24.01.2020

Briten verbieten Kreditkarten in Österreich

Bereits seit geraumer Zeit widmet sich die UK Gambling Commission der Frage, wie der Spielerschutz noch besser gewährleistet werden kann. Demnach wollte man schon länger den Einsatz von Kreditkarten in der Glücksspielbranche verbieten. Nun wurde das neue Gesetz in Großbritannien verabschiedet, das auch Spieler aus Österreich betrifft. Im UK ansässigen Casinos, die meist auch in weiteren Teilen Europas aktiv sind, ist es schon in wenigen Wochen nicht mehr erlaubt, Kreditkarten wie Visa oder MasterCard zu akzeptieren. Mit dieser strengen Regulierung möchte man ein Verschulden von Spielern vermeiden. Schließlich wird bei jeder Transaktion ein Darlehen in Anspruch genommen, so dass die Gefahr besteht, den Überblick zu verlieren.

Bereits vor rund einer Woche hatte die britische Zeitung The Guardian mitgeteilt, dass die UK Gambling Commission nun endgültig zu einer Entscheidung gekommen ist. Im Vorfeld hatte man überlegt, ob tatsächlich ein komplettes Kreditkartenverbot Sinn macht, oder ob hier lediglich Einschränkungen zum Einsatz kommen. Aufgrund des wachsenden Sucht- und Schuldenproblems kam man nun zu dem Entschluss, Kreditkarten generell aus der Gambling Branche zu verbannen – sei es in Online Casinos oder eben bei lokalen Anbietern.

Neues Gesetz tritt im April 2020 in Kraft

Wie die UK Gambling Commission inzwischen bekanntgegeben hat, gilt für Anbieter aller Art der Stichtag 14. April 2020. Seriöse Online Casinos in Österreich und damit auch in Großbritannien werden diese neue Regelung sicherlich einhalten. Schließlich ist ihnen daran gelegen, weiterhin verlässlich aufzutreten und sich nicht gleich Ärger mit den Behörden einzuhandeln. Die werden aller Wahrscheinlichkeit nach relativ zeitnah hart durchgreifen und den Unternehmen im schlechtesten Fall Lizenzen erzielen, sollte das Verbot von Kreditkartenzahlungen nicht ausnahmslos eingehalten werden.

Verbraucher werden sich laut der in Großbritannien ansässigen Finanzbehörde UK Finance umstellen müssen. Schätzungen zufolge werden allein in diesem Land mehr als 800.000 Spieler von der geliebten Kreditkarte zu einem anderen Zahlungsmittel wechseln müssen. Hier besteht die Gefahr, dass sich viele Gamer nach dem Stichtag sogar komplett gegen das Spielen im Casino – gleich ob lokal oder online – entscheiden. Einigen sind Alternativen wie Online Wallets immer noch zu befremdlich, als dass sie dazu übergehen würden, diese zu nutzen.

Branche sieht Kreditkartenverbot kritisch

Sicher mag der Grundgedanke der UK Gambling Commission richtig sein. Schlussendlich besteht gerade bei der Bezahlung mit Kreditkarten immer die Gefahr, in die Schuldenfalle zu tappen. Eine Abrechnung erfolgt meist einmal pro Monat. Wer bis dahin nicht genügend Geld aufbringen kann, um das Darlehen zu begleichen, der steht vor einem Berg an Zusatzkosten. Genau das will die Glücksspielbehörde in Großbritannien verhindern und damit gerade in Sachen Spielerschutz ein Zeichen setzen.

Der Vorsitzende der GRH AHPPG erklärte hierzu: „Das sind Leute, die mit Geld spielen, das sie nicht haben. Ich würde auch gern sehen, dass die Banken es ablehnen, die Leute mit Überziehungskrediten spielen zu lassen.“ Wenn man jedoch den Experten der Branche glauben darf, wird das Kreditkartenverbot höchstwahrscheinlich nicht zum Erfolg führen und das Problem der Verschuldung lösen. Die echten Problemspieler würden vielmehr auf Barkredite zurückgreifen – und damit am Ende dasselbe Problem in anderer Form haben. Besser wäre es, pathologische Spieler gezielt zu identifizieren und dort einzugreifen, wo es erforderlich ist.

