03.02.2015

Donezker Separatisten träumen von einer Allianz mit Texas

EM 02.02.2015 In einem Interview Ende Januar 2015 entwickelte der Außenminister der selbst proklamierten „Donezker Volksrepublik“ Alexander Igorjewitsch Kofman (38 Jahre, Bauingenieur aus Makejewka, Donezker Obast, Ukraine) sein Konzept einer Allianz der Separatisten mit Texas, neben dem von Russland zurückverlangten Alaska ein weiterer Separatistenstaat. In Texas gebe es eine vollwertige Sezessionsbewegung, die „Texas National Movement“ (TNM) gegen die Dominanz der USA, deren Aktivisten das Selbstbestimmungsrecht von „Neurussland“ voll unterstützen. Seine Donezker Republik im Zentrum der Ostukraine suche nicht nur die Anerkennung als Staat, sondern den vollen Zugang zur Weltbühne.

Donezker Volksrepublik allein kaum überlebensfähig

Jedoch ist der Zustand der Donezker Volksrepublik labil: Selbst Russland als Protektor Neurusslands habe das selbst ernannte Staatsgebilde in der Ostukraine noch nicht als vollwertigen Staat anerkannt. Ohne offizielle Anerkennung könne aber seine Republik, so Kofman, nur Kulturbeziehungen mit anderen Regionen unterhalten.

Ob die Donezker Republik überhaupt allein überleben kann, sei ungewiss. Immerhin verfüge sie über Kohlebergwerke und Stahlbetriebe, die aber überaltert und ineffizient sind. Die Banken haben geschlossen. Ganze Straßenzüge sowie der Donezker Flughafen sind zerstört. Zudem hat die Ukraine die Zahlung von Pensionen und Sozialleistungen gestoppt. Falls auch Russland seinen Marionetten die Unterstützung wieder entziehe, würden sie vermutlich wie eine Seifenblase zusammenbrechen.

Eine weltweite Allianz der Separatistenregionen

Seine Republik, so Kofman, unterhalte bereits Kontakte zu mindestens 18 Regionen, die nach Unabhängigkeit streben, darunter Texas, Alaska, Schottland, Flandern, Venedig, Böhmen, das Baskenland, Katalonien und die Serbische Republik in Bosnien. Hinzu kommen die „Bolivarische Allianz für die Völker Unser Amerika“ und die Sezessionsbewegung der Westsahara von Marokko. Zudem genießen diese Regionen Unterstützung durch „antiamerikanische“ Staaten wie Venezuela und Kuba sowie durch eine Reihe von Karibik- und Südseeinseln.

Eine Koalition der Separatistenregionen, so Kofman, stelle mit 10 Prozent der Landmasse, 15 Prozent der Bevölkerung und 7 Prozent des Bruttosozialprodukts eine Weltmacht mit erheblicher Wirtschaftskraft dar.

In diesem Jahr im Februar oder März will Kofman zu einer Weltkonferenz der Separatistenstaaten nach Donezk einladen, um eine „Liga der Neuen Staaten“ zu gründen. Eine „Konferenz der nicht anerkannten Staaten“ am Rande Russlands hat es bereits gegeben: da trafen sich Vertreter der Donezker und Lugansker Volksrepubliken, der Moldauischen Republik Transnistrien sowie der von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien, die vermutlich bald nicht mehr existieren und nach dem Vorbild der Krim von Russland annektiert werden. Immerhin hat Südossetien die Donezker Volksrepublik bereits anerkannt. Abchasien und Transnistrien folgten. Als Vorbild für den erfolgreichen Weg von Sezession zur Unabhängigkeit verweist Kofman auf Kosovo, das von 108 Staaten, aber noch nicht von Russland anerkannt wurde. Palästina könnte ein weiteres Erfolgsmodell werden.

Kontakte Donezk-Texas

Übrigens erste Kontakte zwischen Texas und der Donezker Republik hat es im Rahmen der Moskauer Konferenz der gegen die Vorherrschaft der USA gerichteten russischen Anti-Globalisierungsbewegung Mitte Dezember letzten Jahres gegeben. In einer Resolution forderte die Konferenz mit Hinweis auf die entsprechende UN-Charta das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker, auch der Bewohner der selbst ernannten Republiken. Ziel sei der Aufbau einer multipolaren Welt. Der Vertreter der texanischen Separatisten George Contreras erklärte in Moskau, er begrüße „jede Gelegenheit zu einem Dialog mit unseren globalen Partnern“.


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