07.07.2014

Klitschko und Putin als Pilger auf dem Heiligen Berg Athos

EM, 07.07.2014 - Der EM-Beitrag über die Religionen in Kirgistan gewinnt durch einige aktuelle Berichte überraschende Aktualität: So ist der kürzlich zum Bürgermeister von Kiew gewählte ukrainische Box-Champion Vitali Klitschko in Kirgistan geboren und praktiziert seinen Glauben in der Russisch-Orthodoxen Kirche noch heute. Medienberichten zufolge hat er kurz vor seiner Wahl zum Bürgermeister von Kiew am 25. Mai den Berg Athos in Nordgriechenland besucht. Mit seinen beiden Söhnen nahm er an der heiligen Liturgie in einem russisch-orthodoxen Kloster teil. Solche Besuche gehören zum Pflichtprogramm orthodoxer Politiker in Russland, Belarus und der Ukraine sowie auf dem Balkan.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat mehrfach den Berg Athos aufgesucht, und der inzwischen gestürzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch, von dem einige behaupten, er habe sich nach einer Odyssee in einem der dortigen Klöster versteckt, war während seiner aktiven Amtszeit mehrfach auf dem Heiligen Berg.

Das 1000 Jahre alte Rossikon, das Panteleimon-Kloster auf dem Berg Athos, gilt als die „Wiege der Orthodoxie“. Es bewahrt die Traditionen der Kiewer Rus und der Christianisierung Russlands, ja überhaupt die „Rechtgläubigkeit“ gegen alle Anfeindungen seitens der päpstlichen Weltkirche und der westlichen Häresie. Entsprechend der Vielfalt der orthodoxen Kirchen gibt es auf dem Berg griechische, serbische, bulgarische, rumänische und gemischt russisch-ukrainische Klöster. Pilgergruppen kommen aus den Ländern des Ostens mit unterschiedlichen Gebeten, Wünschen und Träumen. Statt sich über den Konflikt in der Ukraine im gemeinsamen Gebet zu versöhnen, haben sich von ihren Bischöfen angeführte russische und ukrainische Pilgergruppen lieber hoch auf dem heiligen Berg geprügelt oder sind schnell davon geeilt, um einander bloß nicht zu begegnen.

Anscheinend heizen die Mönche auf dem Berg Athos den Rat und Kraft suchenden Politikern erst mal richtig ein. Putin zum Beispiel erklärte 2013 nach seinem letzten Besuch im Rossikon das Kiewer Reich sei „Grundlage des gewaltigen russischen Staates“ und Russen und Ukrainer seien ein Volk. Klitschko wurde von den Mönchen erst mal richtig gedemütigt: man verweigerte ihm die Kommunion und strafte den Boxweltmeister und Maidan-Revolutionär mit den Worten: „Wer der Menschen Blut vergossen hat, der darf Christi Blut nicht trinken!“


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