Verbot gilt online wie offline

Betreiber von Online Casinos, aber auch von landbasierten Spielbanken in Großbritannien, müssen ihren Zahlungsbereich innerhalb der nächsten drei Monate umstellen. Bei den Top Anbietern ist davon auszugehen, dass sie Kreditkartenzahlungen bereits vor dem Stichtag 14. April 2020 herausnehmen werden, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Tatsächlich sind von der neuen Gesetzgebung, die die UK Gamling Commission bekanntgegeben hat, nicht ausschließlich virtuelle Glücksspielunternehmen betroffen. Auch lokal wird sich für Spieler künftig einiges ändern. Bezahlt werden kann alternativ weiterhin mit Online Wallets, per Banküberweisung und dergleichen. Es ist jedoch denkbar, dass die Glücksspielbehörde auch hier mehr Sorgfalt walten lässt und möglicherweise deutliche Beschränkungen bei den Limits durchsetzt. Noch ist dazu allerdings kein offizielles Statement abgegeben worden.

Anlass der Zahlungsänderungen ist die Tatsache, dass bereits jetzt rund 22 Prozent aller Briten, die Zahlungen per Kreditkarte durchführen, von Spielsucht betroffen sind. Die Dunkelziffer könnte bedeutend höher ausfallen, denn gerade für Online Gaming Anbieter ist es schwierig, pathologische Kunden auf Anhieb als solche zu erkennen. Man möchte in Großbritannien nun alles daransetzen, die Gefahren zu minimieren. Davon betroffen sind letztlich auch weitere Länder in Europa – darunter Österreich. Schließlich findet man hier einige der großen Glücksspielseiten, die im UK lizenziert wurden, wie beispielsweise William Hill, aber auch einige weitere. Die Zahlungsmethoden dürften grundsätzlich geändert und gelöscht werden, so dass sich am Ende alle Spieler, gleich wo sie ansässig sind, drastisch umstellen und auf Alternativen zurückgreifen müssen.

Auswirkungen für die Branche schwer abschätzbar

Die Glücksspielbehörde hat sich nicht nur mit dem Problem der Kreditkartenzahlung befasst. Hier wurde direkt ein Verbot beschlossen, doch auch EWallets geraten bei der UK Gambling Commission immer mehr unter Beschuss. Zunächst einmal hat sich PayPal aus der Branche zurückgezogen – das übrigens auch in Deutschland und Österreich. Möglicherweise trifft es jedoch schon in Kürze weitere Dienstleister, wie beispielsweise Skrill und Neteller. Ob auch hier ein generelles Verbot erwirkt wird, das bleibt abzuwarten. Sollte dem so sein, muss sich die Online wie Offline Casino Branche auf drastische Veränderungen einstellen. Möglicherweise bleiben viele Spieler komplett fern.

Aktuell hofft man auf eine deutlich mildere Lösung für Spieler und Anbieter. Wie im vergangenen Jahr von The Guardian offenbart wurde, hatte es bei Wallet Anbietern ein Umgehen der eigentlich geltenden Zahlungslimits gegeben. Teilweise investierten Problemspieler bis zu 150.000 Pfund und damit weit mehr, als das Banklimit eigentlich erlaubt hätte. Nicht nur die UK Gambling Commission überlegt sich nun, wie dagegen vorgegangen werden kann. Auch die britische Regierung selbst sieht den Zahlungsverkehr als problematisch an und erarbeitet Maßnahmen, um Spieler noch besser zu schützen. Ein erster Schritt sind strengere Identifikationsprüfungen, die in Zukunft zum Einsatz kommen sollen. Auch das Alter der Spieler muss genauer unter die Lupe genommen werden. Die Verifizierung des Accounts, die bis dato meist erst vor der ersten Gewinnauszahlung erfolgt, könnte womöglich auf einen früheren Zeitpunkt verschoben werden, damit Jugendliche gar nicht erst Zugriff auf das Spielangebot bekommen – und das ganz unabhängig davon, ob kostenlos oder mit realem Einsatz gespielt wird.

WirtschaftGroßbritannien

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