29.01.2014

Tadschiken haben Ärger mit ihren Namen

EM 29.01.2014 Nach der Unabhängigkeit suchten sich die Tadschiken von ihren russifizierten Namen mit den Endungen auf „ov“ zu entledigen. Sie galten als Überbleibsel einer Jahrhunderte währenden russischen bzw. sowjetischen Fremdherrschaft. Es dauerte nach der Wende über ein Jahrzehnt, bis Präsident Emomali Sharipovitsch Rahmonov mit „gutem Beispiel“ voranging und seinen Namen auf die einheimische Weise in Emomali Rahmon veränderte, also ohne die teils „verhassten“ Endungen „ov“, „ev“ und „ovitsch“. Zudem hatte er im Frühjahr 1997 eine Pilgerreise nach Mekka unternommen, unter deren Eindruck er die Rückkehr zur einheimischen Kultur und Zeichen der Verbunden¬heit mit den muslimischen Nationen, insbesondere mit den persischsprachigen Ländern Iran und Afghanistan propagierte. Per Gesetz verkündete er den Bann slavischer Namen und anderer aus der Sowjetära verbliebenen Gepflogenheiten an.

Aber schon nach der Wende gab es mehrere Wellen der Namensgebung und des Namenswechsels, dass man seinen Namen veränderte und Jugendlichen und Neugeborenen Namen der persischen Vorgeschichte Tadschikistans oder aktuelle muslimische Namen verpasste. Eine Zeitlang war es bei Jugendlichen Mode, wenigsten zusätzlich zur vorhandenen Benennung den Namen des Propheten „Mohammed“ zu führen.

Vor kurzem beklagte der taschikische Generalstaatsanwalt Sherkhon Salimzoda in der offiziellen Regierungszeitung „Cumhuriyet“ (Die Republik) in der Ausgabe vom 21. Januar 2014 den seit zwei Jahren zu verzeichnenden lockeren Umgang der Jugend in der Namensfrage, der nach seiner Ansicht von einem Mangel an Patriotismus zeuge. Umfragen an den drei größten Universitäten bestätigten den Trend, wo sich ergab, dass nur wenige Studenten eine Namensänderung zur tadschikischen Schreibweise beantragt hatten, während eine Mehrheit ihre Namen mit russischen Endungen weiter führte.

Bei der durch die Kritik des Generalstaatsanwalts ausgelösten Diskussion über die Namensfrage kam heraus, dass für viele junge Tadschiken die Wahl des Namens kein „Spiel“ ist, sondern durch die Umstände erzwungen sei. Die Rückkehr zur russischen Schreibweise soll Hunderttausenden von Studenten und Arbeitsmigranten, die in Russland auf Märkten, in Betrieben oder sonstwo den Lebensunterhalt ihrer Familien aufbessern, Ärger an der Grenze ersparen.

Außerdem sind Tadschiken und die Scharen von Saisonarbeitern aus Mittelasien und dem Kaukasus immer wieder der Diskriminierung und rassistischer Gewalt in Russland ausgesetzt, obwohl ihr russifizierter Name sie bei ihrem auffälligen Äußeren kaum davor schützt. Da gab es Fälle, dass Tadschiken, die im Pass nur zwei Namen, den Vornamen und Familiennamen aufwiesen, an der Grenze nach Russland zurückgewiesen wurden, da nach russischen Gepflogenheiten der Vatername auf „–ovitsch“ oder –ovna“ bei Frauen zur Identifikation fehlte. Allein am Beispiel des Präsidenten, der sich in der Sowjetära Emomali Sharipovitsch Rahmonov nannte und jetzt nur zwei Namen, nämlich Emomali Rahmon ohne ov und Vaternamen führt, wird das Problem deutlich...arme Tadschiken!


TadschikistanZentralasien

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