22.07.2015

Wie die Russen den Westen im Kaukasus matt setzen

EM, 22.07.2015 - Russische Truppen verschoben am 10. Juli 2015 die Grenzverhaue von Südossetien, das unter russischer Kontrolle steht, um eine halbe Meile auf georgisches Gebiet. Damit nahmen sie nicht nur den Bauern in zwei georgischen Grenzdörfern Ackerland ab, sondern rückten ganz nahe an die strategische Ost-West-Fernstraße durch den Kaukasus und an die Öl-Pipeline heran, die von Aserbaidschans Hauptstadt Baku zum georgischen Schwarzmeerhafen Supsa führt. Die Russen können an dem kleinen Teilstück den Verkehr überwachen und jederzeit die nach Europa führende Fernstraße sowie die Pipeline, die unter Umgehung Russlands Europa versorgen sollte, blockieren. Außerdem nehmen sie Tiflis die Kontrolle über die Transportwege und können mit einer Blockade Georgien sogar in zwei Hälften teilen.

Politik der Nadelstiche gegen Georgiens Westkurs

Nach dem Desaster des Augustkrieges von 2008 muss das militärisch und politisch geschwächte Georgien auch in Zukunft mit feindseligen Aktionen Russlands rechnen. Wann immer dem Kreml Georgiens politisches Verhalten missfällt, könnte es das kleine Kaukasusland so zur Ordnung rufen. Russland nahm nicht nur Anstoß an der jüngsten NATO-Übung „Agile Spirit 2015“, sondern es will um jeden Preis eine NATO-Mitgliedschaft Georgiens verhindern. Die NATO-Übung ist auch kaum geeignet, Georgiens Verteidigungsbereitschaft gegen russische Attacken zu stärken, sondern dient der Vorbereitung für Friedensmissionen. Der Westen nimmt gerne hin, dass das zur Selbstverteidigung kaum fähige Georgien den größten Beitrag eines Nicht-NATO-Landes im Ausland, in Afghanistan, leistet. worldbulletin , 08.07.2015.

Georgien wie auch seine Partner USA und EU sind machtlos

Zudem ist Georgien zu schwach, um weitere Annexionen Russlands zu verhindern. Trotz inzwischen nachlassenden Bekenntnisse zur EU und zur NATO kann Georgien gerade von diesen Bündnissen nicht auf militärische Hilfe rechnen. Ermahnungen der EU zur Zurückhaltung der Konfliktparteien können das auf Revanche und Expansion zielende Russland kaum abschrecken. Auch die USA werden wegen des kleinen Georgiens kaum einen Konflikt mit Russland riskieren. Schon während des Augustkriegs haben die Amerikaner Georgien im Stich gelassen.

Ähnlich wie beim Konflikt in der Ostukraine führt Russland gegen Georgien einen „Hybridkrieg“, indem es seine Beteiligung an der illegalen Grenzverschiebung verneint und verweist auf das an Georgien grenzende Südossetien verweist. Die georgische Regierung wie auch ihre westlichen Partner sind ratlos, wie man die Willküraktionen der Russen ohne Gewaltaktionen stoppen oder rückgängig machen kann. Auch gegen weitere Grenzveränderungen und eine Blockade der Verkehrswege durch Georgien und den Kaukasus sind die Betroffenen machtlos.


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