21.12.2015

Sollte Deutschland der Organisation für Islamische Zusammenarbeit beitreten?

EM, 21.12.2015 - In der Tageszeitung DIE WELT erschien am 17. Dezember ein bemerkenswerter Artikel, der sich mit der Frage beschäftigt, warum die nach Europa drängenden Flüchtlinge nicht im Nahen Osten bleiben. Die Länder der islamischen Welt, die vom Nahen Osten über Südasien bis nach Indonesien reichen, sind um ein Vielfaches größer und reicher als die Europäische Union, von Deutschland ganz zu schweigen. Warum finden die Flüchtlinge denn dort keine Bleibe? Europa bliebe viel erspart – und für die Region wäre es ein Gewinn, meint Gunnar Heinsohn Publizist und emeritierter Professor für Sozialpädagogik an der Universität Bremen im Beitrag Warum bleiben die Flüchtlinge nicht im NahenOsten?

Flüchtlinge in der arabischen Welt unterbringen?

Entgegen wachsender Kritik und Selbstzweifeln in Deutschland und einigen europäischen Ländern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer großzügigen Flüchtlingspolitik weltweit großes Ansehen erworben. Trotzdem fragt sich, ob es nicht sinnvoller wäre, die Flüchtlinge in ihrem Kulturraum zu belassen. Statt der schwer zu einem Konsens gelangenden Europäischen Union, sollte eine näher liegende „Allianz der Willigen“ aus dem islamischen Raum einspringen. Europa könnte für die Unterbringung dort gezielt Mittel einsetzen, die hier in Europa ins Leere gehen. Dafür müsste die EU Verhandlungen mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (abgekürzt OIC) aufnehmen. Diese besteht aus 57 Staaten mit einer Fläche von 26 Millionen Quadratkilometern und einer Bevölkerung von 1,53 Milliarden Einwohnern. Selbst zehn Millionen Flüchtlinge wären nur 0,65 Prozent der Gesamtbevölkerung, verglichen mit rund 20 Prozent Migranten in Deutschland, rechnet Professor Heinsohn vor.

Kontaktstelle: Organisation für Islamische Zusammenarbeit?

Zudem könnten die Europäische Union und besser noch Deutschland direkt den Kontakt mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit zur Einflussnahme auf die arabische Welt nutzen, sei es im Kampf gegen den Terrorismus, beim Wettbewerb um das Öl des Nahen Ostens, beim Export und zur Konfliktregelung wie in Syrien und Irak. Länder mit einer signifikanten islamischen Bevölkerungsgruppe haben nämlich das Recht, der Organisation für islamische Zusammenarbeit beizutreten, als Vollmitglied oder im Beobachterstatus.

Ein Beispiel dafür ist Russland, das mit 20 Millionen Moslems in Moskau, Tatarstan, Bashkortostan, im Kaukasus und Mittelasien über eine ansehnliche muslimische Bevölkerung von immerhin 20 Millionen (von 145 Millionen Gesamtbevölkerung) verfügt und diese als Trumpf bei seiner Nahostpolitik einsetzt. In der Organisation für Islamische Zusammenarbeit hat Russland Beobachterstatus. Die Europäische Union beherbergt mindestens 15 Millionen Moslems bei einer Gesamteinwohnerzahl von 500 Millionen, Deutschland 5,6 Millionen bei 81 Millionen. Angesichts dieser Zahlen und der wachsenden Bedeutung der muslimischen Bevölkerung in Europa kann man nur appellieren, dass die Europäische Union auch institutionell in der arabischen Welt Fuß fasst.


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