03.12.2015

Denkmal des Romanow-Enkels Konstantin in Odessa wird abgerissen

EM, 03.12.2015 - Wie erst jetzt festgestellt wurde, war Konstantin Romanow, Enkel der kaiserliche Familie der Romanows, die doch nach der Oktoberrevolution von 1917 von den Bolschewiki gestürzt und umgebracht wurde, angeblich selbst Bolschewik. Sein Denkmal steht bislang auf dem Gelände der Militärakademie in Odessa. Nicht nur das: er ist zudem seit 1999 Schutzpatron der Kadetten. Jetzt wird das Denkmal gestürzt.

Die Ukrainer haben diesen peinlichen Fakt erst jüngst entdeckt: General Konstantin Romanow (1858-1915) war demnach nicht nur der Enkel des Zaren Nikolaus I. und Generalinspekteur der Militärhochschulen, sondern auch ein Bolschewik.

Zarengeneral wird entkommunisiert

Gemäß dem Gesetz zur Beseitigung der Symbole des Kommunismus und der Sowjetära müssen alle Denkmäler aus der für die Ukraine besonders schweren Zeit demontiert werden, erläuterte der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak. Darunter fallen nicht nur alle Lenin-Statuen und Stalin-Büsten, sondern auch die Denkmäler verdienter Generäle, also auch die Bronzebüste des Zarenenkels.

Jetzt soll anstelle des kaiserlichen Generals ein Denkmal zu Ehren der „neuen Helden“, der - im Kampf um die Ostukraine - gefallenen Zöglinge der Militärakademie errichtet werden. Das Denkmal des Generals werde nicht zertrümmert, so Poltorak, sondern komme - wie alle Überbleibsel der Sowjetära - in einen Schuppen, auf dem Gelände der Akademie.

Seine Familie war Opfer von Revolutionären

Einige Historiker behaupten indes, der General habe überhaupt keine Beziehung zu den Bolschewiki gehabt und nicht einmal bis zur Revolution von 1917 gelebt. Er sei nämlich schon 1915 gestorben. Allenfalls seine deutschstämmige Gattin Alexandra von Sachsen-Altenburg war „revolutionär“ eingestellt, wenn sie ihren Schwager Kaiser Alexander II zu Reformen wie zur Aufhebung der Leibeigenschaft bedrängte, die im Jahre 1861 erfolgte. Der Kaiser starb 1881 an den Folgen eines von „Revolutionären“ verübten Attentats. Drei seiner Söhne seien 1918, ein Jahr nach der Revolution, von den Bolschewiki ermordet worden. Trotz der Einwände blieben die übereifrigen „Denkmal-Jäger“ hart: der General aus russischem Adel muss weg.


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