05.08.2014

Des Kalifen neue Kleider: Der Islamische Staat in Irak und Syrien

Unser Lesetipp

EM, 05.08.2014 - Am 9. Juni 2014 drangen Kämpfer des Islamischen Staates im Irak und in Großsyrien (ISIS) von Syrien kommend weit in den Irak ein. Innerhalb weniger Tage eroberten sie den gesamten Westen des Landes und stießen bis kurz vor Bagdad vor. Am 29. Juni 2014 riefen sie einen „Islamischen Staat“ und ein Kalifat aus.

Stephan Rosiny hat dazu eine Analyse in German Institute of Global and Area Studies (Giga) veröffentlicht. Das Hamburger Forschungsinstitut ist 2006 aus dem Deutschen Übersee-Institut hervorgegangen. Das Eurasische Magazin ist wiederholt auf dessen Interessante Beiträge eingegangen, hat auch mehrere Giga-Beiträge zitiert und eigene Analysen von Giga-Mitarbeitern veröffentlicht.

Stephan Rosiny schreibt: „Erstmals kontrollieren Dschihadisten ein zusammenhängendes, grenzüberschreitendes Territorium im Nahen Osten. Mit der Ernennung ihres Anführers, Abu Bakr al-Baghdadi, zum Kalifen, das heißt zum religiösen und politischen Oberhaupt aller Muslime, dürften sie sich allerdings ideologisch und politisch übernommen haben.

Der schnelle Erfolg des ISIS im Irak hat mehrere Ursachen: Der Irak ist politisch und ethnisch fragmentiert und in Teilen ohne zentralstaatliche Macht. ISIS verfügte bereits über eine territoriale Basis in Syrien, enorme Ressourcen an Waffen, Geld und Kriegern sowie irakische Bündnispartner im Kampf gegen die unpopuläre Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki in Bagdad.

Mit der Übernahme des frühislamischen Konzeptes vom Kalifat appelliert ISIS an die Sehnsucht vieler Muslime nach kultureller Authentizität, religiöser Reinheit und politischer Einheit. Diese Versprechen erfüllt er jedoch nicht, da sein brutales Vorgehen selbst viele sunnitische Muslime verschreckt, die zu verteidigen er vorgibt.

Das Kalifat beinhaltet einen politischen und religiösen Alleinvertretungsanspruch, den weder die bestehenden muslimischen Staaten noch die meisten sunnitischen religiösen Autoritäten akzeptieren werden.

Der ISIS-Vormarsch hat die Fragmentierung des Irak verschärft, und er könnte das Ende des Einheitsstaates beschleunigen. Eine Aufspaltung in ethnisch- konfessionelle Einzelstaaten wird die strukturellen Probleme des Landes jedoch nicht lösen, sondern sie nur multiplizieren.“

Den Volltext können Sie hier herunterladen:


Islamischer Staat (IS)IrakSyrien

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