27.09.2019

Das Brasilien der EU: Rumänien holzt seinen Urwald ab

Während Europa über die Waldzerstörung im brasilianischen Amazonasgebiet schockiert ist, verschwinden im EU-Land Rumänien die größten Naturwälder Mitteleuropas aufgrund massiver und außer Kontrolle geratener Abholzungen. Das Land hat mehr als 525.000 Hektar Natur- und Urwälder - mehr als jeder andere EU-Mitgliedsstaat außerhalb Skandinaviens. Diese Waldfläche ist annähernd doppelt so groß wie das Saarland (275.000 Hektar). Auf dem Papier sind mehr als 330.000 Hektar dieser Wälder geschützt, denn sie sind bereits Teil des EU-Natura-2000-Netzwerks, das z. B. auch alle Nationalparks umfasst. In Wirklichkeit sind die meisten dieser Wälder trotzdem nicht wirksam geschützt. Denn nur sechs Prozent der potenziellen Ur- und Naturwälder sind bisher im rumänischen „Nationalen Katalog der Urwälder“ gelistet. Dieses Programm gewährt nur jenen Wäldern Schutz, die engste Urwald-Kriterien erfüllen. Andere natürliche Wälder bleiben schutzlos. Infolgedessen sind Abholzungen auch in Nationalparks allgegenwärtig.

Fast die Hälfte der Urwälder Rumäniens wurden abgeholzt

Die EuroNatur Stiftung hat eine umfassende Bestandsaufnahme der wertvollen Waldbestände Rumäniens vorgelegt: Diese Analyse mit dem Namen PRIMOFARO (PRIMary and Old growth Forest Areas of ROmania) zeigt, wie prekär die Lage der wertvollen grünen Lungen Europas in Rumänien sind: fast 50 Prozent der Urwälder Rumäniens, die im Jahr 2005 im Rahmen einer umfassenden Urwald-Inventur identifiziert wurden, sind inzwischen abgeholzt oder degradiert, und damit zur Abholzung freigegeben. Die Erhebungen von PRIMOFARO zeigen, wie schnell die Waldzerstörung in Rumänien voranschreitet.

Nur acht Prozent der rumänischen Wälder sind in einem natürlichen Zustand

Acht Prozent der rumänischen Wälder sind heute noch in einem sehr natürlichen Zustand. Sie sind gewissermaßen das europäische Äquivalent des Amazonas-Waldes. Daher verdienen sie einen umfassenden Schutz“, betont PRIMOFARO-Mitautor Matthias Schickhofer.
„Europa muss zusammenarbeiten, um das außerordentliche Naturerbe Rumäniens zu bewahren. Wir erwarten, dass Rumänien EU-Recht respektiert und die Natura 2000-Gesetzgebung uneingeschränkt umsetzt: Natura 2000-geschützte Naturwälder auf Staatsgrund müssen sofort durch Maßnahmen der Regierung geschützt werden. Für private Natur- und Urwaldgebiete sind finanzielle Entschädigungen, die auch durch die EU gefördert werden müssen, unabdingbar“.

Die EuroNatur Stiftung und Agent Green fordern die Europäische Union und Rumänien auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um dieses „europäische Äquivalent des Amazonas-Waldes“ zu retten und sicherzustellen, dass die Natura 2000-Gesetzgebung in Rumänien durchgesetzt wird. Erst am 10. September 2019 haben EuroNatur, Agent Green und Client Earth eine EU-Beschwerde über systematische Verstöße des rumänischen Staates gegen EU-Rechtsvorschriften im Forstsektor eingereicht. 

Der Link zur Studie:
https://www.euronatur.org/fileadmin/docs/Urwald-Kampagne_Rumaenien/PRIMOFARO_24092019_layouted.pdf

RumänienUmwelt

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