04.05.2013

Gekaufte Doktortitel in Russland – Medwedjew greift ein

EM - In Russland wird um des begehrten Doktortitels so viel gefälscht, abgeschrieben und bestochen wie sonst nirgendwo. Politiker, Oligarchen und Mafiabosse - alle streben nach dem prestigeträchtigen Doktortitel. Hochschulen vergeben die Kandidaten- und Doktortitel häufig schlicht für Bares. Dem Sittenverfall und Niedergang der Wissenschaften an den Universitäten will Russlands Premierminister Dimitri Medwedjew nun durch drastische Maßnahmen ein Ende bereiten. Als erstes sollen die Attestierungskommissionen, die die Doktorarbeiten bestätigen, personell erneuert werden. Einer ihrer Leiter war jüngst ebenfalls beim Abschreiben erwischt worden.

Der prominenteste Fall eines Plagiats war der russische Präsident Vladimir Putin. In seiner Doktorarbeit hat man Passagen aus den Werken westlicher Ökonomen entdeckt. 1997 wurde Putin an der Bergbau-Hochschule St. Petersburg mit einer 218 Seiten langen Arbeit über das Thema der staatlichen Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen promoviert. Die Arbeit trug den umständlichen Titel "Strategie der Planung der Reproduktion der Mineral- und Nährstoffbasis der Region unter den Bedingungen der Formierung von Marktverhältnissen".

Premierminister Medwedjew erklärte jetzt, um Erfolge im Business und in der Politik zu erreichen, sei es nicht unbedingt erforderlich, eine Dissertation zu "verteidigen". Künftig sollen, so Medwedjew, alle Dissertationen zur öffentlichen Überprüfung ins Netz gestellt werden.


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