24.06.2013

Was Putin unserer Bundeskanzlerin schenkte

EM - In deutschen Medien, die sich begierig auf die deutsch-russischen Beutekunst-Querelen stürzten, ging eine bemerkenswerte Geste des in Schenkungen geübten russischen Präsidenten Wladimir Putin völlig unter. Zum Abschluss des Petersburger Wirtschaftsforums (20.-22. Juni 2013) überreichte er der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel eine wertvolle russische Lithographie, die nicht irgendwelchen Kunsträubern in die Hände gefallen war. Thema des Werkes waren - sogar passend zum Petersburger Forum - die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Vielleicht sollte das Geschenk ein Trostpflaster für den Ärger um die ungeregelte Frage der beiderseitigen Beutekunstansprüche sein.

Bei dem Werk handelte es sich um eine Ende des 19. Jahrhunderts gezeichnete lithographische Karikatur, mit der der Künstler den Ärger der „Feinde“ der deutsch-russische Annäherung im Handel ausdrückte. Das Bild stellt mehrere Personen dar, die mit großen Hämmern das Vertragsdokument zu zerschlagen versuchen. Ob Putin damit eigene Befürchtungen bezüglich der deutsch-russischen Handelsbeziehungen ausdrücken wollte?

Um dies zu verstehen, muss man in die Zeit nach dem Ende der glorreichen Bismarck-Ära und der kurzen Friedensphase vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zurückgehen. Nach langen schwierigen Verhandlungen kam endlich am 29. Januar 1894 der deutsch-russische Handelsvertrag zustande. Inhalt war die überfällige beiderseitige Senkung der Zölle. Das Abkommen war auf zehn Jahre geschlossen, danach kam es in Beziehungen zwischen Deutschland und Russland erneut zu Spannungen, in deren Folge bereits 1904 die Zölle wieder beträchtlich erhöht wurden.

Präsident Putin, der sich, wie seine kürzliche Episode mit dem amerikanischen Milliardär Robert Kraft zeigte (siehe unseren Ticker „Putin ein Dieb?“) schwer von Geschenken trennen kann, hielt laut Berichten das Bild vor den Presseleuten eine ganze Weile fest in beiden Händen, bevor er es der Bundeskanzlerin endgültig übergab. (Interfax, Vechernjaja Moskva = Moskauer Abendblatt und Baltinfo, 21.6.2013)

Eine Abbildung des Kunstwerks findet sich bei Kommersant, 22.6.2013 auf http://www.kommersant.ru/doc/2218302.


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