Der Ex-Präsident ist Russlands erfolgreichstes FotomodellPUTIN-FOTOGRAFEN

Der Ex-Präsident ist Russlands erfolgreichstes Fotomodell

Der Ex-Präsident ist Russlands erfolgreichstes Fotomodell

In den russischen Amtsstuben müssen die Putin-Portraits nun Bildern des neuen Präsidenten Dmitri Medwedew weichen. Im Ausstellungssaal des Moskauer Hauses der Fotografie ist das anders. Dort schmückt jetzt eine ganze Putin-Sammlung die Wände. Die Werke der Fotografen des Präsidenten-Presse-Pools erzählen von acht aufregenden Regierungsjahren. Putin der Emotionslose? „Im Gegenteil“, sagt Kuratorin Olga Swiblowa. „Er hat auf jedem Bild einen eigenen Gesichtsausdruck. Das macht ihn zu einem Kunstwerk.“

Von Simone Schlindwein

„Egal wie oft man ihn auch fragt, er kann nicht posieren“: Begeistert präsentieren die Veranstalter den Fotoband zur Putin-Ausstellung.  
„Egal wie oft man ihn auch fragt, er kann nicht posieren“: Begeistert präsentieren die Veranstalter den Fotoband zur Putin-Ausstellung.  

N ur einen Steinwurf vom Kreml entfernt, hängen jetzt in Moskaus größter Ausstellungshalle diese Kunstwerke. Auch ein neuer, schwerer Bildband zeigt nur einen: Putin in jeder Lebenslage. Ob schwimmend mit Delphinen im Schwarzen Meer, andächtig im Weizenfeld spazierend, mit nacktem Oberkörper auf einem Hengst oder mit Sorgenfalten auf der Stirn und in Camouflage in Tschetschenien – die Fotografen des Presse-Pools des Präsidenten sind dem Staatsmann in seiner Regierungszeit so nah gewesen wie sonst niemand.

„Die acht Jahre neben Putin sind so schnell vorbei gegangen“, seufzt der Fotograf Alexander Semljanitschenko andächtig. Es sei eine sehr emotionsreiche Zeit gewesen, erzählt er. Als Fotograf nehme er die Welt aus einer anderen Perspektive war. „Wir gucken ja durch die Linse und fokussieren nur unser Model“, erklärt er. Doch jeder Gesichtszug, jede Regung Putins erzähle wiederum ein Stück Geschichte, so Semljanitschenko.

Ein äußerst gefühlvoller Mann

Die Fotos beweisen: Der einstige Geheimdienstmann, dem sonst eher der Ruf des Emotionslosen anhaftet, ist offenbar äußerst gefühlsvoll. Trauer steht ihm am Grab des Unbekannten Soldaten ins Gesicht geschrieben, mitleidig umarmt er in Beslan verwundete Kinder, geduldig lässt er sich von einer Großmutter küssen. Auch auf den privaten Putin, in Lederjacke und Wollpullover, darf  der Zuschauer in der Ausstellung einen Blick werfen: Pizza essend in einem Fast-Food-Restaurant, ganz ohne Leibwächter.

Putin-Freund Wladimir Tschurow, der Vorsitzende des Zentralen Wahlkomitees, wandelt bedächtig durch die Ausstellungshalle, beäugt die Fotografien ganz genau. „Mir gefallen am besten die im breiten Format, beispielsweise das mit der langen Präsidentenlimousine“, murmelt er und outet sich als Kenner der Fotografie-Szene. Man könne die analogen Aufnahmen von den digitalen unterscheiden, meint er fachmännisch. „Die analogen sind bei weitem besser“. Über den Mann im Blitzlichtgewitter will er lieber nicht sprechen. Ob jemand gut aussehe oder nicht, hänge in erster Linie vom Fotografen und nicht vom Modell ab, sagt er schulterzuckend und wendet sich dem nächsten Bild zu. 

Die Ausstellungskuratorin kommt ins Schwärmen

Klaus Bednarz  
Putin hängt an den Wänden der größten Ausstellungshalle in Moskau.  

Die Kuratorin der Ausstellung, Olga Swiblowa, hingegen schwärmt vom Ex-Präsidenten als Fotomodell. Sie hat die Bilder für den 220-seitigen Bildband ausgesucht, der auf der Ausstellung präsentiert wird. Das Buch sei für die Foto-Kultur Russlands eine neue Technik, erklärt sie. „Es zeigt die Geschichte der vergangenen acht Jahre in unserem Land“, sagt sie. Und die sei vor allem mit einem Mann verbunden: mit Wladimir Putin.

Die Bildunterschriften zu formulieren, habe ihr besondere Freude gemacht, erinnert sich Swiblowa mit einem versteckten Lächeln. Das glaubt man gern. Die kleinen Textbausteine kommentieren die Bilder mit einem etwas frechen Unterton: „Egal wie oft man ihn auch fragt, er kann nicht posieren“, steht neben den Fotos geschrieben, auf denen Putin mit nacktem Oberkörper in der Taiga beim Jagen und Angeln zu sehen ist. „Das kann er wirklich nicht“, lächelt die zierliche Swiblowa verschmitzt. Deswegen seien die Bilder ja so einzigartig. „Man sieht darauf nur das echte Leben“, da ist sie sich sicher. „Und er hat auf jedem Bild einen eigenen Gesichtsausdruck. Das macht ihn zu einem Kunstwerk“.

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Die Autorin ist Korrespondentin von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

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