Jaroslavovytsch Slypak starb am 29. Juni gegen sechs Uhr früh an der Front bei Donezk. Er wurde von einem Scharfschützen der Rebellen getroffen. In der Ukraine wird er inzwischen für seinen vorbildlichen Opfermut als nationaler Held verehrt. In Kiew und in Paris wird in Trauerveranstaltungen seiner gedacht. Posthum verlieh ihm der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko Slypak eine Tapferkeitsmedaille. Das sei zynisch meinte ein Kommentator - der berühmte Sänger sei der Ukraine als Toter wertvoller denn als Lebender.

Auf der Suche nach neuen Helden

Seit der „Entkommunisierungskampagne“ in der Ukraine, dem Sturz von Lenin-Denkmälern und der Beseitigung von Namen sowjet-kommunistischer Herkunft sucht Kiew nach neuen „Helden“: Man rechnet damit, dass schon bald Städte, Straßen und Plätze in der Ukraine nach ihm benannt und ihm würdige Monumente errichtet werden.


Ukraine

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